Ein Schiff wird kommen

Die Überführung wird vom Fernsehen verfolgt
 
Auf eine lange Wartezeit vorbereitet
Die Meyer Werft in Papenburg macht seit Jahren Schlagzeilen mit ihrem gigantischen Schiffsbau.
Das hat sie und viele Arbeitsplätze gerettet und sorgt jedes Mal, wenn ein neues Schiff über die Ems in die Nordsee überführt wird, für Proteste der Umweltschützer.
Es sorgt aber auch für viele begeisterte Zuschauer die ehrfurchtsvoll, still und stundenlang darauf warten, dass sich der Gigant an ihnen vorbeischleicht.
Mit dem PKW oder auch Camper kommt man an der Bundesstraße, die entlang der Emsdeiche führt, über die Grundstücke einheimischer Anwohner zur Deichkrone. Gegen eine kleine Spende für gemeinnützige Zwecke, stellen die Besitzer auf deren Höfe nahe dem Deich auch einen Parkplatz für sein Fahrzeug zur Verfügung.
Von hier aus bietet sich dann die Sicht auf die Ems und den Kreuzfahrtriesen.
Aus der Ferne glaubt man, dass sich das Schiff überhaupt nicht bewegt. Nur dass es immer größer wird beweist, es schwimmt und kommt flussabwärts auf uns zu. Sie wird von zwei Schleppern, die mit dem Bug und Heck fest verbunden sind die Ems flussabwärts dirigiert.
Ich beobachte die Überführung kurz hinter der Weener Friesenbrücke, die größte Eisenbahnhubbrücke in Deutschland, die im Dezember 2015 von einem Schiff gerammt und nun eine Brückenruine ist.
Die Durchfahrtbreite hat aber keinen Schaden genommen und so manövriert der Lotse ja nicht zum ersten Mal einen solchen Kaventsmann durch die beiden Brückenpfeiler und die aufgestaute Ems.
Die Tide kam später und nicht so hoch wie erhofft und so ergab sich eine zeitliche Verzögerung von 1 Stunde für die Ausdockung aus dem Hafenbecken der Meyer Werft.
Hier stand der Luxusliner bereits 14 Tage draußen, um ihn mit den notwendigen Aufbauten, mit denen er nicht mehr in die Halle gepasst hätte, auszustatten.
Nach einem Jahr und 6 Tagen Bauzeit und mit drei tiefen Tönen aus dem Schiffhorn, weit hörbar, verabschiedet sich die Ovation von der Meyer Werft.
Das Wetter hatte für wenig Wind und sogar Sonnenschein gesorgt. Nur das Warten bei ca. 7°C ließ nach Sonnenuntergang die Kälte langsam in die Beine und weiter in den Körper steigen.
Wer wollte konnte sich im „Basecamp“ bei einem Grog, Bratwürstchen, Bratkartoffeln oder am Lagerfeuer innerlich und äußerlich aufwärmen.
Leider kam die Flut erst am späten Nachmittag und durch die Verzögerung tauchte die Ovation langsam in die Dunkelheit ein und kam als leuchtendes Schiff um die Flussbiegung zur Weener Brücke.
Strahlend helle Scheinwerfer leuchteten das Ufer und die Brückenpfeiler an. In der Dunkelheit konnte man kaum einen Spalt zwischen Brücke und Schiff erkennen, aber alles ging ruhig, behutsam und sicher voran. Eine tolle Kommunikationsleistung der Schiffscrew und der Navigation. Und das war nur eine von weiteren zwei Engstellen auf der Reise in die offene See.
Die Ovation kam direkt auf die Zuschauer, die auf dem Deich standen, zu. Ihre richtige Dimension wurde jetzt erst sichtbar, nachdem man nicht nur ihre Breite sondern auch die ganze Längsseite sehen konnte.
Zwei Fußballfelder hintereinander gelegt reichen nicht aus, um das 348 Meter lange und 41,5 m breite Kreuzfahrtschiff mit seinen 18 Stockwerken darauf unterzubringen.
Die geflutete Ems ist vielleicht gerade doppelt so breit die der Gigant selbst und es bleibt kaum mehr als eine Handbreit Wasser unter dem Kiel, der 8,5 m unter die Wasseroberfläche geht. Diese Tiefe sieht man der Ems gar nicht an. Man sieht nur, dass der Pegel etwas über die Uferbefestigung geht.
Das schwimmende Schiff verursacht kaum eine Bugwelle und gleitet ruhig an den Zuschauern vorbei.
Die Zuschauer, die bis jetzt ausgeharrt hatten, verlassen den Deich und ich fahre parallel zur Ems in Richtung Hotel nach Leer.
Der Kreuzliner lässt sich hinter dem Deich aus auf ihrer Fahrt zum niederländischen Eemshaven, geisterhaft wie ein „Fliegender Holländer“ beobachten.
Kurz vor Leer stehen auf der Jann-Berghaus-Brücke bereits viele Schaulustige in Erwartung der Vorbeifahrt um von der Brücke nicht auf den riesigen Koloss hinunter, sondern aufzuschauen.
Dann wird es am Emssperrwerk noch einmal eng bevor sie in Emden endlich drehen darf und mit eigener Kraft vorwärts seine Fahrt bis Eemshaven in Holland fortsetzen kann. Von Eemshaven aus werden zwei Testfahrten in die Nordsee gemacht.
Warum fährt die Ovation eigentlich rückwärts? Die Erklärung ist ganz einfach. Der Kapitän hat von der Brücke aus das gesamte Schiff vor sich und vor seinen Augen.
Danach wird sie in Bremerhaven voll ausgerüstet und startet am 14.04. zur Jungfernfahrt jeweils von Southampton für 3 Tage und am 17.04. zur zweiten Fahrt für 5 Tage mit Passagieren nach Cherbourg, Le Harvre, Seebrügge und wieder zurück.
Wer demnächst eine Kreuzfahrt mit der Ovation Of The Seas buchen will, muss dann zuerst eine lange Flugreise auf sich nehmen um vom Heimathafen Tianjin in China, das etwa 150 km südöstlich von Peking liegt, um in den asiatischen Gewässern rumzuschippern.

Die „Ovation of the Seas“ gehört zur Quantum-Klasse und bietet Platz für mehr als 4000 Passagiere.

Georg Pauldrach
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2 Kommentare
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Kurt Battermann aus Burgdorf | 13.03.2016 | 17:36  
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Wolfgang H. Zerulla aus Burgwedel | 13.03.2016 | 21:57  
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