Couplet AG bekämpft das Virus der menschlichen Dummheit

Türkenfeld - Seit einigen Monaten stellt die Münchner Couplet AG in ihrem neuen Programm die kühne Behauptung auf: "Ab morgen wieder Hirn". Ob das nun tatsächlich so ist oder nur reine Spekulation unverbesserlicher Optimisten, das konnten die Zuhörer im vollbesetzten Saal im Gasthof Hartl, dem Unterwirt in Türkenfeld, selbst erleben.

Vier Musikkabarettisten hatten ohne jede Scheu eine Filiale ihres "Bundesamtes für registrierte Blödheit" in den Landkreis Fürstenfeldbruck verlegt. Bianca Bachmann ist neu im Team. Im Bühnenspiel beim Nockherberg-Starbieranstich hat sie einst Monika Hohlmeier verkörpert und dabei bewiesen, dass sie vor nichts zurückschreckt. Jetzt tritt sie als Frau Schmutziger auf, die sich mit Herrn Cebulla (Jürgen Kirner) in kollegialer Disharmonie durch Aktenstöße wühlt, während zwei Beamte (Bernhard Gruber und Hans Dettendorfer) monoton Löcher in Papier stanzen und neueste Meldungen aus dem Telefax ziehen und vorlesen. So wird bekannt, dass ein Terrorist eine Briefbombe nicht ausreichend frankiert hat und die Rücksendung selbst öffnete. Wenn die beiden Beamten ihre Monotonie ablegen, dann fetzen sie mit Gitarre, Akkordeon und Gesang munter mit und verleihen den kernigen Couplets putzmuntere Spritzigkeit.

Rotzfrech und mit dialektischem Scharfsinn wettert die Couplet AG gegen die grassierenden Verblödung in unserer Gesellschaft. Sowohl mit schweren Säbeln als auch mit nadelspitzem Florett ziehen sie gegen Dampfplauderei, Dilettantismus und hanebüchenden Unsinn zu Felde und stemmen sich vehemend gegen die "Vielfalt der Einfalt". Ihre durchgehende Devise: "Dumm zu sein bedarf es wenig und wer dumm ist, der ist König". Das Debile in unserer Gesellschaft nimmt immer schlimmere Formen an und wird nur noch von einen Schwall von Worthülsen übertroffen, die Politiker tagtäglich absondern. Der Bazillus der Dummheit lauert überall. Am liebsten befällt er Politiker, Banker, andere artverwandte Zielgruppen und heimatverbundene Serienfilmer. Hier zeigt sich jedoch das soziale Gewissen des Kabaretts. Es nimmt sich auch diesen Randgruppen an.

Die Vollblukabarettisten Bianca Bachmann und der Verwandlungskünstler Jürgen Kirner ziehen gegen all diese Spezies mit eingängigen Melodien und rotzfrechen Texten zu Felde. "Es genügt nicht nur unfähig zu sein, man muss auch in die Politik gehen", heißt ihr Credo. Jeder bekommt sein Fett weg. Seehofer als der "beste Schnürlhanswurst von Merkels Marionetten" oder die Kanzlerin selbst, der man mit "Unser Ferkel, das heißt Merkel" ein rüsseliges Denkmal setzt. Der Kasperl und die Gretel machen sich über die bayerisch-östereichischen Banktransaktionen her und dem Florian Pronold nutzt auch kein "Abrakadabra" mehr, um den Schrumpfprozess der bayerischen SPD aufzuhalten. Da muß der Bayern-Wertstoffkönig tatenlos zusehen, wenn in machen Orstvereinen der dritte Mann zum Schafkopfen fehlt.

Dann noch ein vielfaches Hoch auf den Bofrostmann, der in seinem Viertel die Geburtenrate stabil hält. Die verblüffende Ähnlichkeit der Sprößlinge fällt sofort ins Auge. Ganz in Rage kommt Bianca Bachmann, wenn sie mit "Mach mir den Karl-Theodor" über die Bühne fegt.

Zwei Stunden humorvolles Programm war angefüllt mit feiner Satire und nuanciertem Slapstick. Ensemblekabarett vom Feinsten. Zum Schluß schlägt dann das Heer der Senioren gnadenlos zurück. Wie einst Lützows verwegene Jagd rasen sie mit ihren Rollis durch das Altenheim am See. Zwangsernährte und Aufmüpfige proben rotweintrinkend, auf die Gicht pfeifend und mit anderen hemmunsglosen Lustbarkeiten, den Aufstand. In diesen fetzigen Seniorenrock mischte sich tosender Beifall.

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