S4-Ausbau muss unbedingt gleichzeitig mit 2. Stammstrecke erfolgen

Völlig überfüllte S4 (Foto: Münchner Merkur, 4.12.2015, mvz-tz)
Fürstenfeldbruck: Bahnhof | Sonst resultieren noch stärker überfüllte Züge als Kollateralschaden der 2. Stammstrecke

Der Beschluss zur Realisierung und Finanzierung zur 2. Stammstrecke wird auch von uns begrüsst. Allerdings ist dieser mit gravierenden Nachteilen für die S4-Pendlern verbunden, wenn es nicht gelingt, die Strecke Pasing-Buchenau rechtzeitig zur Eröffnung der 2. Stammstrecke (vsl. 2026) auszubauen.

In einer bis vor Kurzem geheim gehaltenen Studie zur 2. Stammstrecke wird bestätigt: Nach Eröffnung der zweiten Stammstrecke wird die S4 West noch voller, als sie heute schon ist. Die Strecke zwischen Leienfelsstrasse und Pasing wird zur am stärksten überfüllten Strecke im gesamten Münchner S-Bahnnetz. Statt bisher sechs Züge pro Stunde werden nur noch fünf verkehren. In der zitierten Studie heisst es dazu lapidar: „Diese Überlastungen müssen hingenommen werden, da ohne weiteren Infrastrukturausausbau keine Taktverdichtung … möglich ist“. Umso dringender ist es jetzt, den S4-Ausbau wie Bayerns Innenminister im Mai 2014 versprochen hat, zu beschleunigen, damit der Streckenausbau zwischen Pasing und bis Buchenau bis spätestens 2026 gleichzeitig mit der 2. Stammstrecke fertiggestellt wird. Die Deutschen Bahn, die Planung und Bau vorantreibt, muss dem S4-Ausbau dringend eine höhere Priorität einräumen. Die Staatsregierung, welche die Planung mit 12,3 Millionen Euro finanziert, darf die Ausrede der Bahn, die Planung hätte sich wegen unzureichende Planungskapazitäten verzögert, nicht länger hinnehmen und dem Grundsatz „wer zahlt befiehlt“ Folge leisten. Ausserdem hoffen wir, dass die Staatsregierung ihr Wort hält, und die kürzlich beschlossene Finanzierung der 2. Stammstrecke den S4-Ausbau nicht beeinträchtigt. Bisher hat sich die Staatsregierung bezüglich S4-Ausbau leider hauptsächlich durch leere Versprechungen und Falschaussagen hervorgetan.

Noch stärker überfüllte S4-Züge nach Eröffnung der 2. Stammstrecke

Liest man die PR-Mitteilungen, dann wird die 2. Stammstrecke in rosaroten Farben gemalt und unter den Pendlern gibt es nur Gewinner. Auf der S4-West erhöhe sich die Gesamtzahl der Züge zwischen Buchenau und Pasing um 33%, da statt bisher drei Züge pro Stunde künftig vier Stunde pro Stunde verkehren würden. Die Ernüchterung kommt erst, wenn man das Kleingedruckte in der oben erwähnten Studie liest. Pro Tag werden neu statt bisher 65 Zügen neu 70 Züge zwischen Buchenau und Pasing verkehren, also keinesfalls 33% mehr Züge, sondern nur knapp 8%. In der morgendlichen Spitzenstunde, gerade dann, wenn am meisten Pendler unterwegs sind, verschlechtert sich das Angebot sogar von heute sechs Zügen (drei durch die Stammstrecke, drei ab Pasing ohne Halt zum Hauptbahnhof bzw. über die Sendlinger Spange nach Höllriegelskreuth) auf nur noch fünf Züge (vier durch die Stammstrecke einer über Sendlinger Spange). Dies ist umso dramatischer, als die S4-West jener S-Bahnaussenast ist, auf welchen in der Spitzenstunde am meisten Fahrgäste aller S-Bahnlinien unterwegs sind, und zwar deutlich mehr als auf jenen Linien, welche sechs Züge pro Stunde erhalten werden. Die S4 wird einen traurigen Rekord erreichen, sie wird die am stärksten überfüllten Züge im gesamten S-Bahnnetz ausweisen.

Zurückstellung des S4-Ausbau hinter die 2. Stammstrecke war eklatante Fehlentscheidung

Dies zeigt, wie dringend der S4-Ausbau ist, und dass es eine eklatante Fehlentscheidung von Staatsregierung und Landtag war, den S4-Ausbau im 2010 beschlossenen Bahnknotenkonzept erst unter ferner liefen aufzulisten. Damit ist der S4-Ausbau in der Priorität weit hinter der 2. Stammstrecke zurückgefallen, was den Planungsprozess um Jahre zurückwarf. Die von Otto Wiesheu 2004 proklamierte Reihenfolge zuerst S4-Ausbau, dann 2. Stammstrecke wurde auf den Kopf gestellt.

Unendliche Liste von leeren Versprechungen, Falschinformationen und Verzögerung durch Bahn und Staatsregierung

Seither wechselten sich bezüglich S4-Ausbau vage Versprechungen, Fehlinformationen und Hiobsbotschaften über Verzögerungen ab.

Im Dezember 2006 reagiert MdL Reinhold Bocklet verärgert auf … „Äußerungen des Leiters der Abteilung Verkehr im bayerischen Wirtschaftsministerium, Dieter Wellner, der Anfang November erklärt hatte, der Tunnel [gemeint ist die 2. Stammstrecke] werde in drei Abschnitten errichtet und die Außenstrecken würden zuletzt verbessert. „Das war ohne Hintergrund und der Minister war nicht erbaut.““ (SZ, 22.12.2006).

Genau das passierte jedoch, als 2010 der Ausbau Pasing-Buchenau und 2011 der Ausbau Berg am Laim – Markt Schwaben auf Antrag der Staatsregierung aus dem Bundesförderprogramm für Schienenpersonennahverkehrsprojekte gestrichen wurden.

Im März 2012 liess Martin Zeil verkünden, die Tür zum S4-Ausbau sei geöffnet. Auch hier musste man jedoch das Kleingedruckte lesen: Zunächst müsse die Planung optimiert werden hiess es. Dies hatte zur Folge, dass die eigentlich von der Deutschen Bahn bereits abgeschlossene Vorplanung wieder von vorne gestartet werden musste.

Im März 2013 beantragt das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur und Technologie (STMWIVT), den 3-gleisigen Ausbau Pasing-Buchenau in den neuen Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen. Allerdings wird damals so getan, als ob weiterhin ein 4-gleisiger Ausbau geplant sei, und mit der Anmeldung des 3-gleisigen Ausbaus nur ein zusätzlicher Finanzierungstopf geöffnet werde. Ein zusätzliches Gleis sollte über das Bundesprogramm gemäss dem GVFG finanziert werden, ein weiteres zusätzliches Gleis über den Bundesverkehrswegeplan (BVWP).

Im Juli 2014 erklärt die Staatsregierung im Landtag, mit 3 Gleisen könne der gleiche Fahrplan wie mit 4 Gleisen gefahren werden.

Im November 2014 versprach Innenminister Joachim Herrmann, dass das 3.Gleis zwischen Pasing und Eichenau spätestens 2019 gebaut sein soll.

Im Mai 2015 muss die Staatsregierung eingestehen, dass sie keinen Termin nennen kann.

Im August 2015 verkündet die Staatsregierung im Landtag, dass die Entwurfsplanung noch nicht abgeschlossen werden konnte, da noch die betrieblichen Anforderungen (sprich der Fahrplan) erarbeitet werden müssten. Hat die gleiche Staatsregierung nicht schon im Juli 2014 behauptet, mit 3 Gleisen könne der gleiche Fahrplan wie mit 4 Gleisen gefahren werden?

Am Aschermittwoch 2016 verkündet Innenminister Joachim Herrmann, dass er sich dafür einsetze, dass „.. bis Ende 2017 die Planfeststellung beantragt werden kann“. Dazu müssten jedoch die Planungsschritte Vorplanung und Entwurfsplanung bereits abgeschlossen sein.

Im März 2016 erfahren wir jedoch von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, dass sich der S4-Ausbau nicht wie von der Staatsregierung im August 2015 behauptet im Planungsstand „Entwurfsplanung“, sondern erst im Planungsstand „Vorplanung“ befindet. Die von Joachim Herrmann in Aussicht gestellte Einreichung der Planfeststellung bis Ende 2017 ist daher ziemlich illusorisch.

Und im April 2016 gibt MdL Reinhold Bocklet bekannt, dass die Ergebnisse der Vorplanung nicht wie geplante im Sommer 2016, sondern voraussichtlich erst 2017 vorlegen werden, aufgrund begrenzter Planungskapazitäten der Bahn.

Anmerkung zu Planungsständen
1. Schritt ist die Grundlagenermittlung
2. Schritt ist die Vorplanung
3. Schritt ist die Entwurfsplanung
4. Schritt ist die Genehmigungsplanung. Erst dieser Schritt mündet in das Planfeststellungsverfahren.
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