Augenblick mal
Tag für Tag stehen viele Menschen an Haltestellen und treffen dort oft immer die gleichen Wartenden.
Man sieht sich und sieht sich doch nicht wirklich.
Vor einigen Tagen stand an einer Bushaltestelle in Garbsen ein älterer Herr und blickte suchend um sich.
Ob ich ihm sagen könne, welche Nummer der Bus hätte, der gerade kam, wollte er von mir wissen.
Ich nannte ihm die Linie und das Ziel, woraufhin er sich herzlich bedankte.
Er sagte „ Wissen Sie, ich bin immer auf fremde Hilfe angewiesen, weil ich nicht mehr gut gucken kann.“
Ich antwortete ihm „ Dann wünsche ich Ihnen, dass sie immer jemanden treffen der Ihnen weiterhilft.“
Er lächelte und erwiderte „ Oh ja, ich treffe immer nette Menschen, die mir behilflich sind“
Strahlend fügte er noch hinzu: „ Seit ich nicht mehr richtig sehen kann, führe ich dadurch so nette Gespräche mit anderen, das ist mir vorher nie passiert“
Zufrieden stieg er in den Bus, der inzwischen gehalten hatte.
Ich bewundere diese Einstellung.
Der Satz " Man sieht nur mit dem Herzen gut" kam mir spontan in den Sinn.
Der freundliche alte Herr lässt sich durch seine Behinderung nicht die Freude am Leben nehmen – im Gegenteil er sieht die positiven Begleiterscheinungen darin.
Er gibt ein gutes Beispiel dafür, wie man mit seinen Unzulänglichkeiten fertig werden kann, wenn man sie annimmt.
Ich hoffe, dass ich mich bei den kleinen Ärgernissen des Alltags immer wieder daran erinnere.


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