Was sagt und dieses Wetter

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Wenn man unser derzeitiges Wetter anschaut, hat derr Dichter Herbert Rosendorfer recht gehabt, als er einst nicht ohne Grund festgestellt hat: »Das Voralpenland ist aus klimatischen Gründen für Menschen nicht bewohnbar. « Dort herrscht nämlich eine Art Belagerungszustand durch himmlische Kontrastprogramme: zu heiß oder zu kalt, für die Jahreszeit. Schuld daran sind die unverständlicherweise so beliebten Alpen mit ihrem ewigen Nordstau. Das Land ist ungeschützt allen Nord-, West- und Oststürmen und allen Tiefs aus den Eisschränken der Schlechtwetterküchen preisgegeben. Temperatursprünge lassen den Kreislauf knirschen. Wehte nicht gelegentlich der warme Südwind, Föhn genannt, Bayerns Himmel zeigte kaum je die Landesfarben Weiß und Blau (Nicht Blau-Weiß! Das ist Israel!).
Das geringfügig mildere liebliche Franken geht gen Osten über ins wunderschöne Hügelland des Bayrischen Waldes. Dessen Nordzipfel wird -Bayrisch Sibirien- genannt. Wenn es da nicht im Juli und September schneit, werden die Bewohner unruhig.
Warum straft der Herrgott uns, die rechtgläubig katholische Nation, also? Gewiss zur Abhärtung. Dieses Wetter hat dazu beigetragen, die bayrischen Stämme so zäh, widerstandswillig und gottergeben werden zu lassen. Wer weiß, dass der Winter im Oktober beginnt und Ende Mai, nach den -Eisheiligen-, (die nicht Langnese, Oetker und Jopa hießen, sondern Pankraz, Servaz und Bonifaz), sich verzieht, um Ende Mai, bei der -kalten Sophie., noch einmal die Frostkeule zu schwingen und zu röhren: »I kimm fei glei wieder«, der lernt es, sich in den regen- und gewitterreichen kurzen Sommermonaten der paar Sonnenstunden dankbar zu erfreuen und zu jubeln, wenn der Hochsommer auf einen Dienstag fällt.
Die Erfahrung lehrt, dass Sonnenschein die Faulheit, ein Bayernwetter aber die Tatkraft fördert. Daher das bewundernswerte wirtschaftliche und künstlerische Potential des Freistaates. Was soll man denn machen, wenn's dauernd kalt ist und regnet, als tüchtig sein.
Die einzige Variable ist der erwähnte Föhn. Er ist für jeden praktisch. Plötzlicher Wärmeeinbruch und ein seidig blauer Himmel steigern den einen das Lebensgefühl in euphorische Bezirke. Anderen verursacht er Kopfweh. Autofahrer sind bei Föhn bereit, aus einem Überholvorgang heraus all sogleich vor ihren Schöpfer zu treten, wobei der rechte katholische Glaube den Heimgang erleichtert. Das Föhnweh überfällt wahllos Einheimische und Zugereiste. Letztere in höherem Maße. Sie jammern und stöhnen und tun, als würden sie in zehn Minuten unschuldig hingerichtet. Manche Zugereiste sucht diese Warmluft heim wie Mexico-Reisende die Rache Montezumas. Sie jeiern über Kopfweh, Herzweh, Bauchweh - nur Heimweh kriegen sie nie, und das ärgert die legalen Bayern.
Für die weitaus größte Gruppe der Jammerer ist der Föhn nur eine Ausrede, faul zu sein oder sich unwürdig zu betragen. Früher gab es ein Gesetz, das Straftaten, begangen bei Föhn, mildernde Umstände zubilligte.
Die wahre Klimalage des Landes müsse geheim bleiben, sonst kämen keine Touristen mehr, meinen manche. Eine unbegründete Furcht. Grade jene aus den nördlichen Tiefebenen, die jeden Urlaub hier zubrachten, ziehen, kaum sind sie in Rente, flugs hierher, leiden unter Föhn und schimpfen auf das Klima.

Bürgerreporter:in:

Christl Fischer aus Friedberg

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