Bleiben - kommen - bleiben: Die Nacht der offenen Kirchen macht viele Türen auf

Farblich in Szene gesetzt - die evangelische Kirche Der Gute Hirte
 
In St. Jakob konnten die Besucher die Namen derer, an die sie denken, auf einer Rolle vor dem Altar festhalten
An einem lauen Sommerabend durch die Stadt flanieren, jede Stunde eine andere Kirche besuchen, anregende Impulse mitnehmen und sich mit anderen austauschen - das klingt nach einer hervorragenden Idee. In Friedberg wurde sie am Wochenende erstmals mit der Nacht der offenen Kirchen umgesetzt. Und gleich erfolgreich - die Premiere fand großen Anklang und wurde mit durchwegs begeisterten Rückmeldungen belohnt.

Ein neuer ökumenischer Weg
Im ökumenischen Dienstgespräch war die Idee erstmals diskutiert worden, dass die evangelische Gemeinde und die katholische Pfarrei gemeinsam einen neuen Weg gehen könnten, um geistliche Impulse zu setzen und einen Anreiz für viele Menschen zu schaffen, sich mit Kirche und vor allem sich selbst auseinanderzusetzen. Gespannt waren die Patres Markus Hau, Sascha-Philipp Geißler und Alexander Holzbach ebenso wie Pfarrerin Alexandra Dreher und Pfarrer Volker Nickel, wie die Veranstaltung ankommen würde. Sehr gut, darin sind sich am Ende alle einig - ein Erfahrungsbericht:

Ein ganz individueller Weg
Das Angebot ist offen, es gibt keinen vorgegebenen Plan und kein abzuarbeitendes Pensum – aber tatsächlich ziehen an diesem Abend viele von einer Kirche zur nächsten, sind gespannt auf das, was sie erwartetet und lassen sich darauf ein. Die meisten machen sich gemeinsam auf den Weg, trotzdem bleibt er doch immer ein ganz persönlicher - schon weil die Impulse, die die Patres oder Pfarrer bieten, jeden einzelnen ganz individuell ansprechen.
Der Abend steht unter dem Motto des Bibelverses „Ich selbst ziehe mit dir“, in jeder der vier Kirchen wird dazu ein anderes Thema vermittelt.

St. Jakob: Namen und Menschen loslassen
So lädt Pater Markus Hau die Besucher in der Stadtpfarrkirche ein, sich mit den Fragen auseinanderzusetzen, „Welchen Namen lasse ich hier, an wen denke ich?“ Ein durchaus anspruchsvoller Impuls, der Schritt für Schritt vermittelt wird. Seine Andacht lässt viel Raum, um die Gedanken fließen zu lassen. Auch die musikalische Gestaltung des Kirchenchors trägt dazu bei. Viele kommen schließlich der Einladung nach, die Namen derer, die sie Gott anvertrauen, auf einer Rolle vor dem Altar festzuhalten.

Herzensangelegenheiten im Guten Hirten
Szenenwechsel: Es ist noch hell, aber die evangelische Kirche Der Gute Hirte ist schon jetzt in effektvolles Licht getaucht. Bei Imbiss und Getränken vor dem Eingang kommen viele ins Gespräch. In der sehr gut besuchten Andacht greift Pfarrerin Alexandra Dreher die Frage auf, welche Bitte man hier lassen könnte und lädt dazu ein, es an diesem Abend einmal mit den Bitten bei Gott zu versuchen. Plastisch und eindrucksvoll erklärt sie, wie sich Herzensangelegenheiten bearbeiten lassen. Während Tanja Grossmann auf der Querflöte spielt, nutzen viele die Gelegenheit, ihre ganz persönlichen Fürbitten schriftlich festzuhalten und in einem Korb vor dem Kreuz abzulegen.

Last ablegen in der Wallfahrtskirche
In der Wallfahrtskirche Herrgottsruh begrüßt Pater Sascha-Philipp Geißler die Besucher mit der Bitte, sich einen Stein aus dem bereitgestellten Schubkarren auszusuchen. Sie symbolisieren die Last, die jeder mitbringt und hier lassen kann - klein oder groß, alltäglich oder außergewöhnlich. Die Stimmung ist kontemplativ und beruhigend. Der barocke Glanz von Herrgottsruh leuchtet in der Abendsonne prächtig, doch die Besucher sind – auch dank des meditativen Gesangs von Pater Geißler – nur mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt. Schließlich legen sie ihren Stein, ihre Last vor dem Seitenaltar ab und zünden eine Kerze an.

Fit für den Alltag nach der Pallottikirche
Der optische Kontrast zur Pallottikirche könnte größer nicht sein. Pater Alexander Holzbach erklärt den Besuchern, von denen viele noch nie hier waren und die nun hier im Kreis um Altar und Ambo sitzen, das Konzept der neu gestalteten Kirche: Nichts lenkt den Blick ab, der Blick geht frei nach innen. So lässt sich – musikalisch begleitet von Maria Wunder und Maria Herbst – gut darüber nachdenken, was wir aus den abendlichen Besuchen für den Alltag mitnehmen können – innere Leichtigkeit, Freude und Segen.

Beruhigender Abschluss in St. Jakob
Den Abschluss findet der Abend in St. Jakob mit einem Nachtgebet, Taizégesängen und der Gelegenheit zur persönlichen Segnung durch die Patres und Pfarrer Nickel. Die Stadtpfarrkirche ist in nur schwach beleuchtet, Kerzen und eine Lichtinstallation sorgen für eine besondere Atmosphäre - perfekt, um die Nacht der offenen Kirchen in Ruhe zu beschließen. Das Angebot hat viele Türen geöffnet, in den Kirchen und in den Menschen.

Tief berührt
Schön, dass so viele diesen neuen Weg mitgegangen sind, dass so viele auch die Gelegenheit genutzt haben, überhaupt in die Kirche oder einmal in eine noch unbekannte Kirche zu gehen. Schön, wie viele Menschen hier ins Gespräch gekommen sind, aber auch die Chance hatten, mit ihren Gedanken allein zu sein. Und schön, dass so viele berührt wurden - am Ende waren auch die Zahlen überzeugend, obwohl sie gar nicht das Maß der Dinge sein sollten. Mindestens 30 Besucher waren in jeder Kirche bei jeder der vier Andachten, meist noch viel mehr.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.friedberger | Erschienen am 01.08.2015
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