Integration

Ich gut - Du draußen bleiben?
Füssen: Stadt |

Integration ist schwierig. Nicht nur in Frankreich ist deutlich zu erkennen, wohin unterlassene Integration führen kann, wenn wir nicht auf die integrationswilligen Flüchtlinge zugehen. Auch diejenigen, die in unseren Augen nicht integrations-willig scheinen, sollten wir nicht ausgrenzen. Möglicherweise ist es nur ein kleiner „erster Schritt ohne Erwartung“, der einen ersten Riss in die trennende Mauer zwischen uns und dem Flüchtling entstehen lässt. Wir dürfen nicht alle über einen Kamm scheren und die gleichen Fehler machen, die wir aus Unwissenheit bei den Gastarbeitern machten, die ab den 60iger Jahren nach Deutschland kamen.

Ich erinnere mich noch gut an das erste Gastarbeiterhaus in unserer Nachbarstadt mit ca. 15.000 Einwohnern. Als Arbeitskollegen wurden sie geschätzt. Als Mitbürger wollten wir sie nicht kennenlernen und ließen Sie auch nicht an unserem Leben teilhaben. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als an ihren Traditionen aus der Heimat festzuhalten. Deren Kinder wurden in Deutschland geboren. Obwohl sie mit uns zur Schule gingen, unsere Sprache sprechen und viele von ihnen integriert sind, fühlen sie sich zwischen ihrer Tradition und unserer Lebensweise hin- und hergerissen. Einige dieser Generation fühlen sich heimatlos, nehmen Schaden an ihrer Seele und flüchten sich in die Isolation. Die sozialen Folgen und Schäden für unsere Gesellschaft werden in den Gettos der Großstädte deutlich sichtbar. Auch in vielen Familien, die Anschluss an unsere Gesellschaft gefunden haben, wird Ehrenmord für ehrenhaft gehalten. Die Stellung der Frau ist eher alttestamentarisch und den Töchtern/Schwestern wird nicht zugetraut, selber über ihre Ehre und Wahl des Lebenspartners zu bestimmen. Das gibt es nicht nur bei den Muslimen. Auch Christen aus dem Orient denken bereits in der dritten Generation so. - Ich kenne solche Familien.

Zurzeit sehen immer mehr Bürger in Deutschland zwei extreme Möglichkeiten: Die unmenschliche Alternative für Deutschland mit Stacheldraht und Gewehr im Anschlag oder den langsamen Untergang des Abendlandes. Noch werden diese beiden Extreme nicht von der Mehrheit in Deutschland geteilt. Nach einem Schuldigen suchen ist nicht zielführend. „Aus der Vergangenheit lernen und miteinander die Zukunft gestalten“ lautet das Gebot der Stunde. Um unseren eigenen Kindern die Chance auf eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen, lasst uns gemeinsam nach Möglichkeiten für ein Miteinander suchen.

Was können wir machen, damit wir weiterhin tolerant bleiben dürfen ohne dass uns später unsere Toleranz zum Verhängnis wird? Die Unannehmlichkeiten der Völker-wanderung bekommen die Menschen in den Regionen der Gastländer zu spüren. Um Ängsten, Vorurteilen und falschen Hoffnungen vorzubeugen ist ein „Miteinander“ in den Kommunen besonders wichtig. Vielleicht sollte unser Motto in den nächsten Jahren lauten: „Miteinander fördern und voneinander fordern.“


Miteinander fördern:

Schon heute leisten ehrenamtliche Helfer einen großen Beitrag zur Erstversorgung der ankommenden Flüchtlinge. Sobald die Flüchtlinge in den Kommunen ihr Quartier
bezogen haben, wird bei der Einkleidung und beim Deutschunterricht geholfen. Vereinzelt öffnen sich Vereine für die Flüchtlinge und leisten damit einen wichtigen Beitrag. Jeder Flüchtling wählt zwei Vereine aus, in welchen er mitwirkt. Speziell in diesem Bereich liegen ungeahnte Chancen für beide Seiten. Die Vereine gewinnen dankbare Mitglieder und die Flüchtlinge lernen ganz nebenbei unsere Sprache und mit den kulturellen Unterschieden zu leben. Gegenseitige Unsicherheiten werden überwunden, gegenseitige Werte werden ausgetauscht und „der unbekannte Andere“ bekommt ein menschliches Gesicht.


Voneinander fordern:

Jeder Flüchtling erhält in seiner Muttersprache einen Auszug der ersten 19 Artikel aus unserem Grundgesetz. Humorvoll bebilderte Erklärungen beleuchten die Unterschiede der deutschen Kultur zur Herkunftskultur. Jedem Flüchtling, der in Deutschland bleiben will, muss deutlich werden, dass das deutsche Grundgesetz in der Rechtsprechung über jeder Tradition stehen muss, damit ein Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen möglich sein kann. Gegenseitiger Respekt ist für ein friedliches Miteinander dringend notwendig und sowohl vom Gastgeber wie auch vom Gast einzufordern. Im Idealfall könnte der Flüchtling auf freiwilliger Basis und vor dem Überreichen der Anerkennung für den längerfristigen Aufenthalt in unserem Land, ein feierliches Bekenntnis zu den europäischen Werten „brüderliche Einigkeit, gleiches Recht für Alle sowie Freiheit der Wahl von Partner, Beruf, Glaubensbekenntnis und Aufenthaltsort“ ablegen.
- Manchmal wirken Rituale wahre Wunder. -

Harald Vauk
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7 Kommentare
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Hartmut Stümpfel aus Sarstedt | 06.01.2016 | 13:06  
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Harald Vauk aus Füssen | 06.01.2016 | 14:21  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 06.01.2016 | 17:54  
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Harald Vauk aus Füssen | 06.01.2016 | 19:23  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 07.01.2016 | 00:36  
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Wolfgang H. Zerulla aus Burgwedel | 07.01.2016 | 23:28  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 09.01.2016 | 01:48  
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