„Sabinchen ist ein Frauenzimmer, ja die weiß, was sie will“

Da muss die Arbeit kurz ruhen und gelauscht werden
 
„Daumen hoch!“: Ingrid Becke gefällt der Auftritt

Als Allrounder singen die Kräuterweiber nicht nur Selbstgedichtetes zum Weltfrauentag, sondern engagieren sich auch sonst sozial, politisch und kulturell

Frauen müssen derzeit rund 80 Tage über das Jahresende hinaus arbeiten, um das Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu erreichen. Auf diese Misere wurde am 21. März mit dem Equal Pay Day deutschlandweit aufmerksam gemacht. Auch die Kräuterweiber aus Friedberg greifen regelmäßig frauenpolitische Themen auf, um auf solche und ähnliche Missstände aufmerksam zu machen – oft in Form umgedichteter Volkslieder.

Das strebsame Sabinchen

So auch anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März: In Aichach und Friedberg gaben die Kräuterweiber ihre kritischen Lieder zum Besten und sangen beispielhaft vom strebsamen Sabinchen, das sich von der einfachen Studentin zur Frau Doktor mausert und schließlich im Bundestag tätig ist, wo sie vor allem die Wirtschaftsbosse kritisiert. Diese Kritik an der Wirtschaft und den männlichen Führungskräften wird ihr schließlich zum Verhängnis. Bei den Kräuterweibern lautet die Moral von der Geschicht‘: „trau keinem Wirtschaftsboss nicht. Wir brauchen noch unendlich viele ‚Sabinchen‘, Gesellschaft hätt` dann ein Gesicht!“

Die fleißige Marie

Anders verläuft dagegen die Geschichte der Marie, die die Kräuterweiber zur Melodie von „Mariechen saß weinend im Garten“ erzählten: Marie kümmert sich täglich um die Kinder, den an Altersdemenz erkrankten Opa und den Ehemann. Rund um die Uhr bewältigt sie den Haushalt, ist stets für alle da und arbeitet auch noch halbtags, doch gedankt wird es ihr nicht: „Marie ist nun alt geworden, ausgeflogen die Kinderschar. Ebenso der Lebenspartner, er verwirklicht noch seinen Traum. Allein sitzt Marie und rechnet: zum Leben reicht die Rente kaum“, singen die Kräuterweiber.

Die engagierten Kräuterweiber

Für Probleme wie Altersarmut und Lohndiskriminierung, denen sich Frauen häufig gegenübersehen, treten die Kräuterweiber seit 2007 ein. Regelmäßig richten die rund 15 Mitglieder kulturelle und politische Veranstaltungen aus, wobei diese in den letzten Jahren vermehrt dem sozialen Engagement auf dem karitativen Christkindlesmarkt und dem Altstadtfest gewichen sind. Dort trifft man die Kräuterweiber beim Singen und Verkauf ihrer selbstgemachten Marmeladen, Sirupe und Schnäpse an, deren Erlös gespendet wird. Hinter diesem Engagement steckt die ursprüngliche Idee, kluge Frauen von früher darzustellen und deren Wissen über Kräuter und Heilkunde weiterzugeben – „und das alles mit viel Spaß“, erzählt Regina Sichert, eine der Mitbegründerinnen. „Für die Zukunft wünschen wir uns aber, wieder mehr politische und kulturelle Lesungen und Vorträge organisieren zu können wie zum Thema Tschernobyl oder zuletzt zur Beschneidung somalischer Mädchen“, fügt Ingrid Becke – ebenfalls Gründungsmitglied – hinzu.

Tradition Weltfrauentag

Auch den Internationalen Frauentag werden die Kräuterweiber weiterhin aktiv begehen und interessante Ausflüge unternehmen. Bis 2012 beispielsweise besuchten sie jährlich zum Weltfrauentag einen Auftritt der „Gitter-Gören“, der Kabarettgruppe des Frauengefängnisses in der JVA Aichach. Im Landtag waren sie anlässlich dieses Tages auch schon zu Gast. In den Landtag führt sie auch ihr nächster Termin: am 13. Mai sind sie eingeladen, dort bei einer Nachfeier zur Wahl zu singen. An Terminen und vor allem Ideen mangelt es den Kräuterweibern also nicht – in der Hinsicht folgen sie dem Sabinchen, denn die „ist ein Frauenzimmer, ja die weiß, was sie will.“
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin friedberger | Erschienen am 05.04.2014
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