Was: Das Krokodil über der Ladentheke: Führung durch die historische Marienapotheke im Friedberger Schlossmuseum
Wo: Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg
Wann: 12.09.2010 15:00 Uhr

Das Krokodil über der Ladentheke: Führung durch die historische Marienapotheke im Friedberger Schlossmuseum

von Franz Scherer aus Friedberg | am 15.03.2010 | 979 mal gelesen | 8 Kommentare | 7 Bildkommentare | 20 Bilder
Das Krokodil über der Ladentheke: Historisches Wahrzeichen des Apothekers
 
Blick in die historische Marienapotheke im Museum im Friedberger Schloss

Friedberg: Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg | Um ein Haar hätte der Platz nicht gereicht für die zahlreichen Besucher der historischen Apotheke im Museum im Wittelsbacher Schloss im Friedberg. Dicht gedrängt lauschten die Anwesenden den Worten von Apotheker Dr. Hannes Proeller am Sonntag, dem 14. März. Anschaulich führte Dr. Proeller durch die Geschichte der Apotheken. Mit der richtigen Portion Witz und Humor zur rechten Zeit gelang es ihm schnell, seine Zuhörer für den "medizinischen" Stoff seines Vortrags zu begeistern.

Der griechische Arzt Pedanios Dioscurides hat im 1. Jahrhundert nach Chr. erstmals in seinem Werk Materia Medica die Wirkung und Substanz von 813 pflanzlichen, 101 tierischen, 102 mineralischen Substanzen erforscht und aufgeschrieben. 1600 Jahre war das Werk von Dioscurides die auf der ganzen Welt anerkannte Grundlehre auf dem Gebiet der Pharmazie, der Pflanzen- und Drogenkunde. Vor dieser erstmals wissenschaftlichen Bewertung der Heilkraft vun Substanzen hat man die heilende Wirkung von Pflanzen nach ihrem Aussehen beurteilt. "Die Wirkstoffe der Alraune galten als Medizin gegen Impotenz, weil sie groß, stark und behaart aussieht", so Dr. Proeller in seinem Vortrag. Erst der Aufstieg der organischen Chemie im 19. Jahrhundert verdrängte die Nutzung von Dioscurides' Werk aus der Alltagspraxis von Kräuterkunde, pharmazeutischer Herstellung und Anwendung.

Mit der pharmazeutischen Industrie beginnt Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts eine Umstellung der deutschen Apotheke. Anstatt Arzneimittel selbst herzustellen, beschäftigt sich die Apotheke zunehmend mit der Prüfung der Qualität und Identität von Arzneimitteln und der Beratung rund um Arzneimittel.

Die älteste noch existente Apotheke Europas stammt aus dem Jahr 1241. In diesem Jahr wurde in Trier eine Apotheke eröffnet, die als Löwen-Apotheke am Trierer Hauptmarkt noch heute besteht. Die erste Friedberger Apotheke ist um 1800 in den Geschichtsbüchern zu finden. In der beeindruckenden Einrichtung der historischen Friedberger Marienapotheke, die im Museum im Wittelsbacher Schloß aufgebaut ist, schwebt ein Krokodil über der Ladentheke. Dem Tier wurden in alten Zeiten magische Kräfte nachgesagt, die dem Apotheker beim Zusammenstellen der Mixturen hilfreich sein sollten. Mit historischen Werkzeugen demonstrierte Dr. Proeller die Herstellung von Pillen und zeigte an den Gewichten zu den Handwaagen, dass 5 Milligramm nur noch mit einer Pinzette zu fassen sind.

Apotheker Johann Chrstoph Versmann ersteigerte 1804 die ursprüngliche Tegernseer Klosterapotheke, die dann 1844 sein Sohn Friedrich Versmann zur jetzt im Museum ausgestellten Biedermeierapotheke umgestalten ließ.

Aus einem Destillator, der einem historischen Original nachgebaut ist, strömt der Duft von feinstem Rosenwasser. In seiner Rosenapotheke in Friedberg stellt Dr. Proeller mit diesem Gerät heute noch Kosmetika und Tinkturen her. Eingehüllt in rosige Düfte verlassen die Besucher eine informative, kurzweilige Führung durch die Welt der Heilkunde.

Die nächste Apothekenführung findet am 12. September statt. Treffpunkt ist wieder im Museumsfoyer um 15.00 Uhr.

Weitere Informationen:
Friedberger Rosenapotheke im Internet
Museum Friedberg im Internet

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myheimat-Stadtmagazin friedberger | Erschienen am 26.03.2010
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