Marienkirche in Gera gesucht

Gera: Marienkirche | Am 6. August 2014 trug es sich zu, dass sich der Jenaer Künstler und Komponist, Organist und Konzertpianist Reinhard Doberenz in Jena in einen Zug nach Gera setzte, um einem kleinen Konzert von Eszter & Judit, Piano und Violine, in der Geraer Marienkirche um 17:00 Uhr beiwohnen zu können. Er hatte Eszter, eine gute alte Bekannte von ihm, vergessen zu fragen, wo in Gera sich die Marienkirche befinde. Er überlegte, dass er Eszter kurz vor dem Auftritt nicht mit dieser Frage behelligen wolle und dachte sich, er werde dann, in Gera auf dem Bahnhof angekommen, schon eine zuverlässige Auskunft bekommen dazu, wo die Marienkirche zu finden sei. Kaum dass Herr Doberenz auf dem Geraer Hauptbahnhof ausgestiegen war, begab er sich schnurstracks zu der Auskunftsstelle des Bahnhofes. Da saß eine Dame hinter dem Schalter und gab geraderaus zu, dass sie sich mit Kirchen nicht auskenne. Sie schickte Herrn Doberenz zu einem Taxi-Stand, welcher sich in unmittelbarer Nähe des Geraer Hauptbahnhofes befindet. Dort fragte er den erstbesten Taxifahrer, ob der wisse, wo die Marienkirche zu finden sei. Dieser konnte ihm nicht gleich antworten, konsultierte einen Kollegen und sprach danach, er werde Herrn Doberenz dorthin fahren. Dieser stieg ein, zahlte nach etwa fünf Minuten Fahrt 9,10 Euro und stieg dann wieder aus, um in die Marienkirche zu gelangen und dem Konzert beiwohnen zu können. Er ging zum Portal der Kirche, konnte aber keine Musik vernehmen und die Tür war verschlossen. So ging er einmal um die Kirche herum und musste feststellen, dass er an der Salvatorkirche abgesetzt wurde. Sofort ging er den Taxifahrer suchen, um ihm dessen Irrtum mitzuteilen, doch war dieser schon längst verschwunden und so hatte Herr Doberenz, der sich in diesem Moment ganz sicher betrogen fühlte, nicht mal mehr die Gelegenheit, sich das Nummernschild des Taxis zu notieren. Ihm blieb nur übrig, Passanten zu fragen, wo sich denn nun die Marienkirche befinde. Einige wussten gleich gar nichts und gaben das unumwunden zu, bis er auf einen Menschen stieß, der vorgab zu wissen, wie man sich dorthin begibt. So machte sich Herr Doberenz auf den Weg und landete nach einem ganzen Stück Fußmarsch bei der Kirche. Doch auch da konnte er keine Musik vernehmen und nach einigem Umherspähen bemerkte er, dass er zu der Trinitatiskirche geleitet wurde. Das machte ihn etwas ärgerlich und er hatte schon große Bange, nicht mehr zur rechten Zeit zum Konzertbeginn in der Marienkirche anzukommen. Wieder bemühte er sich, Passanten anzuhalten und sie nach der Marienkirche zu fragen und nach dem Weg dorthin. Eine Frau nahm sich seiner an und erklärte ihm den Weg zur besagten Kirche. Herr Doberenz eilte nun nach der ihm benannten Beschreibung und landete schließlich vor einer sehr, sehr großen Kirche. Niemand mag beschreiben, wie groß seine Enttäuschung und sowohl sein Entsetzen war, als er bemerkte, wieder vor einer Kirche zu stehen, welche verschlossen war und dann NICHT die Marienkirche war. Er stand vor der Johanniskirche und war verzweifelt und ebenso entsetzt über die Unwissenheit all der Geraer Bürger, welche er befragt hatte. Er schaute auf seine Uhr und ahnte schon, dass er das eigentliche Konzert vollends verpasst hatte und ließ sich nun treiben auf seinem Weg, er ging einfach der Nase nach. So passierte es, dass er sich plötzlich vor einer Polizeiwache befand. Er dachte kurz nach, fackelte nicht lange und ging hinein in diese Wache. Dort stand auf einmal eine Kriminalbeamtin vor ihm, welche ihn wohlwollend fragte, was sein Begehr sei. Er sammelte sich und erzählte ihr die kleine Story, welche ihm in den letzten Minuten oder gar Stunden widerfahren sei und sie hörte ihm in Ruhe zu. Angefangen von der Unfähigkeit der Auskunftsstelle des Bahnhofes, weiter vom Taxifahrer, der ihn an einen falschen Ort gebracht und dafür 9,10 Euro kassiert hatte bis zu der Unwissenheit der befragten Passanten bis hin zu der Traurigkeit darüber, dass er das Konzert in der Marienkirche verpasst habe, welches er so sehr gern gehört hätte und wofür er in Jena in den Zug nach Gera gestiegen sei. Die Kriminalbeamtin sagte, sie sei seit einiger Zeit gläubig, und dieser Glaube habe ihr in letzter Zeit sehr geholfen. Sie fragte auch, ob Herr Doberenz sich das Taxi-Nummernschild gemerkt oder notiert habe, was er ja verneinen musste. Da dachte sie kurz nach, ging in ein Nebenzimmer und kam mit einem 10 Euro-Schein in der Hand zurück. Sie gab ihm diese 10 Euro mit den Worten, dass er diese als Entschädigung für die Taxifahrt, welche ja völlig vergeblich war, annehmen solle. Herr Doberenz wehrte sich zunächst, nahm dann dieses Geld aber dankend an, da die Dame sich nicht davon abbringen lassen wollte. Wieder beteuerte sie ihre Christlichkeit und Herr Doberenz nahm sie dann kurz in Prüfung und fragte sie nach einem bestimmten Lied aus dem evangelischen Gesangsbuch; sie wusste sofort Bescheid und er glaubte ihrer christlichen Gesonnenheit. Nachdem sie sich noch ein wenig unterhalten hatten und Herr Doberenz der beamteten Dame seine Visitenkarte gereicht hatte, erklärte sie ihm schließlich den Weg zum Bahnhof und auch zu der Marienkirche und sie verabschiedeten sich. Herr Doberenz gelangte schließlich nach dem ihm beschriebenen Weg zur Marienkirche; er hoffte, Eszter & Judit vielleicht noch anzutreffen, in Entspannung nach dem Konzert. Jedoch war auch diese Kirche geschlossen, alle hatten sich schon längst entfernt. So ging er nun in Richtung Bahnhof und sein Weg führte ihn über eine Brücke der Elster. Wie es das Schicksal schlussendlich gut mit ihm meinte, wird auf dieser gerade ein Café betrieben (vom Lummerschen Backhaus), das Brückencafé . Und was am allerbesten daran war, ist, dass dort auch Köstritzer Schwarzbier ausgeschenkt wurde. Das ist neben Kaffee ein Lieblingsgetränk von Herrn Doberenz und so ließ er sich einladen in die Idylle der Natur. Die Brücke bietet Blick auf Schloss Osterstein, auf den Lauf des Flusses Elster, in den schönen dichten Wald des Stadtviertels Gera-Untermhaus und auf die schönen Bauten der Umgebung. Nicht zu vergessen: auch auf die schöne Marienkirche zu Untermhaus, erbaut 1440 im spätgotischen Stil.
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2 Kommentare
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Rainer Erler aus Altenburg | 30.08.2014 | 19:49  
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Eszter Rotter aus Camburg | 01.09.2014 | 22:41  
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