Die gute alte Zeit war zum Beispiel der Tatzenstock,
Friedberg: Anno dazumal | Die gute alte Zeit war zum Beispiel der Tatzenstock, auch Rohrstock genannt, der hoffentlich nicht mehr gebraucht wird.
Es war ein Requsit der Schulmeister in einer Zeit, als Züchtigungen noch Gang und Gebe waren.
Das Wort Tatzenstock kam aus dem althochdeutschen „Tatze“, also ein Fuß oder die Pfote eines größeren Raubtieres. Abwertend wurde die tatze auf eine große kräftige Menschenhand übertragen.
Aus dem Wort„stoc“ , unter dem man einen abgschnittenen, gerade gewachsenen, dünnen Baum/Strauchast verstand und als Gehstütze oder eben zum Schlagen benützt wird.
Auch das Wort Rohr stammt aus dem Althochdeutschen und hieß „rör“. Bezeichnet wurde damit eine Pflanze mit auffällig langem rohrförmigen Stengel oder Stamm.
Dieser Tatzenstock der Schulmeister war in der Regel ein dünnes, biegsames ca. 40 cm langes Bambusrohr. Es diente als Züchtigungsmittel der Erziehung und Disziplinierung, und diente zur Zucht und Ordnung..
Im bayrisch-österreichischem Sprachraum wurde es zum gefürchteten Tatzensteckerl..
Die Tatze, also der Strafvollzug nach einer vermeintlichen Untat, war ein Schlag mit diesem Steckerl auf die flache Hand des Sünders. Dies spielte sich natürlich vor der ganzen Klasse, meist vor dem Pult, ab.
Dazu kam der mit barschem Ton aufgeforderte Delinquent herauskommen. Was mit gesenktem Kopf und zögernden Schritt geschah.. Der Lehrer ergriff dann dessen Hand am Handgelenk, eine Vorsichtsmaßnahme in vielen Praxisjahren gesammelt und brachte sie in eine Waagrechte.
Die bevorstehende Hinrichtung wurde von der Klasse mit ängstlichem oft auch desinteressiertem Blick verfolgt. Gehörte es doch zur alltäglichen Routine, meist jedoch bei den Lehrern.
Eine unheimliche Stille war im Raum, wenn der Lehrer dann aufforderte: „Streck die Finger“. Das war einleuchten. Denn auf Fäuste mit den hervorstehenden Knöcheln schlug er nie.
Der Sünder streckte also die Finger und der Zuchtmeister zielte weitausholend mit dem Steckerl auf die Handmitte. Der knallige Klatsch hörte sich an, wie beim Zuschlagen mit der Fliegenpatsche. Der bestrafte zog ruckartig die Hand zurück zu einer Faust. Um den Schmerz zu lindern, verschränkte er noch beide Arme und presste sie an den Brustkorb.So machte er sich mit leicht vorgebeugtem Oberkörper und schmerzverzogenem Gesicht zurück in seine Bank. Verfehlte das Züchtigungssteckerl die Handmitte, büßten es die Fingerspitzen oder der Daumen.
Es gab noch eine zweite Variante bei der Vollstreckung der Tatzenstrafe. Der Unterschied war ein ganz wesentlicher und lief folgendermaßen ab.
Der straffällig Gewordene musste die zum Tatzenschlag vorgesehene Hand freistehend hinhalten. So kam es zu einer größeren Distanz und vergrößerte somit den Schwung des Stockes. Verfügte der Henker noch über körperliche Kräfte, dann hörte man die Englein singen.
Jammern galt nicht in dieser guten alten Zeit
...ich hab ihn noch ausreichend zu spüren bekommen !!
Ein ganz schreckliches Ritual, das ich nie vergessen werde. Unser ev. Reli-Lehrer vollzog es immer provilaktisch:
Am Anfang des Unterrichts mussten die Chaoten ihre Finger auf die Bank legen...jede Woche, ob sie etwas gemacht haben oder nicht. Ich habe als Klassensprecherin einmal kläglich gemeint: "Die haben doch nichts gemacht...!" Das war für meine Händchen nicht so toll und dann schwieg ich...
Außerdem gabs Kopfnüsse, auf einer Kante ewig lang knien, mit dem Lineal oder mit der bloßen Hand eine abbekommen.
Man brauchte nur mit einem Nachbarbuben geredet haben, schon war man verdammt und bekam es zu spüren.
@Silke, das mit dem täglichen Ritual bei Euch, ist aber noch härter gewesen als es bei uns war.
...liebe Christl, "nur" einmal in der Woche beim evangelischen Religionsunterricht, aber das reichte!
Als brave Musterschülerin habe ich selten etwas abbekommen, aber deine weiteren Erzählungen (Kopfnüsse usw.) kann ich nur bestätigen. Wir waren - Gott sei Dank - damals eine gute Klassengemeinschaft und haben uns gegenseitig Trost gespendet und dagegen kamen die Lehrer nicht an!
Früher war zuviel Strenge in der Erziehung, heute ist das Gegenteil der Fall.
Ich glaube, alle die in den 50iger Jahren eingeschult wurden, haben die Härte dieser Erziehung miterlebt. Da war der Lehrer sehr schnell mit Prügelstrafe zur Hand.
Daheim hieß es dann, der wird es schon richtig gemacht haben und bei manchen Schülern weiß ich, daß sie nochmals zusätzlich Prügel von den Eltern erhalten haben.
Zum Glück habe ich das nicht zu spüren bekommen... war lange vor meiner Zeit.
Ich war auch eher die ruhige Schülerin. Das wiederum war auch nicht recht und die Kopfnuss im vorübergehen musste sein, weil ich zu still war.
Dabei hab ich mich nicht getraut, aus Angst eine falsche Antwort zu geben und dann vorgeführt zu werden.
Diese Angst steckt leider immer noch in mir.
Den Lehrern hat doch nie was gepaßt. War man anständig, durfte man den Deppen geben.
@ Silke, war das in Dillingen?
Das hört sich ja an, als wären manche Lehrer pervers gewesen.
Bei uns hat ein Flüchtlingsjunge, den Lehrer in Elze/Leine vorher in den Kohlenkasten gesetzt, er flog danach von der Schule.
Ein Lehrer Barkowsky, hat immer mit dem Zeigefinger unter dem Kinn,
den Kopf hochgerissen, so das niemand der "Schwalbe", ausweichen konnte.
Ich selbst bekam den Geigenstock eines späteren Rektors auf den Kopf,
so das Blut floß. Nachdem ich mich umgedreht hatte, da ein Mädchen mir
mit einem Gummiband, etwas an den Kopf geschossen hatte.
Der Lehrer hat sich später bei meiner Mutter entschuldigt.
Und bei uns daheim war es so, dass die Nachbarn, Eltern oder einfach nur Bekannte in die Schule gingen und dem Lehrer petzten wenn ein Kind einen Fehler machte, oder nicht gehorsam genug war. Daheim hat dann schon oft die Drohung gereicht, wenn es hieß, ich geh zum Lehrer wenn du nicht folgsam bist.
Das schien aber dem ganzen Dorf Freude zu bereiten.
Ich war froh, dass diese Lehrer nicht mehr in unserer Schule lehrten, als meine Kinder eingeschult wurden. Aber ich hätte das auch nicht so zugelassen.
Den betreffenden Lehrer kann ich heute noch nicht grüßen, der so gern Kopfnüsse verteilte, die Ohren langzog oder auch mit dem Stock zuschlug.
wäre aber leider manchmal angebracht.
... ich kenne ihn auch noch .... habe ihn aber nicht zu spüren bekommen ...
Super Beitrag, Christl! Tatzen kenne ich nur aus den Erzählungen meines Vaters.
Mein Bruder wurde 1959 eingeschult und seine Lehrerin in den ersten 4 Schuljahren war unsere Nachbarin. Ich höre heute noch die Worte meines Vaters zur Lehrerin: "Und wenn er nicht pariert, dann hauas dem a paar um die Ohren!" Tatzen bekam er bestimmt nicht, aber doch einige Ohrfeigen! Auf jeden Fall strengte er sich an und brachte gute Noten heim!
Ein aktuelles Thema zu diesen groben Gepflogenheiten!
Ich wurde verschont (aber nur in der Schule, zuhause nicht), hab aber oft zugesehen, wenn die Buben Tatzen bekamen und an diese Lehrer erinnere ich mich heute noch mit Schaudern.
Nix los mit "guter alter Zeit"!
Diesen "Tatzenstock" gab es zu meiner Schulzeit auch noch.
Ein Lehrer benutzte ihn zum schlagen auf die Handinnenflächen (!) :o((
Allen anderen diente er als harmloser "Zeigestock".....!!!
@Werner bei uns flog nach einer Watschn die die vor mir sitzende bekam, ein Blumentopf, an der Wand angebracht, mit solchem Schwung runter und traf mich. So hatte auch ich meinen Teil abbekommen. Zuhause beoinahe nochmals. Denn man glaubte mir nicht, dass ich ganz unschuldig war.
@Gisela, auch bei uns war der tatzenstock gleichzeitig der zeigestab. Doch hatte ihn die Schwester in der Hand, war es wie eine Drohung.
@Martina, ähnlich ging es auch bei uns zu. Nur dass diese Drohung nicht die Eltern aussprachen. Doch jeder Andere, dem das Verhalten das man zeigte nicht passte. Endweder wollte man es der Schwester oder eben den Eltern verpetzen. Seine Watschn war man dann in jedem Fall sicher.
Solange sie Euch nicht vergewaltigt haben war das noch alles normal, damals.
wie sieht es denn heute an in den internaten aus? ist da alles sauber? oder waren die priester und lehrer nur vor dreißig jahren so geil auf jugendliche? ist die jugend von heute wirklich so aufgeklärt, oder wird da auch jetzt noch geschwiegen? alles redet nur über damals. aufklären ist gut, aber vorbeugen ist noch besser.
Wir hatten da ein gutes Gegenmittel......mit Zwiebeln eingeschmierte Handflächen schwollen beim Tatzengeben derart an, dass man den ganzen Tag keinen " Griffel" mehr halten konnte...... so überlegten es sich die "Lehrer" manchmal zweimal ob diese Strafe gerecht war..... Zuhause konnten wir über den Lehrer ja auch nicht petzen, denn dann gab es sogar noch ein paar Watschen dazu...... na ja...Gott sei Dank ist diese Zeit vorbei........







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