Die Friedberger Handballer lassen sich nicht entmutigen - Trotz Verletzungspech weiter auf Platz vier in Liga Drei
Zwei Drittel der Drittligasaison sind vorbei, und der TSV Friedberg liegt immer noch auf dem vierten Rang. Auch die beste Abwehr der gesamten Klasse stellen die Handballer weiterhin, ganz so wie zum Ende der Hinrunde.
Dabei hatte das heftige Friedberger Verletzungspech zum Ende des vergangenen Jahres den Spielern und Verantwortlichen große Sorgenfalten auf die Stirn getrieben. Mit Rechtsaußen Thomas Wagenpfeil, Mittespieler Max Segmüller und dem wurfgewaltigen Shooter Johannes Luderschmid waren gleich drei Schlüsselspieler für einen längeren Zeitraum ausgefallen. Luderschmid wird in dieser Saison wohl gar nicht mehr zum Einsatz kommen können, bei Segmüller ist ein Termin Ende März wahrscheinlich. Kürzer war die Pause bei Wagenpfeil, er konnte schon im Heimspiel gegen Hochdorf am 21. Januar wieder auflaufen.
Doch scheinbar hatten die Friedberger Handballer ihr Verletzungspech ins neue Jahr mitgenommen. Gerade einmal sechs Minuten waren gespielt in der ersten Partie 2012 bei Balingen – Weilstetten 2, als sich Miro Ilic, unverzichtbar für den Rückraum des TSV, bei einem Zusammenprall mit einem Gegenspieler verletzte. Der Neuzugang biss auf die Zähne und lief bereits im nächsten Spiel wieder auf. Ilic ist aber bis jetzt noch nicht völlig beschwerdefrei, er musste auch in der letzten Partie aussetzen.
Zu allem Überfluss erwischte es Anfang Februar auch noch den jungen Kreisläufer Julian Prause, der im Training umknickte. Im letzten Spiel vor der Faschingspause musste der TSV Friedberg deshalb mit nur sieben Feldspielern nach Kirchzell reisen.
Seit der Winterpause kann man die Partien der Herzogstädter grob in zwei Schemata aufteilen: Zum einen die Begegnungen, in welchen die Friedberger früh einem deutlichen Rückstand hinterherlaufen mussten und diesen nicht mehr aufholen konnten. Diese Spiele endeten in hohen Niederlagen, als Beispiele sind die Kräftemessen mit Balingen und Kirchzell zu nennen.
Aber es geht auch anders für den TSV, denn es gab die Begegnungen, in denen die Friedberger früh einem deutlichen Rückstand hinterherlaufen mussten und nach gut 20 Minuten begannen, diesen mit tollem Einsatz und bedingungslosem Kampf aufzuholen. Diese Spiele endeten mit einem Remis, hierfür stehen die Auseinandersetzungen mit Hochdorf und der SG H2Ku Herrenberg. Letztere Partie gewann der TSV sogar noch am Grünen Tisch, weil die Gegner einen gesperrten Spieler eingesetzt hatten.
Die Ausnahme von dieser Regel stellte das ungefährdete 31:20 (15:10) gegen Obernburg dar. Dort beherrschten die Herzogstädter ihren Gegner, der auf dem ersten Abstiegsplatz steht, über 60 Minuten und fuhren einen verdienten Heimsieg ein.
Friedberg wird also aller Voraussicht nach auch in der nächsten Saison in der Dritten Liga spielen. Die Handballer haben zehn Spieltage vor dem Ende 14 Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. Zum Zweiten aus Horkheim sind es nur fünf Zähler Abstand, und genau das ist der nächste Gegner der Friedberger.
Aber beim TSV Friedberg bleibt man auf dem Teppich. Trainer Hartmut Mayerhoffer erteilt allen Träumen von der Zweiten Liga eine klare Absage: „Unser Saisonziel war und ist immer noch der Klassenerhalt. Wir haben einen der kleinsten Etats in der Dritten Liga, außerdem sind wir personell momentan sehr dünn besetzt. Der Aufstieg ist für uns kein Thema, das steht außerhalb jeder Diskussion.
Trotzdem ist die Leistung meiner Mannschaft phantastisch. Bei den vielen Ausfällen sind jetzt die jungen Spieler, die alle erst zwischen 19 und 21 Jahren alt sind und teilweise in der letzten Saison noch Landesliga mit unserer Zweiten gespielt haben, in der Verantwortung. Jonas Link, Andreas Dittiger, Patrick Schupp und Jonathan Scholz machen ihre Sache sehr gut. Das ist auch unserer hervorragenden Jugendarbeit geschuldet, die junge Handballer bereits in diesem Alter auf ein so hohes Niveau bringt.“
Ein weiteres Toptalent wird bald zur Mannschaft stoßen. Seit der Winterpause trainiert mit Panagiotis Erifopolous ein Kreisläufer mit dem Team, der bereits über 40 mal für diverse griechische Jugend – und Juniorenauswahlteams aufgelaufen ist. Der 19 – Jährige laboriert allerdings noch an einem Kreuzbandriss, wird aber in wenigen Wochen einsatzbereit sein. Vor seiner Verletzung hatte Erifopoulos bereits mehrere Angebote von Bundesligisten vorliegen.
Der Grieche erklärt seinen Wechsel in die Herzogstadt so: „In ganz Süddeutschland weiß man von der exzellenten Jugendförderung in Friedberg. Zudem ist Hartmut Mayerhoffer ein sehr guter Coach. Nach der schweren Verletzung war es mir wichtig, in einem harmonischen Umfeld und einer Mannschaft, in der eine gute Stimmung herrscht, wieder mit dem Handball loszulegen. Das alles habe ich hier in Friedberg gefunden. Ich kann es kaum erwarten, bis es endlich wieder losgeht für mich.“
Der neue Abteilungsleiter Dr. Johannes Bauer will den erfolgreichen Weg weiter gehen: „Wir alle beim TSV haben uns Ende Dezember Sorgen gemacht, wie die Mannschaft die zahlreichen Verletzungen verkraftet. Aber darum sind wir noch lange nicht in hektischen Aktionismus verfallen und haben teures Geld für irgendwelche Schnellschüsse verbraten. Wir haben eine klare Philosophie für unser Drittligateam: Wir verzichten auf teure Söldner und versuchen stattdessen, das Gerüst der Mannschaft mit talentierten jungen Spielern zu bilden.
Einzelne, punktuelle Verstärkungen wie Manuel Vilches – Moreno oder Miro Ilic sollen mit ihrer großen Erfahrung unsere junge Mannschaft leiten. Ich freue mich sehr darüber, dass es bislang so gut geklappt hat. Nur noch ein paar Zähler brauchen wir, damit wir das fünfte Jahr in Folge in der Dritten Liga spielen dürfen. Aber solange der Klassenerhalt nicht rechnerisch sicher ist, werden wir nicht anfangen zu feiern.“
Domenico Giannino (gia)


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