Das Freudige Ereignis - Taufe, Wiege, Wickelkind

Friedrichsdorf: Heimatmuseum | »Da legte man den Leib, der kaum drei Spannen lang, in ein verwünschtes Tuch, das mich zusammenzwang. Mir Händ und Füße band und durch die Wickelschnüre. Mit meiner Zärtlichkeit so kurz und grob verführe, als wenn mein Häschers-Knecht den Dieb zu packen kriegt, ihm Händ und Füße bindt und in die Fesseln fügt. Ich schrie und wrunge mich, doch alles war vergebens, O dachte ich, welcher Blick und Anfang meines Lebens!«

Dies Gedicht schrieb im Spätbarock Johann Christian Günther, eine Zeit, als die Kinder noch gewickelt wurden. Heute lebt diese kleine Mumiengestalt nur noch in Lebkuchen und Holzdocken, denn inzwischen haben die Kleinkinder ihre Freiheit erworben, leben fröhlich und unbekümert, ohne äußere Zwänge ihre ersten Tage. Es war nicht immer alles gut in der »guten alten Zeit«, wie die Ausstellung zeigt. Immer wieder griff der Tod gerade nach den Neugeborenen, die man etwa durch Amulette zu schützen suchte.

Die Sonderausstellung zeigt anhand von Bild- und Tondokumenten sowie ihrer Gerätschaften die Arbeit der Hebammen von einst bis hin zur Wöchnerin, wie man die gewordene Mutter einst nannte. Zarte Taufkleider zeugen von familiären Traditionen rund um Geburt und Taufe, zu der ebenfalls das Geschenk des Paten gehört. Wiegen, Säuglingskleidung und Ausstattung belegen, wie behutsam man den Stammhalter umsorgte. Dabei ging die Mode auch am Kinderwagen nicht vorbei. Grundstock der Ausstellung bildet die Privatsammlung von Gerd Grein (Museum für Odenwälder Volkskultur), doch sollen Archivalien aus dem Friedrichsdorfer Stadtarchiv und vor allem Exponate aus dem eigenen Depot zusammengestellt werden. Diese Ausstellung ist im Heimatmuseum, Alt Seulberg 46, Friedrichsdorf-Seulberg mi und do von 9-12 Uhr, so von 14-17 Uhr bis einschl. 10. Juli d. J. zu sehen. Feiertags bleibt das Museum geschlossen.

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