Eine Blutspur unschuldiger Kinder auf der Flucht schreit nach Hilfe
Garbsen: Planetenring 7 | In vielen Ländern der Welt herrscht Krieg und Ungerechtigkeit.
Die Nachrichten sind voll mit Meldungen von dort. Oft hören wir nur noch weg.
Am 21. Mai gerieten in Garbsen einige (leider viel zu wenige) Menschen mitten in das Flüchtlingsdrama unschuldiger Kinder aus Kriegsgebieten.
Im Rahmen der Interreligiösen Kulturwochen fand durch die Initiative Giuliano Michelis von der italienischen Gemeinde eine Theateraufführung statt.
„Taricqs Auftrag“, nach der Erzählung von Antonio Umberto Riccó, ist eine Inszenierung vom boat people projekt Göttingen in Kooperation mit dem Klecks Theater in Hannover.
Es geht dabei um die Flucht eines Jungen aus Afghanistan
Gespielt wurde dieser von dem inzwischen 23jährigen Sabur, der vor acht Jahren selbst mit seiner Familie aus Afghanistan flüchtete. Zwei Jahre lang waren sie zu Fuß unterwegs.
Im Theaterstück spielt er einen Jungen, der aus Afghanistan über Patros in Griechenland in einem LKW als blinder Passagier auf einer Fähre nach Italien gelangte.
Er nahm die Strapazen auf sich, um seine Familie zu retten. Seine kleine Schwester war auf eine Mine getreten und hatte dabei beide Beine verloren.
„ich komme aus einem Land, in dem es mehr Tretminen als Einwohner gibt“, sagt er in dem Stück. An anderer Stelle spricht er den wunderschönen Satz: „Der Tag kann nichts dafür, dass es Nacht wird, die Sonne nichts dafür, dass der Mond aufgeht, aber das Herz eines Afghanen kann etwas dafür, dass die Liebe für seine Heimat nie verloren geht.“
Auf seiner Flucht kommt er ums Leben wie so viele.
Unzählige verzweifelte Jungen binden sich beim Verlassen der Fähre, die sie über das Meer in Richtung Griechenland oder Italien bringt, an die Achsen der Räder eines LKWs. Das bedeutet für viele dann den sicheren Tod.
Eine Blutspur, die hinter einem LKW erschien, brachte einmal die Polizei zu dem leblosen Körper eines Jungen unter dem Wagen.
Ergriffen verfolgte das Publikum das Schicksal des Jungen. Viele der Anwesenden blieben noch fassungslos im Saal der Aula sitzen und hörten gebannt zu, als der Autor des Stückes sich mit den Schauspielern unterhielt.
Allen war klar, dass es hier nicht nur um ein Theaterstück, sondern um Realität ging.
Zuletzt wurde das Ganze noch konkreter, denn wenn die Flüchtlinge es bis in die vermeintliche Freiheit geschafft haben, warten neue andere Schikanen auf sie:
Nurjana Ismailova, eine Bewohnerin des Isolationslagers in Meinersen wurde auf die Bühne gerufen und erzählte vom Alltag der „geduldeten“ Flüchtlinge.
Nurjana, die inzwischen 20 Jahre alt ist, lebt seit ihrem 11. Lebensjahr in Deutschland. Sie hat einen abgeschlossenen Realschulabschluss und spricht perfekt deutsch.
Von einer Ausbildungsstelle darf sie allerdings leider nur träumen. „Geduldete“ Flüchtlinge haben nicht das Recht auf Arbeit. Sie müssen sich alle 3 Tage bei der Behörde melden, um eine Verlängerung ihrer Duldung um 3 weitere Tage zu bekommen.
Das geschieht im Falle Nurjanas nun schon seit 11 Jahren!
Sie muss dabei einen 15 Kilometer weiten Weg zurücklegen, wenn es sein muss auch zu Fuß, wie ihr die Behörde mitteilte.
Es hängt so vieles von der Willkür der Behördenmitarbeiter ab.
„Mir kommt es so vor, als ob ich eine lebenslange Strafe bekommen habe, obwohl ich keine Straftat begangen habe“ erklärte Nurjana einmal.
Bargeld bekommt sie und die anderen Flüchtlinge auch nicht. Es gibt Wertmarken, die beim Einkauf gegen Waren eingetauscht werden müssen. Wechselgeld wird nicht ausgezahlt.
Was ist das für eine Welt in der wir leben?
Die einen führen Kriege um immer reicher zu werden und die, die darunter leiden müssen, auch wenn es noch unschuldige Kinder sind, bleiben auf der ganzen Welt heimatlos!
Herzlichen Dank an den Integrationsbeirat der Stadt Garbsen, der öffentlich macht, was nicht verschwiegen werden darf.
Zum Schluss stelle ich mir und allen die Frage: was können WIR tun?
Eine Unterschriftenaktion läuft bereits, unterstützt von: the VOICE Refugee Forum, KARAWANE Netzwerk, antirassistisches Plenum Hannover, Flüchtlingsrat Niedersachsen, und weiteren Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen aus Gifhorn, Hildesheim, Braunschweig und Hannover.
Mehr Informationen über das Schicksal derer, die ohne eigene Schuld ihre Heimat verlassen mussten und hier jahrelang nur „geduldet“ werden, kann man hier lesen: http://www.thevoiceforum.org/node/2009



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