Trotz Schließung viel zu tun... Jahresrückblick 2015/16 im Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg

Blick in das neue Friedberger Museumsdepot
 
Archäologische Funde im neuen Friedberger Museumsdepot
Friedberg: Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg | Museumsumzug und Depotneubau

Wegen der Sanierungs- und Umbaumaßnahmen des Wittelsbacher Schlosses musste das Museum vor zwei Jahren geschlossen werden. Mittlerweile sind die Bauarbeiten in vollem Gange, und auch im Museum hat sich viel getan:

Zuerst mussten für den Umzug sämtliche Objekte verpackt werden. Dies bedeutete für alle Beteiligten eine große Kraftanstrengung, jedoch verlief alles reibungslos. Der Umzug war innerhalb von nur 10 Tagen abgeschlossen, obwohl nicht nur die fragile Sammlung, das Café und die Büros aus dem Schloss umzuziehen waren, sondern auch sämtliche Objekte aus dem 600 m2 großen, durch den Vermieter gekündigten Museumsdepot.

Dank der Entscheidung des Friedberger Stadtrates konnte die Sammlung nach dem Umzug in einem eigenen städtischen Depot untergebracht werden. Mit seiner räumlichen Gliederung und seiner Ausstattung (Werkstatt, Materiallager, Quarantäneraum etc.) erfüllt dieses Depot die funktionalen Anforderungen der Museumsarbeit hervorragend und bietet die besten Voraussetzungen dafür, das Kulturgut der Stadt – wie es schon die Gründerväter des Museums von 1886 vorsahen – für die kommenden Generationen zu bewahren.
Dank der neuen Lagertechnik und der guten Beleuchtung bietet es erstmals die Möglichkeit, den Bestand gründlich zu sichten und zu bearbeiten. Diese Arbeiten sind schon weit fortgeschritten, jedoch benötigt es viel Zeit, bis alles sinnvoll geordnet und konservatorisch einwandfrei aufgestellt ist.

Das Depot – sein Bau wurde von staatlicher Seite gefördert − stößt schon jetzt auf großes Interesse innerhalb der bayerischen Museumswelt. Zahlreiche Fachleute haben es bereits besichtigt und ihre Anerkennung ausgesprochen. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass dieser Depotbau auch für andere Kommunen ein Ideengeber sein wird, nicht zuletzt auch deswegen, weil es nicht nur dem Museumsbestand, sondern ebenso der Lagerung von städtischen Akten dient.
Eindrücke vom Depot und den dortigen Museumsarbeiten sowie dem Fortgang auf der Schlossbaustelle vermittelt die Filmdokumentation: http://kleeblatt-film.de/category/schloss-friedber...

Neukonzeption

Neben der Einrichtung des Depots befasste und befasst sich das Museumsteam intensiv mit der Neukonzeption des Museums. Es geht dabei nicht nur um die Erarbeitung des mittlerweile fertiggestellten Konzeptes, sondern auch um umfangreiche wissenschaftliche Recherchen, Fragen zur Präsentation einzelner Objekte, die Planung von Kinder- sowie Film- und Medienstationen… Ferner müssen sämtliche für die Dauerausstellung eingeplante Objekte auf ihren Zustand hin überprüft werden. Umfangreiche Restaurierungen sind bereits beauftragt, um diejenigen Objekte, die im alten Depot aufgrund schwieriger Klimaverhältnisse gelitten haben, wieder in einen gepflegten Zustand zu versetzen.

Friedberger Museumskiste

Damit das Museum während seiner Schließung nicht gänzlich in Vergessenheit gerät, wurde darüber hinaus die Friedberger Museumskiste ins Leben gerufen. Die Museumskiste steht bereit, Schülerinnen und Schüler während der Schlosssanierung mit der Stadtgeschichte und der Geschichte der Friedberger Uhren vertraut zu machen. Da die Kinder bis voraussichtlich Mitte 2018 keine Möglichkeit haben werden, das Museum zu besuchen, möchte das Museum seinerseits gerne in die Schulen kommen. Das Projekt wurde in großzügiger Weise von der Stadtsparkasse Augsburg finanziert.

Darüber hinaus unterstützte das Museum 2016 eine Friedberger Realschulklasse bei ihrer Beteiligung am Schülerlandeswettbewerb „Erinnerungszeichen“.

Neuerwerbungen

Mit ausgesprochen schönen Objekten konnte die Museumssammlung in den vergangenen zwei Jahren erweitert werden. Von der Firma Segmüller erhielt das Museum im Rahmen einer generösen Spende seltenes historisches Uhrmacher-Werkzeug aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
Das Werkzeug stammt aus dem Nachlass eines Landsberger Uhrmachers, zu dessen Vorfahren wiederum ein Friedberger Uhrmachermeister zählte – Johann Georg Löffler (1711−1780). Ihm gehörte ein Teil des für Laien durchaus geheimnisvoll wirkenden Werkzeugs.

Zu erwähnen ist außerdem eine seltene Friedberger Fayence-Kanne, ein Geschenk der Freunde des Museums im Schloss Friedberg e.V. Die Freunde bereicherten die Sammlung darüber hinaus in großzügiger Weise mit einer Friedberger Taschenuhr des Uhrmachers Joseph Gögl (1779 − wohl 1834).

Die meisten Friedberger Uhren sind mit „Friedberg" signiert, jedoch haben zahlreiche Friedberger Uhrmacher ihre sehr qualitätsvollen Arbeiten bereits in der 1. Hälfte des 18. Jahrhundert mit anderen Städtenamen bezeichnet, insbesondere „London", das damals wohl das berühmteste Uhrmacherzentrum war.

Diese Uhr aus dem 19. Jahrhundert ist überraschenderweise mit „Genève", also „Genf" signiert. Eine solche Uhr war dem Museum bislang nicht bekannt. War Gögl tatsächlich in Genf? Das muß nicht unbedingt sein...Genf war im 19. Jahrhundert ein wichtiges Uhrmacherzentrum. Auf die Schweizer Uhren waren die Friedberger Uhrmacher jedoch sehr schlecht zu sprechen, denn ihrer Ansicht nach ruinierten die in großer Zahl zu geringem Preis angebotenen Uhren ihren eigenen Wohlstand. Die Uhr wirft von daher Fragen auf. Ist in der Signatur „Genf" ein Versuch zu sehen, sich der Nachfrage anzupassen und damit den Niedergang der jahrhundertealten Friedberger Uhrenherstellung aufzuhalten?

Nicht zuletzt lag im vergangenen Jahr ein Schwerpunkt der Tätigkeiten des Museumsteams in der Mitarbeit beim Friedberger Altstadtfest. Die Freude war daher groß, als das Museum für weitere Ankäufe mit Spenden aus Erlösen des Altstadtfestes von der Bäckerei Knoll sowie des Ehepaars Lehmann bedacht wurde.

Dr. Alice Arnold-Becker
Leiterin des Museums im Wittelsbacher Schloss Friedberg
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