150 Jahre nach den Siedlern auf deren Spuren durch die Great Plains. - Teil 1

Bison, die Ruhe in Person
 
Berlin war Ausgangspunkt
 
Landeanflug
 
Chicago, "the windy city"
Durch die Great Plains mit dem Planwagen? Die Wege der Siedler auf dem Weg nach Westen nachvollziehen, wer würde das heute noch machen?
Heute passiert so etwas mit dem SUV, einem in Amerika geläufigen, bei uns aber noch fast unbekannten Begriff, der sagen soll, man ist bequem, sportlich und mit der nötigen Anzahl an Pferdestärken unter der Haube unterwegs.
Und wie kommt man auf so eine Idee?
Das eigentliche Ziel war eigentlich Chicago und Mount Rushmore und dann kam eine Sendung im ZDF, wie ein Fernsehteam durch das Grasland und von Süden nach Norden auf zum Teil unbefestigten Straßen durch die unberührte Landschaft Süd Dakotas fuhr und die pure Natur erlebte.
Bisons, Springböcke, Rehe, die weißen Schneeziegen, die Erdmännchen, Klapperschlangen, Streifenhörnchen und nicht zuletzt die Vogelwelt und Fauna einsam auf weiter Flur erleben.
Eine spannende Sache, die uns unsere Reise komplett umorganisieren ließ.
Also, Leihwagen ab Chicago und dann immer westwärts. Da braucht man auf den guten amerikanischen Highways, mit ein paar Stopps für 850 km schon so seine 11 - 12 Stunden, denn speeden ist nicht, oder sehr teuer. Die für uns ungewohnte Geschwindigkeit auf so langen Strecken ist, wenn es hoch kommt, maximal 75 Meilen = ca. 130 km oder meistens weniger.
Da ist gemütliches Reisen auf fast autofreien Highways angesagt, aber im Vergleich zu den Planwagen eine irre Geschwindigkeit.
Endlos gerade Straßen, endlose Ebene und Weite scheinen uns kaum voranzubringen.
Die Mississippi-Überquerung ist schon mal einen Stopp Wert, zumal eine deutsche Bierstube zu einer Verkostung einlädt. Hier ist er Mississippi zwar schon breit, aber eher noch ein harmloser Fluss.
Wahrscheinlich wäre das Bier und der Hamburger besser gewesen als der dünne Amerikanische Kaffee. Der deutsche Besitzer hat also doch noch nicht alles ganz auf deutschen Geschmack getrimmt.
Bei Des Moins wird langsam der Tank leer, der uns zu einem Stopp am Missouri zwingt. Das Capitol mit seinen 5 Kuppeln, die mittlere und größte ist goldenen, überragt die Stadt und wir lassen unserer Neugier freien Lauf.
Die Hauptstadt von Iowa war einer der Vorbilder für die Entwicklung demokratischer Politik der US Bundesstaaten und wir erleben das hautnah. Währen der Debatten im Repräsentantenhaus und der Abgeordneten konnten wir, nach der Sicherheitskontrolle, ins Kapitol und sogar auf den Zuschauerrängen fotografieren, allerdings ohne Blitz.
Die Rotunde, die Kuppel, die Treppen, die Wände aus edelstem verschiedenfarbigen Granit und Marmor, das Holz aus Mittel- und Südamerika, beeindruckend.
Das architektonisch und historisch interessante Gebäude mit seiner Bibliothek, alten Gesetzestexten, Parlamentsbeschlüssen und Urteilen, nicht besucht zu haben, käme einer Todsünde gleich.

Es ist schon später Nachmittag und wir müssen weiter, denn Sioux City ist unser Tagesziele und noch gut 2,5 Std. entfernt. Die Amerikaner denken, was Entfernungen angeht, in Zeit und nicht in Meilen. Daran muss man sich auch erst einmal gewöhnen, vor allen, wenn man den Durchschnittsverbrauch des Wagens ermitteln will: Gallonen = 3,6 Liter durch Meilen = 1,6 km, oh je. Also unser Fahrzeugtank war nach 350 Meilen 3/4 leer. Also kommen wir mit einem vollen Tank etwa 450 Meilen weit. Die umrechneten in km bringt nichts, denn nirgendwo taucht auch nur im Entferntesten ein uns geläufiges metrisches Maß auf.
Wir haben schon zu Hause das Hotel direkt am Ufer des Missouri mit "Riverblick" für ein paar Dollar mehr gebucht. Im Geiste haben wir in der Dunkelheit Huckleberry Fin auf dem Fluss vorbeifahren sehen. Der Missouri ist hier nicht sehr groß und weit ab von jeglicher Mark Twain Romantik.
Nach gut 800 km (521 Meilen), guten 12 Stunden "on the road" und einem wohlschmeckenden Abendessen hatten wir auch nicht mehr viel Sinn nach Romantik, sondern nach einem Bett und tiefen Schlaf.

Wohl ausgeruht und gut gefrühstückt, vom Jet Lack keine Spur, beginnt das eigentliche Abenteuer, auf das wir schon seit Monaten hin gefiebert haben.
Die unbekannte Wildnis ca. 400 Km weiter in Richtung Westen. Keine Indianer am Wegesrand, kein Bison, dafür große "Corn (Mais) Silos" manchmal auch gelbe (Mais)Haufen davor. Eisenbahnschienen, vereinzelt Tankwaggons und dann kam doch noch ein ellenlanger Güterzug mit 3 Diesel Lokomotiven davor.
Die Gegend ist geprägt von Ackerbau und Viehzucht.
Schwarze Angusrinder grasen hier das langsam wachsende Gras ab. Die Natur hatte dieser Gegend einen langen, strengen Winter beschert und hängt etwas zurück. Aber übers Jahr gesehen wird das dem guten Steak keinen Abbruch tun.
Bei der Weite der Landschaft hat 1 Rind geschätzte 10 Quadratkilometer nur für sich. Welch ein Luxus und welch ein Steak!
Aber wo bleiben die riesigen Büffelherden? Sie sind hier weniger geduldet und würden den schwarzen Rindern nur Konkurrenz machen.
Amerika hat, was die fast ausgerotteten Bisonherden angeht, ein Bison Aufzucht- und Schutzprogramm mit ausgewiesenen Wildlife Refuges beschlossen.
Und das nächste war nur 3 Meilen von unserem heutigen Tagesziele, Valentine, entfernt.
Von der Straße aus sah man 3 braune Rücken aus dem Präriegras schauen - endlich die ersten Bisons!
Der Weg dorthin brachte uns aber den Bisons nicht näher, im Gegenteil, sie waren wie verschwunden. Dafür gab es hier die sogenannte "Präriehund City". Lauter Runde Erhebungen mit einem Loch in der Mitte und darin, davor oder auch mal etwas weiter weg, die kleinen, süßen Grasnager, von denen mindestens eines immer auf der Hut ist und mit einem Warnlaut die anderen vor Gefahren warnt. Ein Pfiff und weg sind alle, solange bis der Mutigste sich herauswagt, Männchen macht und fröhlich mit den Vorderpfoten gestikuliert - Entwarnung also. Nähert man sich wieder einem Bau, geht das Spiel von vorne los.
Das Refugium ist groß und von einer Anhöhe konnten wir die Bisonherde sehen ein.
Also nichts wie hin und tatsächlich grasten sie genau in unsere Richtung. Ich stand da mit laufendem Motor und hätte bei Gefahr den Rückwärtsgang eingelegt und wäre schnell weggefahren, aber alles blieb friedlich und nach 1 Stunde überquerte die Büffelherde vor uns die Straße, wohl geleitet durch den Anführer und wie im richtigen Leben gab es auch einen Nachzügler. Erst als alle wieder beisammen waren, zog die Herde gemächlich weiter und wir gingen jetzt unseren Hunger stillen.

Trotz blauem Himmel und Sonnenschein war es durch den Wind am nächsten Morgen gefühlte -10 Grad kalt. Die zu Hause angeschaute Wettervorhersage von ca. 20 Grad Celsius lag also weit daneben. Zum Glück hätten wir unsere "Schietwetter-Mütze" und gerade gekaufte Handschuhe dabei. Das macht sich im Auto zwar lächerlich, aber es war eine moralische Unterstützung.

Außer vereinzelt stehenden Gehöften mit Silos, abgemähten Maisfeldern und ab und zu grasenden oder eingepferchten Angusrinderherden kann man nicht von einer reizvollen Landschaft reden.
Aber der Weg sollte uns auch heute wieder ca. 400 km weit führen, also musste noch etwas Interessantes kommen und das zeichnete sich schon in der Ferne ab. Helle, spitz gezackte, unwirklich aussehende Gesteinsformationen mit ungewohntem Aussehen. Endlich sind wir da, wo vor Jahrmillionen noch Wasser floss und die Dinosauriere hier ihre Heimat hatten.
Das Gebiet ist amerikanischer Naturschutzpark mit strengen von den Touristen zu beachtenden Regeln: alles so lassen wie es ist, nichts aufheben und schon gar nichts mitnehmen und die Durchfahrt durchdie Badlands kostet 15 Dollar.

Die Sonne verstärkt die Farben und gibt der Landschaft ein einmaliges Farbenspiel.
Eigentlich müssten die vielen "Viewpoints" gar nicht ausgeschildert werden, man hält eigentlich noch öfters und ist gefesselt von dem Anblick. Ob die Fotos zuhause auf dem Bildschirm auch noch so wirken werden?
"Take nothing but photos, leave nothing but footprints, waste nothing but time."

Auf den geologischen Lehrpfad gibt es Fossilien zu sehen, die aus der Urzeit unserer Erde stammen. Nur das Hinweisschild über die Klapperschlangen nimmt keiner ernst. Sie würden heute nur vor Kälte klappern.

Ein kleiner Teil der Strecke ist wegen des 3 Tage anhaltenden Regens aufgeweicht und noch gesperrt.
So bleibt uns gar nichts andere übrig als bis Wall zum Exit 116 zu fahren, wo noch aus der Zeit des Kalten Krieges in den 70iger Jahren eine Attrappe einer Intercontinentalen Ballistic Missile (Minuteman II) im Silo in der Erde versteckt liegt.
Davon gab es 1500 versteckt liegende Atomraketengegen die Sowjetunion gerichtet waren. und sie hätten nicht nur sie vernichtet.
Wo und wann sehen wir die vielen Bisonherden, auf die schon so lange warten? Wenn nicht jetzt wann dann?
Der Ranger vom Grassland Visitor Center in Wall gibt uns einen Tipp und tatsächlich, schon gleich um die nächste Biegung grasen sie oder, weil ihnen das Winterfell juckt, reiben sie es an allen möglichen Pfeilern oder Verkehrsschildern – frei und direkt vor uns, ganz ruhig, ganz gelassen.
Man ist deswegen fast versucht hinzugehen um sie zu streicheln.
Aber Vorsicht, es sind wilde Tiere!
Bei vielen wild lebenden Tieren haben wir es schon gesehen, dass das Auto für sie keine Gefahr bedeutet, aber der Mensch und wehe, wenn er das Auto verlässt.
Ich habe es unterwegs erlebt, als mich nur eine Leitplanke von einem sehr stämmigen Bison trennte. Ich kam ihm sehr nahe und das hat ihm gar nicht gefallen. Er fing das Schnauben an und das hat mir trotz stabiler Leitplanke zwischen uns erheblichen Respekt eingeflößt. Trotzdem ist dabei ein schönes Bisonportrait rausgekommen.
Zumindest sind wir auf der Strecke durch die Badlands und dem Grassland auf dem Weg nach Keystone auf unsere Bisonkosten gekommen.
Es war schwer, um diese Zeit in Keystone, 4 -6 Wochen im voraus, ein Hotelzimmer zu bekommen. Die meisten waren nicht verfügbar und wenn wir unterwegs mit Amerikanern gesprochen hatten, fragten sie, ob wir denn ein Zimmer bekommen hätten. Zum Glück ja, waren unsere Gedanken, gut das wir rechtzeitig gebucht hatten.
Die Überraschung war groß als wir in Keystone ankamen. Statt wie vermutet überfüllte Hotels und Straßen vorzufinden war alles leer und die meisten Hotels waren gar nicht geöffnet. Die Saison fängt erst Ende Mai an.
So konnten wir völlig unbeschwert, ohne Gedränge zu allen Sehenswürdigkeiten gelangen und das war nach dem Einchecken im Hotel natürlich der Mount Rushmore mit seinen 4 Präsidentenköpfen.
Ich war vor 40 Jahren zum letzten Mal da und sie sind nicht älter geworden, aber ich!
Die abendliche Beleuchtung haben wir uns nicht entgehen lassen und danach sind wir todmüde ins Bett gefallen.

Ende 1. Teil
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2 Kommentare
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Karl-Heinz Mücke aus Pattensen | 14.05.2014 | 06:23  
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Hans-Rudolf König aus Marburg | 24.06.2014 | 15:46  
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