150 Jahre unter dem Motto "Des Liedes Kraft uns einig schafft" - Chorgemeinschaft MGV 1861 feiert großes Jubiläum
Fürstenfeldbruck - Man schrieb den 11. Mai 1861, als im Kontor der Marthabrauerei der Männergesangverein Fürstenfeldbruck gegründet wurde. Bis dahin gab es keinen registrierten Gesangverein, denn die damalige "Casino-Gesellschaft" verstand sich als Träger jeglicher Form des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in Bruck.
Der neue Verein blieb zunächst dieser Gesellschaft zugeordnet, hatte jedoch mit dem königlichen Taxbeamten Franz Hartmann seinen 1. Vorsitzenden. Bereits im ersten Vereinsjahr löste man sich schon aus dem Verbund mit der "Casino-Gesellschaft", blieb ihr aber weiterhin freundschaftlich verbunden.
Eine der ersten bedeutenden Aktivitäten des Vereins war die Teilnahme am allgemeinen deutschen Sängerfest in Nürnberg. Man beschaffte sich eine Vereinsfahne und trat dem Bayerischen Sängerbund bei. Von einem Vereinsmitglied wurde der Sängerspruch "Des Liedes Kraft uns einig schafft" gedichtet und vom Sangesmeister vertont. Der MGV bewahrt ihn seitdem als Vereinsspruch im Archiv auf. In jenen Jahren manifestierte sich jegliches Vereinleben mehr und mehr, zumal die 1848 erlangten neuen Grundrechte das künstlerische Leben in freiere Bahnen lenken konnte.
Die Weihe der Fahne, Teilnahme an Waldfesten, Faschingsveranstaltungern, Kirchweihtanz und anderen artverwandten Auftritten bei Nachbarvereinen prägten die ersten Jahre des Vereinslebens. Die Kriegsjahre 1870/71 verhinderten dann öffentliche Auftritte und diesen Ereignissen musste sich auch die Feier zum zehnjährigen Bestehen unterordnen.
Drei Jahre später wurde der Verein wieder beim großen Sängerfest in München aktiv. In der Folgezeit machte er immer wieder durch besondere Veranstaltungen von sich reden. So im Jahre 1903 durch die Aufführung des Nestroy-Stücks "Lumpazivagabundus". Regie führte damals der Kunstmaler Karl Robiczek, der den Dichter noch aus seiner Wiener Zeit persönlich kannte.
Durch die sich immer verbessernden Verkehrsverbindungen konnte sich auch der Aktionsradius des Männergesangvereins vergrößern. Und so wurde das 40jährige Gründungsfest mit einem Ausflug über drei Tage in Kempten gefeiert.
Die Presse attestierte dem Verein in jenen Tagen eine hohe künstlerische Leistung, die mit ihrem schon sehr umfangreichen Repertoire eine gesangliche Disziplin erreichte.
Die Kriegsläufe der Jahre 1938 bis 1948 ließen das Vereinsleben abermals erlahmen. Der erste Vorsitzende der Nachkriegszeit war der umtriebige Karl Huber. In diesen Jahren war der Zustrom der Sänger besonders hoch, und als dann noch Damen als außerordentliche Mitglieder akzeptiert wurden, schlug die Stunde der Chorgemeinschaft, die allerdings erst am 18. März 1970 manifestiert wurde. In 12 großen Folianten ist die Geschichte der Chorgemeinschaft als Chronik dokumentiert. Als Klaus Kriesbach im Jahre 1988 die "CHORNACHRICHTEN" als informelle Vereinszeitung ins Leben rief, wurden diese bis heute zur modernen Fortführung der Vereinschronik.
In der Jahreshauptversammlung des Jahres 1978 vollzog sich wieder einmal ein Wachwechsel, als Ludwig Lösch die Nachfolge von Bernhard Pulfer als 1. Vorsitzender übernahm, die er, abgesehen von einer Unterbrechung von 5 Jahren,bis heute inne hat. Chorleiter war damals noch Roland Muhr, dessen Arbeit im Dezember 1981 in gutem Einvernehmen endete.
Unter der Mitwirkung von Ludwig Lösch und Eduard Obst konnte bereits im Januar 1982 der neue Chorleiter Klaus Linkel dem Chor präsentiert werden. Beim ersten Kontaktgespräch dieses Trios stellte sich heraus, dass hier drei gestandenen Oberpfälzer verhandelten. Ergebnis: Klaus Linkel leitet nicht nur den Chor nunmehr seit 29 Jahren, sondern er hat mit seinem hohen musikalischen Niveau, seiner Perfektion und seinem Gespür für Aufführungen, die beim Publikum ankommen, der Chorgemeinschaft einen unverkennbaren Stempel aufgedrückt. Der Fächer seiner erfolgreichen Einstudierungen spannte sich über anspruchsvolle Klassik, bemerkenswerte Kirchenmusik, Opern, klassische Operetten und moderne Musicals. Einen Meilenstein setzte Klaus Linkel, als er am Neujahrstag des Jahres 1995 das "Fürstenfeldbrucker Neujahrskonzert" aus der Taufe hob, welches bis heute der musikalische Renner im Jahreslauf ist. Auch die Weihnachtskonzerte sind seit Jahren ein beliebtes Ereignis.
Mit der Eröffnung des neuen Stadtsaals in Fürstenfeld begann auch für die Chorgemeinschaft eine neue Ära. Die bisherigen Aufführungsorte, meist Turnhallen, gehörten der Vergangenheit an. Aber auch das Erscheinungsbild des Chores nach außen gestaltete sich mit dem Slogan "Fürstenfeldbrucker Classics 2000" völlig neu und viel moderner. Die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wuchs mehr und mehr. Die Chorgemeinschaft war mit frischem Image und Bravour nicht nur im 21. Jahrhundert angekommen, sondern vollzog auch in dieser Zeit einen Quantensprung in ihrer Entwicklung.
In diesem Jahr kann der Verein auf 150 Jahre seines Bestehens zurückblicken. Ein stolzes Jubiläum für den ältesten kulturschaffenden Verein in der Großen Kreisstadt. Das sollte auch gebührend begangen werden. Mit einem Festgottesdienst und der "Missa festiva" von Klaus Linkel dankte der Verein auch im christlichen Sinne für das lange Bestehen und gedachte auch den verstorbenen Mitgliedern.
Bei der sich anschließenden Matinée im Barocksaal des Klosterareals hielt der Präsident des Bayerischen Musikrates Dr. Thomas Goppel die Festansprache. Eine Vielzahl von philosophischen Gedanken, die sich um das Singen als Bestandteil des menschlichen Lebens rankten, prägten seine Worte. Auch OB Sepp Kellerer sprach ein Grußwort und andere Vereine und Gremien schlossen sich an. Der Vorsitzende Ludwig Lösch moderierte eine launige und straff organisierte Jubiläumsveranstaltung, die von der Harfenistin Nora Sander musikalisch untermalt wurde. Im Foyer des Saales hatte der Chor eine kleine informative Austellung über seine Geschichte aufgebaut.
Als Höhepunkt des Jubiläumsjahres hat der Chor mit großem Orchester und Solisten am 16. Juli 2011 im Stadtsaal des Veranstaltungsforums Fürstenfeld die Oper "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber halbszenisch unter großem Beifall aufgeführt.




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