Die Eisenbahnerkuh.
Die Bahnwärter überwachten früher Gleisanlagen und betätigten die Eisenbahnschranken. Dafür stellte die Bahndirektion die Dienstwohnung, das Bahnwärterhäuschen zur Verfügung.
Wegen des sicheren Arbeitsplatzes war dieser Beruf recht begehrt. Doch hatte es den Schönheitsfehler, er wurde schlecht bezahlt. In etwa wie die Tätigkeit eines Gemeindedieners.
Das war der Grund, dass sich die Bahnwärter einen äußerst bescheidenen Nebenerwerb zulegten.
Sie hielten sich Ziegen, die man scherzhaft deshalb die Eisenbahnerkühe nannte. Mit Zustimmung der Bahndirektion durften sie die Eisenbahndämme abweiden.
Und das lief so ab: An eingerammten Pfählen wurden die Geißen an Laufstricken angebunden. Die Stricklänge mussten nach der Hangbreite des Dammes ausgerichtet werden, um das Tier vor Gefahren zu schützen.
Die so nach und nach abgegrasten Abschnitte zogen sich mitunter viele hundert Meter hin.. Diese und andere Unannehmlichkeiten nahm man gerne in Kauf, wenn z. B. total verhedderte Laufstricke die Tier nichts mehr zum Fressen fanden. Mit ihrem jämmerlichen Meckern machten sie auf ihre Beschränkung aufmerksam. Man befreite sie und freute sich dann mit ihnen, über ihren jetzt doppelt großen Appetit. Schließlich lieferten sie Milch und Käse.


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