TSV Friedberg: Abteilung Handball
Das letzte Heimspiel der Saison, zu Gast ist der Tabellenführer. Wir brauchen noch einen Sieg für den Klassenerhalt, sie brauchen noch einen Sieg, um in die zweite Bundesliga aufzusteigen. Gleich ist Anpfiff, die Halle ist voll.
Im Herbst gab niemand einen Pfifferling auf uns, alle nannten uns, den TSV Friedberg, den klaren ersten Absteiger. Doch die Zeit von September bis Mai ist lang. Viel kann passieren in 30 Spielen.
Die Friedberger Handballer haben mittlerweile viel an Respekt gewonnen. Wir waren kein netter Gastgeber. Unsere Gegner erwartete in der TSV- Halle eine Mannschaft ohne Stars, aber mit einem unbändigen Willen. Unser Publikum honorierte das. Zu jedem Heimspiel kamen mehr als 600 Zuschauer, bereit, das abgedroschene Wort Hexenkessel mit neuem Leben zu füllen.
Aber uns fehlt noch ein Sieg. Die Fans von Haslach sind euphorisch. Heute wollen sie die Meisterschaft feiern, ihre Lieblinge zum Aufstieg schreien. Das lassen wir nicht auf uns sitzen. Wir Friedberger Fans sind in der Überzahl und nutzen diesen taktischen Vorteil aus. Heute sind fast 1000 Zuschauer in der Halle, es geht um alles, jeder weiß das. Los geht’s!
Die Mannschaft in Schwarz – Weiß dominiert die Partie. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase zieht sie Tor um Tor davon. Bis zur Pause sind es fünf Treffer Vorsprung. Alles geht seinen erwarteten Gang. Kann der Abstiegskandidat noch kontern?
Doch dies ist kein normales Spiel. Schwarz - Weiß sind die Trikots des TSV Friedberg. Nicht der Favorit, der die Meisterschaft fast sicher hat, liegt vorn, sondern wieder einmal der TSV.
In der zweiten Halbzeit spielen sich die Herzogstädter endgültig in einen Rausch. Die Trommeln der Haslacher Fans sind verstummt, die Gäste trauen ihren Augen nicht. Friedberg nimmt ihre Mannschaft gerade nach allen Regeln der Kunst auseinander. Zehn Tore sind es am Ende, ein Sieg, verdient auch in der Höhe. Die Friedberger Fans feiern ihre Helden.
Damit hat der TSV zum zweiten Mal in Folge den Klassenerhalt in der dritthöchsten deutschen Handballliga geschafft. Dazu mussten sie mindestens den zehnten Platz von 16 Teams belegen. Die Struktur der Regionalliga wird gerade umgebaut, darum galt diese verschärfte Abstiegsregelung.
Wie kann es sein, dass eine Mannschaft ohne große Stars in einer Liga, in der die Meisterschaftsanwärter mit ehemaligen Bundesliga- und aktuellen Nationalspielern aus Osteuropa aufwarten können, derart erfolgreich ist? Der TSV Friedberg hat eine klare Philosophie: Anstatt auf den dritten oder vierten lettischen oder litauischen Nationalspieler zu setzen und viel Geld auszugeben, investieren die Verantwortlichen des Vereins lieber in die eigene Jugend. In den letzten Jahren waren die A- Jugendlichen des TSV wiederholt bayerischer Meister. Mit Niko Link haben die Handballer einen Junioren- Nationalspieler, der mittlerweile zum Europapokalsieger nach Lemgo gewechselt ist, Thomas Wagenpfeil, Max Segmüller und Torwart Willi Seiler sind mit Anfang Zwanzig bereits Schlüsselspieler im Kader. Die glänzende Jugendarbeit ist also einer der Eckpfeiler des Erfolges.
Ebenfalls sehr wichtig ist die mannschaftliche Kontinuität. Das Team ist seit langem beisammen, fast alle aktuellen Spieler waren auch Mitglieder der Aufstiegsmannschaft aus der Bayernliga. Die glänzende Stimmung im Kader, der große Zusammenhalt und der unbedingte Glaube an die eigene Stärke resultieren aus dieser gesunden Entwicklung. Auch, wenn man gegen einen der Topfavoriten der Liga mal mit sechs Toren hinten liegt, die Friedberger Handballer geben nie auf, einer steht für den anderen ein und gemeinsam holen sie den Rückstand auf und gewinnen das Spiel noch.
Doch der Mai 2010 ist Vergangenheit. Der TSV Friedberg muss sich erneut beweisen. Die neue Saison steht vor der Tür, am 11. September geht es los. Wieder gilt die verschärfte Abstiegsregel, von 16 Teams werden nur die ersten Neun auch in der kommenden Spielzeit in der neuen Dritten Liga auflaufen.
Der spanische Leistungsträger Manuel Vilches- Moreno, der einzige Neuzugang der letzten Saison, hat seinen Vertrag verlängert. Robert Langner ist aus Haunstetten in die Herzogstadt gewechselt, Stephan Auernhammer kam aus Freising. Alle anderen sind ebenfalls an Bord geblieben. Der TSV Friedberg hat außerdem die Firma M- net als neuen Premiumpartner gewinnen können. Mit seinem Produkt Maxi- DSL ist der Dienstleister in der gesamten Region bekannt.
Friedberg kann sich also bald wieder auf Michael Luderschmid und Willi Seiler freuen, eines der besten Torwartduos der gesamten Liga. Die klugen Pässe von Max Segmüller, die Dynamik des Halblinken Jo Luderschmid, die präzisen Würfe von Manuel Vilches- Moreno werden die TSV- Halle auch in der neuen Saison in Ekstase versetzen. Wieder einmal steht der TSV Friedberg vor einer schweren Mission: Das Ziel Klassenerhalt in einer monströs aufgerüsteten Dritten Liga kann nur mit einem Platz unter den ersten Neun erreicht werden.
Aber diese tolle Mannschaft kann es schaffen. Mit diesem phantastischen Publikum im Rücken, mit ihrem erfahrenen Trainer Hartmut Mayerhoffer an ihrer Seite, mit ihrer Kampfkraft und ihrem unbändigen Siegeswillen wird sie einen gutem Fight liefern, damit der Handballsport in Friedberg auch weiterhin in der Dritten Liga seine Bühne haben wird. Die erste Aufführung in der TSV- Halle findet am 18. September statt, wenn die Herzogstädter ihre Heimpremiere gegen Kirchzell feiern werden.
Domenico Giannino





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