Nicht immer ein bequemes Gegenüber, aber stets den eigenen Prinzipien treu geblieben: myheimat im Gespräch mit dem Logistikunternehmer Roman Mayer
Vor knapp 42 Jahren hat Roman Mayer einen kleinen elterlichen Fuhrbetrieb in Asbach-Bäumenheim übernommen. Inzwischen ist der gebürtige Augsburger und bekennende bayerische Schwabe Herr über ein renommiertes Logistikunternehmen mit knapp 1.200 Mitarbeitern, 400 Zugfahrzeugen und rund 28 Standorten im In- und Ausland. Mit myheimat sprach der erfolgreiche Spediteur und bodenständige Friedberger nun erstmals offen über seinen Werdegang, das innige Verhältnis zu seiner Heimatstadt und die Perspektiven der deutschen Logistikbranche.
myheimat: Herr Mayer, Sie haben einmal ganz unten angefangen und führen nun ein großes, mittelständisches Logistikunternehmen. Was genau hat Sie so erfolgreich gemacht hat?
Mayer: Der ehemalige Manager von Boris Becker, Ion Tiriac, hat einmal davon gesprochen, dass der, der in seinem Leben nie Hunger verspürt, eigentlich nicht weiß, was es wirklich heißt, Erfolg zu haben. Diesen Hunger habe ich Zeit meines Lebens verspürt. Ich denke er war es, der mich immer wieder zu Höchstleistungen angespornt und letztlich auch zum Erfolg geführt hat.
myheimat: Wie kam es zur Karriere als Spediteur? Wurde Ihnen der Beruf in die Wiege gelegt oder haben Sie sich selbst dafür entschieden?
Mayer: Nach dem Krieg hat mein Vater aus den Resten einiger zerstörter Zugfahrzeuge einen eigenen LKW gebaut und damit ein kleines Fuhrunternehmen gegründet. Als er Mitte der 50er Jahre erblindete, wollte mit ihm niemand mehr groß Geschäfte machen. Er hat deshalb aber nie von mir verlangt, unseren Familienbetrieb zu übernehmen. Nur weil ich mich nach meiner Kaufmannsausbildung als 20-jähriger Rebell gegen meine damaligen Chefs aufgelehnt habe, bin ich nach Bäumenheim zurückgekehrt und habe 1969 unseren Familienbetrieb übernommen. Zu diesem Zeitpunkt besaßen wir lediglich zwei Zugfahrzeuge, von denen im Grund genommen nur eineinhalb überhaupt funktionsfähig waren. Mit viel Fleiß und harter Arbeit haben wir es in den Folgejahren geschafft, unseren Betrieb neu auszurichten und weiter zu expandieren. Damit wurde der Grundstein der heutigen Roman Mayer Logistic Group gelegt.
myheimat: Was unterscheidet Ihr Unternehmen von anderen? Gibt es eine Art Alleinstellungsmerkmal?
Mayer: Zunächst einmal betrachte ich unsere Firma selbst nicht als Konzern und auch nicht als mittelständisches Unternehmen. Vielmehr vergleiche ich es gerne mit einem gut strukturierten und hervorragend aufgestellten Krämerladen. Wer zu uns kommt, der bleibt bei uns. Und damit meine ich nicht nur unsere Kunden. Im Schnitt sind unsere Mitarbeiter zwischen 15 und 40 Jahren bei uns beschäftigt. Alle Arbeitsabläufe und Niederlassungen sind nach den neuesten Kriterien zertifiziert und werden strengstens überwacht. Außerdem sind der Fuhrpark und die Logistikzentren im Eigentum des Unternehmens. Das macht uns zu einem krisensicheren und verlässlichen Partner.
myheimat: Trotz der internationalen Ausrichtung ihres Unternehmens haben Sie die innige Beziehung zu Friedberg nie aufgegeben. Weshalb haben Sie unserer schönen altbayerischen Herzogstadt über 39 Jahren lang die Treue gehalten?
Mayer: Wir wohnen mitten in der Stadt. Alle Erledigungen sind zu Fuß machbar. Die Naherholungsgebiete finden sich außerdem in unmittelbarer Nähe und meine Kinder, Freunde, wie auch Bekannte wohnen praktisch vor der Haustüre. Mehr Lebensqualität geht nicht mehr. Das ist es was Friedberg für uns ausmacht.
myheimat: Haben Sie schon einmal daran gedacht woanders hinzuziehen?
Mayer: Nein. Meine Frau und Ich haben damals entschieden, hier unsere Kinder großzuziehen und sind seitdem nie von dieser Entscheidung abgewichen. Ich lebe bis 2040. So lange werde ich noch in Friedberg leben und hier wohnen bleiben.
myheimat: Im Jahr 2005 hat Ihr Unternehmen ein hochmodernes Logistikzentrum in Shanghai gegründet. 2010 folgten zwei weitere Standorte in Wuxi und Chuzhou (China). Liegt die Zukunft der Logistikbranche im asiatischen Raum oder sehen Sie auch in Deutschland noch Wachstumspotentiale?
Mayer: Der asiatische Markt ist weitgehend geschlossen und ohne einheimische Partner für Ausländer nur schwer durchdringbar. Zweifelsohne birgt er große Potentiale, aber eben auch erhebliches Risiko. Unser Engagement hat sich in China bisher ausschließlich auf Mehrweg-Behälterlogistik konzentriert und wird in absehbarer Zeit auch nicht darüber hinausgehen. Die Wachstumsraten des deutschen Marktes klein zu reden, halte ich dagegen für absurd. Bis 2025 soll der Straßenverkehr um 30 bis 40 Prozent zunehmen. Wer es schafft Straße, Schiene und Lagerlogistik in einen gesunden Einklang zu bringen, dem gehört die Zukunft. Eines unserer neuesten Projekte diesbezüglich ist ein neues Logistikzentrum in Nördlingen, das 2012 mit Gleisanschluss in Betrieb genommen wird.
myheimat: Glauben Sie als Unternehmer an eine besondere soziale Verantwortung? Wie werden Sie ihr gerecht?
Mayer: Gerade die Lehrlingsausbildung liegt mir sehr am Herzen. Seit Jahren schon werden in unseren Betrieben in den verschiedensten Ausbildungsrichtungen über 100 Lehrlinge ausgebildet und im Schnitt 60% davon anschließend in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen. Aber auch der Umgang mit der IHK und den Verbänden ist mir wichtig. Dort bin ich nicht immer ein bequemes Gegenüber, aber Bequemlichkeit ist es nicht, was mich auszeichnet. Ich habe Prinzipien und zu diesen Prinzipien stehe ich auch. Die Jugend von heute ist der wichtigste Rohstoff von Morgen. Dessen müssen wir uns immer bewusst sein. In dieser Frage lohnt es sich, auch einmal unbequem zu sein.
myheimat: Wenn Sie neben den beruflichen und familiären Verpflichtungen auch einmal Zeit für sich finden, was machen Sie dann gerne in Ihrer Freizeit?
Mayer: Ich bin ein bekennender Fußballfan. Außerdem liebe ich die Herausforderungen des Golfspielens. Ein Problem aber habe ich noch nicht gelöst: Dass der Golfball effektiv nie das tut, was der Geist gerne hätte.
Steckbrief Person
Alter: 62
Lieblingsspeise: Rindsrouladen mit Rosenkohl, Spätzle und Gurkensalat.
Privat: seit 38 Jahren glücklich verheiratet. 3 Töchter im Alter von 37, 34 und 24 Jahren. 2 Enkelkinder mit 12 und 9 Jahren.
Stärken: Analytisches Denken und Pünktlichkeit.
Drei wichtigste Eigenschaften (Selbstbild): Bodenständig. Das gesprochene und gesagte Wort einhaltend. Offen für alles Neue.



Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Facebook. Mehr dazu rechts unter .