„Spitze Feder, spitze Zunge“: Anton Oberfrank und Hans Clamroth stellen noch bis 21. April 2014 in der Friedberger Archivgalerie aus

Hans Clamroth / Anton Oberfrank
 
v.l.: Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger, Hans Clamroth, Anton Oberfrank und Erich Pawlu
Noch einmal ziehen die großen politischen Schlachten der vergangenen Jahre am geistigen Auge des Betrachters vorbei: das Pflaster-Desaster in der Ludwigstraße, der nie gebaute Freizeitpark, die „Sau in der Au“. Der Chronist dieser Friedberger Stadtgeschichte erzählt viel. Doch es ist eine Erzählung fast ohne Worte. Minimalistisch in der Form, groß in der Wirkung. Text kommt nur in geistreichen, pointierten Sprechblasen vor. Verdichtet, auf engstem Raum, schafft Karikaturist Anton Oberfrank seine eigene künstlerische Wirklichkeit. Eine Welt, die in ihrem Aussagegehalt der bloßen Faktizität überlegen ist. Zu Oberfranks hintersinnigem Kosmos gehören markante Charakterköpfe ebenso wie originelle Wortschöpfungen. Allen Karikaturen gemein sind ein feiner Federstrich und eine unverwechselbare Handschrift.

Ebenfalls ein Meister seines Faches ist der Friedberger Architekt Hans Clamroth. Seine technischen Zeichnungen bestechen durch klare Linien und stimmige Proportionalität, die Aquarelle spiegeln Eindrücke unzähliger Malreisen wider.

Beide Künstler, Oberfrank und Clamroth, stellten ihre Werke im Rahmen des 750-jährigen Stadtjubiläums in der Friedberger Archivgalerie aus. Zur Vernissage am 5. April erschien viel Prominenz aus Politik, Kultur und Gesellschaft. Darunter befanden sich auch zahlreiche Weggefährten aus Oberfranks „Dillinger Zeit“ wie sein ehemaliger Deutschlehrer Erich Pawlu oder „Internatskollege“ Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger. Manfred Losinger, selbst ein bevorzugtes „Karikatur-Opfer“, zollte beiden Ausstellern großen Respekt. Das verbindende Element beider Künstler brachte Losinger mit der griffigen Formel „spitze Feder, spitze Zunge“ auf den Punkt. Mit einem ironischen Seitenhieb ging Friedbergs 3. Bürgermeister auf Oberfranks „klerikale Ambitionen“ ein. Nur knapp sei der Realschuldirektor an einer „Pfarrer-Karriere vorbeigeschrammt“. Die rhetorische Retourkutsche ließ nicht lange auf sich warten. In seiner Ansprache bezeichnete Oberfrank den CSU-Stadtrat als „Dinosaurier der Kommunalpolitik“, um gleich mit einem Augenzwinkern hinzuzufügen: „Aber er ist nicht vom Aussterben bedroht. Er macht immer weiter.“ Die Besucher der Ausstellungseröffnung hatten ihre große Freude an den munteren Wortgefechten, die von gegenseitiger Sympathie getragen waren. Auch die Werke der Künstler fanden großen Anklang. SPD-Stadtrat Peter Feile zeigte sich beeindruckt von Clamroths technischen Zeichnungen und deren klarer Linienführung. Die Freihandzeichnungen des studierten Architekten zeigten unter anderem so bekannte Motive wie den Dresdener Zwinger oder den Krakauer Marktplatz.

Viele heitere Anekdoten hatte auch Erich Pawlu parat. Der Buchautor und frühere Gymnasiallehrer bildete zusammen mit Anton Oberfrank lange Zeit ein künstlerisch produktives Duo. Satirische Gedichte und dazu passende Illustrationen bereicherten die Donau-Zeitung über Jahre hinweg. Ganz präzise kann sich Pawlu an seinen damaligen Schüler erinnern: „Antons spezielle Begabung war schon sehr früh sichtbar. Dazu zählten Strichfestigkeit und eine Sicherheit in der Kontur.“ Eine „kleine Belastungsprobe“ musste das Lehrer-Schüler-Verhältnis bestehen, als sein Eleve Augenblickssituationen aus dem Schulalltag in Form von Karikaturen an die Tafel zeichnete. Anstatt das „unbotmäßige“ Verhalten jedoch mit einem Verweis zu sanktionieren, ermunterte der Pädagoge seinen Schüler dazu, das vorhandene Talent zu verfeinern und weiter auszubauen. Für die Stadt Friedberg ist Pawlus Milde ein großer Gewinn. Anton Oberfrank wurde zu einem überaus geschätzten Realschullehrer. Und mindestens genauso wichtig: Als kreativer Freigeist bereichert er das Stadt- und Kulturleben der altbairischen Herzogstadt.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin friedberger | Erschienen am 03.05.2014
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