Kultur in zeitgemäßer Verpackung: Friedberg bot 2010 ein vielfältiges Programm
Friedberg hat der Kultur ein Update verpasst. Freiwillig und mit Erfolg. Während das städtische Angebot in den Bereichen Bildende Kunst und Musik gut aufgestellt ist und in der Sparte Theater aufholt, haben wir uns in der Kulturabteilung an die Literatur herangetastet. Als Ergebnis kam im Herbst ein viel beachtetes und gut besuchtes kleines Festival im Wittelsbacher Schloss heraus.
Den Anstoß zu diesem Wagnis gab uns das bayernweite Projekt LITERATURUPDATE, an das sich zwei Dutzend Städte herantrauten. Der Name verrät schon, dass es dabei um neue Formen poetischer Produktion und Präsentation geht. Klassische Lesungen mit Büchertisch und Leselampe waren nicht angesagt. Vielmehr gab es auf mittelalterlichem Terrain im Schloss beim Poetry-Slam einen modernen Wettstreit von Autoren. Mit einer Performance hat Handyroman-Autor und Haiku-Entwickler Oliver Bendel für Staunen gesorgt. Zu Gast war außerdem die Lesebühne „Westend ist Kiez“ aus München. Den Schlusspunkt des Festivals setzte Lydia Daher, ein Lieblingskind deutscher Feuilletons, mit einem Konzert.
Äußerst erfreulich finde ich, dass 450 Personen die fünf Veranstaltungen besucht haben. Das Publikum war altersmäßig gut gemischt, es fühlten sich deutlich mehr junge Leute angesprochen als bei den sonst üblichen Veranstaltungen. Diese Feststellung sollten wir im Auge und im Gedächtnis behalten. Mit modernen Formaten können wir offensichtlich junge Menschen für Literatur und Kultur neugierig machen. Dies scheint mir auch kulturpolitisch in den kommenden Jahren ein wichtiger Punkt für Friedberg zu sein.
Unterstützt wird die Stadt bei dieser Entwicklung von äußerst engagierten Leiterinnen und Leitern der Grundschulen bis hin zur Fachoberschule und zur privaten Friedberger KunstSchule. Schnittstellen und Kooperationen gibt es zum Beispiel bei Kunstausstellungen, beim Projekt „Paarkunst“ und im Museum bei großartigen pädagogischen Führungen und Rahmenprogrammen. Auch LITERATURUPDATE böte im kommenden Jahr viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Schulen und jungen Leuten.
Die Stadt Friedberg unternimmt viel, um ein breit gefächertes Angebot an Veranstaltungen, Ausstellungen und Projekten zu bieten. Wer einen Blick in den aktuellen Kulturkalender wirft, stellt fest, dass unser in den vergangenen Jahren gewachsenes und in der Region viel beachtetes Kulturprogramm von zahlreichen Säulen getragen wird. Etwa die Hälfte der im Kalender aufgelisteten Veranstaltungen in Friedberg geht auf Vereine, Gruppen und Künstler zurück - Friedberg lebt von einem großen und großartigen Bürgerengagement. Eine Bestätigung dessen lieferte im Sommer wieder eindrucksvoll unser historisches Altstadtfest „Friedberger Zeit“. Für tausende Bürgerinnen und Bürger wie auch Gäste war dieses Fest wieder ein Jahreshöhepunkt, bei dem Gemeinsinn und Ehrenamt einen hohen Stellenwert haben. Anders wäre ein solches Spectaculum gar nicht zu schultern, geschweige denn zu bezahlen. Und trotzdem kosten die Veranstaltungen noch eine Menge Geld. Um die Budgets überschaubar zu halten, gehen wir in einigen Bereichen schon seit vielen Jahren mit der Wirtschaft den gemeinsamen Weg des Kultursponsoring. Dafür möchte ich mich im Namen der Stadt bei unseren Partnern bedanken, allen voran bei der Stadtsparkasse Augsburg, die uns sehr großzügig unterstützt.
Friedberg ist auf einem guten Weg. Eine Bestätigung dafür erfuhr ich vor wenigen Wochen, als die Kulturpolitische Gesellschaft - Landesgruppe Bayern - in der Georg-von-Vollmar-Akademie in Kochel am See die Kulturarbeit unserer Stadt als ein Musterbeispiel für klein- bis mittelgroße Städte präsentierte. Auch die Anstrengungen von Politik, Verwaltung, Gesellschaft und Wirtschaft für den Ausbau unseres Wittelsbacher Schlosses in diesen schwierigen Zeiten wurde positiv hervorgehoben. Ich hoffe deshalb umso mehr, dass ein Weg „herzwärts“ gefunden wird, um dieses historische Erbe zu einem kulturellen Mittelpunkt in unserer Stadt zu formen.
Während dieses Vorhaben viel Zeit und viele Kräfte bindet, geht die tägliche Arbeit weiter. Die Stadt wird auch für 2011 wieder ein reichhaltiges Programm ausarbeiten, angefangen von den Rathaus- und Jazzkonzerten über Vortragsreihen, wie die „Blaue Stunde“ und „Lebensläufe“ bis hin zu Kabarett, Musik und Theater im Renaissancehof des Wittelsbacher Schlosses. Persönlich bedanken möchte ich mich für die gute Zusammenarbeit bei meinem Kollegen Philipp Köhler, beim Stadtrat sowie beim Kultur- und Sportausschuss für das entgegengebrachte Vertrauen und für die Unterstützung durch Bürgermeister Dr. Peter Bergmair, Kommunalreferent Wolfgang Basch und die Kulturpfleger Peter Gürtler und Franz Reißner.







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