Steht das Zölibat auf dem Prüfstand?
Befürworter des priesterlichen Eheverzichts in der katholischen Kirche sagen, "es würde die durch die Ehelosigkeit nicht genuin befriedigte Sexualität sublimiert und in seelsorgliche Energie umgewandelt." Die Berichte der letzten Tage lassen Zweifel aufkommen an dieser Aussage. Für unsere Medien mag es anmuten, als läge das "gefundene Fressen" direkt vor der Haustür. Hinter ehrwürdigen Klostermauern feiert die Unzucht fröhliche Urständ' - so geschehen aktuell im Benediktinerkloster Ettal im bayerischen Garmisch-Partenkirchen.
Kleine Buben und Mädchen werden zu Spielbällen in sexuelle Not geratener Gottesdiener. Natürlich liegen die Vorfälle "weit zurück und die Missbrauchten seien teilweise schon verstorben", ist von den Bistümern und Ermittlern zu erfahren. Ein Sprecher des Erzbistums München-Freising bestätigte aber am Dienstag Medienberichte, "wonach es auch in einer Münchner Pfarrei in den Jahren von 2002 bis 2003 einen Missbrauchsfall gab". Ein in der Pfarrei beschäfttigter Ordensgeistlicher verging sich da mehrfach an einem 13jährigen Mädchen. Der Fall wurde strafrechtlich geahndet und der mit einer Bewährungsstrafe belegte wurde von der Kurie in eine Pfrarrei ins nahe gelegene Fürstenfeldbruck versetzt. Prekär ist daran, dass er auch in diesem neuen Betätigungsfeld erneut zwei Mädchen im Alter von 9 und zehn Jahren missbraucht haben soll. Diese Vorfälle werden "rückhaltlos aufgeklärt werden", so der Bistumssprecher. Der Kinderschänder ging einstweilen in weiterer Ausübung seiner Berufung in sein Heimatland Indien zurück.
Die Meldungen häufen sich. Neuesten Berichten zufolge gibt es auch in Sachsen oder Limburg ebensolche "Vorfälle". Der Augsburger Bischof Walter Mixa sieht angesichts der Missbrauchsfälle durch Geistliche Handlungsbedarf in der Kirche. Aber: Die Zahl der Fälle in kirchlichen Einrichtungen liege in einem "verschwindend geringen Promille-Bereich". Schützend breitet er die bischöflichen Schwingen über seine Untertanen. Sexueller Missbrauch von Minderjährigen sei leider ein verbreitetes gesellschaftliches Übel. «Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig», betonte Mixa in einem Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen.
Foto: Jürgen Reitböck/pixelio.de
Es ist grauenvoll, wenn Priester sich an Kinder vergreifen. Warum haben die "Herren" sich dem Zölibat zugewand????? LG Marlene
**Die Zahl der Fälle in kirchlichen Einrichtungen liege aber in einem "verschwindend geringen Promille-Bereich".**
Und wenn die Zahl im Macro-Promille-Bereich liegen würde: Sexueller Mißbrauch ist es troztdem und den kann man auch mit Zahlenspielen nicht beschönigen.
Angelo, ich habe mich gerade deshalb eines Fazits zu meinem Bericht enthalten. Ich bin schlicht fassungslos.
Und die Kirche deckt den Mantel des Schweigens darüber. Nur nicht mehr bestätigen als das was bekannt ist.
Ich denke das sich die kath. Kirche schnellstens dem heutigen Lebensstil anpassen muss und dazu passen so alte "Bräuche und Sitten" nicht mehr.
Zölibat ist eh Blödsinn. Es gibt keinen überzeugenden Grund für diese widernatürliche Regel und auch keinen Vorteil und christlich bzw. biblisch ist es eh nicht (eher im Gegenteil)!
Aber...
Man muss unterscheiden zwischen Missbrauchsfällen.
Wird z.B. jemand durch Abhängigkeitsverhältnisse genötigt zu sexuellen Handlungen bzw. nutzt jemand Machtpositionen für sowas aus, ist das was ganz anderes als z.B. Pädophilie, die ein spezielles sexuelles Interesse an Kinder vor der Pubertät bezeichnet.
Auch muss unterschieden werden zwischen Missbrauch wie Misshandlung und sexuellem Missbrauch.
Da viele Taten auch in nicht-katholischen christlichen Kinder- und Jugendheimen begangen wurden, kann man nicht alles dem Zölibat anlasten.
Das mag die Enthaltsamen spitz wie Lumpi aber sicher nicht pädophil werden lassen, wenn sie es nicht schon von Natur aus waren.
Eher lässt das Ausbremsen des gottgegebenen Sexualtriebs die Hemmschwellen fallen und die Menschen ihre Macht zu Nötigungen missbrauchen.
Insofern sind wohl eher manche echte oder scheinbar christliche Moralvorstellungen und Ansichten zum Sex plus der dadurch entstehenden Degeneration des Sexuallebens schuld an vielen Vorfällen.
Teja, es ist nicht besser zu kommentieren - danke.
@ Andreas: Selbstverständlich stimme ich Deiner Sichtweise in allen Punte zu.
Der Titel ist des Beitrags ist der "klickbare Anreiz" zum Lesen des Beitrags. Die Antwort ist damit nicht gegeben :) Und: Du wirst nicht irren, Teja.
Katholische Kirchenkreise in Österreich streiten auch vehement ab, dass es einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauchsfällen gibt. Also kein Handlungsbedarf ...
Tja - wo 'nichts' ist, bedarf es keiner Handlung. Und alles war ein böser Traum...
Sie wollen alles aufdecken und für Gerechtigkeit sorgen, die Kirchenfürsten, doch an den Grundfesten der Kirche wird nicht gerüttelt. Und dazu gehört der Zölibat ...
Dieses Ausreden suchen, Abwälzen der Schuld, das Nicht-Reagieren der katholischen Kirche muss eine zusätzliche Ohrfeige für die Opfer sein!
Liebe Teja, danke für deine fachgerechte Übersetzung, genau das habe ich mit meiner etwas primitiveren Sprache versucht auszudrücken (um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, die Watschen geht an mich und nicht an dich ;-) ) Nachdem hier schon so eifrigst, gut kommentiert wurde, war ich etwas im Zwiespalt, ob ich - mit meiner Art - noch etwas dazuschreiben soll - allerdings ist dieses Thema zu wichtig um zu schweigen!
Wir sprechen - obwohl nicht klar erkennbar - eine Sprache! So ist meine Äußerung zu verstehen (interpretieren, aber ich wollte mir selber treu bleiben ;-) )
Gar nix zu deuteln, wir beide sprechen eine Sprache, bloß anders...
Zur Watschen, wahrscheinlich gehören wir beide zu der Generation "Watschen-erhalten"
Eine physische Watschen (wenn du psychisch labil bist) erträgst du eher. Was erträgt der Mensch gar nicht - physische Gewalt...
Bei diesen Missbräuchen findet beides statt, Psyche und Körper...das ist für das Opfer unerträglich!
Was für ein Umfeld war hier vorhanden, dass es gar keinen Ansprechpartner gab? Keine Vertrauensperson nur Scheinheiligkeit!!!
Vielleicht abgerückt: aber wo genau ist der Unterschied zum Faschismus:
Nichst sehen (wollen) - blind sein
Nichts sagen (wollen) - taub sein
Güter sammeln, Geld scheffeln - Macht besitzen - der Rest ist schweigen....
Die Zahlen liegen deshalb so niedrig, weil sich bis vor gar nicht langer Zeit die Opfer noch geschämt haben, darüber zu sprechen. Sehr oft ist es so, dass dem Opfer irgendetwas angedroht wird, falls es redet (z. B. Ich bring mich um, etc).
Was ist mit den Jugendbetreuern und all denen, die viel mit Kindern zu tun haben. Auch hier gibt es viele schwarze Schafe. Wie viel ist hier schon aufgedeckt worden Und diese Unmenschen leben in keinem Zölibat. Sie betrügen ihre Familie und Arbeitsstelle ebenso ungeniert und nur an sich denkend.
OT: Zum Namen "Teja": Er war der letzte Ostgotenkönig in Italien.
(Meine Güte, was hab ich beim Lesen von "Ein Kampf um Rom" geheult, als Teja fiel (das war historisch 552, gelesen hab ichs vor 40 Jahren)).
Zum Thema:
Im TV (WDR oder 3sat) gab es ein Interview mit einer engagierten Christin. Sie meinte, dass die katholische Kirche sich in solchen Fragen über den Staat stelle,
D.h., solche "Verfehlungen" würden nicht als Straftat gesehen, sondern als Sünde und entzögen sich damit der Justiz ...
Also Beichten reicht.
Wenn das Schule macht, würde das die Gerichte sehr entlasten und die Kirchen wieder füllen. ;-)
@Teja
Deinen Maßnahmenkatalog finde ich absolut richtig.
Und was tut Frau Merkel?
Wie ich letztens in den Nachrichten hörte, will sie sich im Rahmen der Bischofskonferenz in einer Geheimsitzung mit den Kirchenoberen zusammen setzen.
Da hat sie doch geschworen, Schaden vom deutschen Volk fern zu halten ... und macht munter mit bei der Vertuschung, hält Schaden fern von der katholischen Kirche.
Opus Dei, vade retro ...
@Teja
M.W. besteht die Leistung der Kirchen zu konfessionellen Schulen/Kindergärten in einem Sponsoring vom 5% der Aufwendungen. Darauf ließe sich auch verzichten.
Und wenn ich bedenke, wieviel soziales Engagement nicht unter dem Joch des Kreuzes, sondern aus unabhängiger Initiative geleistet wird, dann zeigt das auch, dass nicht unbedingt Kirche draufstehen muss, wo Nächstenliebe drin ist.
Medienbericht der WELT-online:
http://nachrichten.aol.de/nachrichten-politik/bisc...
Der Papst ist strikt dagegen:Die Ehelosigkeit der Priester sei ein "Geschenk Gottes" !!!!!, welches n i c h t dem Zeitgeist geopfert werden solle.
Sonst großes Schweigen aus Rom.
Hier handelt es sich um den Pfarrer, welcher mit Zustimmung von damals Erzbischof Ratzinger nach Bayern versetzt wurde und erneut wieder straffällig wurde und dafür 1986 verurteilt wurde.
http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Nachricht...
Hallo Teja Bernardy,
ich kann nur sagen, danke für diesen tollen Beitrag.
Wie sagte der Vorsitzende von "Wir sind Kirche" im Fernsehen: "... es wird nur zugegeben, was tags zuvor in den Zeitungen schon stand."
Da bricht seit 2000 Jahren nichts zusammen. Warum sollte das grad jetzt passieren?
Der vom Priesteramt suspendierte Saarbrücker Theologie-Professor Gotthold Hasenhüttl hat den Papst für die systematische Vertuschung sexuellen Missbrauchs verantwortlich gemacht.
Als Präfekt der Glaubenskongregation habe Joseph Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI., allen Bischöfen unter Androhung kirchenrechtlicher Strafen untersagt, Missbrauchsfälle an die Öffentlichkeit zu tragen. Wegen dieses Schreibens vom 18. Mai 2001 sei er der Hauptverantwortliche für die Vertuschung, sagte Hasenhüttl der "Saarbrücker Zeitung".
Quelle: http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php...
zum angesprochenen Link bei 3-Sat von Johanna:
Der angesprochene Beitrag ist unter "NEWS" der 8. Beitrag zu finden.
> "Zusammenbruch? Will im Grunde niemand! Den Augiasstall ein bißchen ausmisten, klare Regeln für die Personalauswahl, Akzeptanz der Strafgerichtsbarkeit, Ende der Vertuschung, Aufrichtigkeit, Bekenntnis nicht nur zu Gott, sondern zu den Menschen, Glaube, nicht an Institution und/oder Person und Amt. Eine menschenwürdige Kirche auf dem Fundament des "Menschensohns"..."
Na, das wäre aber schon kein Zusammenbruch mehr, sondern eine neue, andere Kirche/Sekte, die nichts mehr mit der KK zu tun hätte ;)
> "Römisch-katholische Kirche ist so beschädigt, daß sie einer grundsätzlichen "Reformation" bedarf"
Gabs die nicht schon mal ;)
> "Reformation, die Du meinst, war Germanenkram"
Na, also.
Wers reformiert mag, kann es bekommen - und muss sich nicht den alten KK-Kram antun.






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