Über 'n Tellerrand schauen ... (2)

die gogol-Publishing cloud - ein System für user generated content und was sich daraus machen lässt

“Niemand ist eine Insel” - der Titel des Simmel-Romans kann trefflich beschreiben, dass myheimat in verschieden Gewändern durch die Medienwelt geistert und auf der Grundlage unseres kostenlosen, freiwilligen und für das jeweilige Portal essentiellen Einsatzes den Betreibern jede Menge monetäre Gewinne einbringt:

http://www.wochenblaetter.de/hannover/
http://www.meinanzeiger.de/
http://leserreporter.bergedorfer-zeitung.de/
http://www.neue-mitmach-zeitung.de/

Diese Links führen zu einigen Beispielen welche aufzeigen, dass die professionelle Medienwelt sehr am sogenannten “User Generated Content” von uns “Bürgerreportern” interessiert ist. Die “Hülle”, also das Werkzeug zur Erfassung unserer Beiträge, wird von gogol-Medien angeboten, beworben und verkauft:

http://www.gogol-medien.de/plattform/onlineportal-...

Neben dem “Inhalt” des jeweiligen Portals ist unser Bürgerreporter-Einsatz auch für die Weiterentwicklung des Systems von ausschlaggebender Bedeutung: Durch das “Feedback”, durch einschlägige Diskussionen sind kritische Stellen am System schnell zu erkennen und zu beheben. Für den Portalbetreiber sind wir also die besten und “billigsten” Beta-Tester, die sich ein Programmbetreiber wünschen kann.

Ein “Blick über den Tellerrand” ist also immer angesagt. Wenn wir auf den Auslöser unserer Kameras drücken, Beiträge verfassen und veröffentlichen sollte uns bewusst sein, dass damit der “Spaß” für die Betreiber der Portale erst richtig beginnt. Ein Beispiel aus meinem persönlichen Umfeld zeigt, was unsere “Arbeit” wert ist. Für den “Friedberger Halbmarathon” fotografierten meine Frau und ich und verfassten anschließend einen myheimat-Beitrag:

http://www.myheimat.de/friedberg/sport/richard-neg...

Knapp zweitausend Bilder sind auszuwerten, zu bearbeiten und der Inhalt des Artikels ist
nur durch exaktes Festhalten der Ergebnisse aussagekräftig. Aufwand vor Ort: 4 Stunden, Bildbearbeitung 4 Stunden, Beitrag erstellen, Bilder hochladen 2 Stunden - das sind also 20 “Mannstunden” für einen myheimat-Beitrag.

Das Ergebnis: Abdruck des Artikels im myheimat-Printmagazin “friedberger” mit einigen Bildern, Steigerung der Attraktivität des Magazins, Werbeeinnahmen in nicht unbeträchtlicher Höhe und im “Editorial” des Heftes die Bemerkung “myheimat-Bürgerreporter Franz Scherer gelangen außergewöhnlich spektakuläre Aufnahmen des Friedberger Halbmarathons 2011”. Während ich diese Zeilen schreibe, wurde der myheimat-Beitrag 756 mal gelesen und ich kann natürlich nicht sagen, ob und wieviele Fotos der teilnehmenden Läufer bereits auf irgend welchen Festplatten gelandet sind. Genau sagen kann ich aber, wieviel jedes einzelne Foto dieses Wettberwerbs kostet: 7.90 EURO lässt sich eine professionelle Fotofirma für jedes einzelne Bild bezahlen:

http://tinyurl.com/6a53qdg

Für den myheimat-Redakteur ist es spielend einfach - so wird das im Demo-Film jedenfalls gezeigt - meinen Beitrag in die myheimat-Printausgabe zu übernehmen:

http://www.gogol-medien.de/plattform/printpublishi...

Manche Leserin, mancher Leser mag jetzt sagen: “Das hast Du alles freiwillig gemacht - niemand zwingt Dich dazu.” Recht haben sie. Ein wenig nachdenklich stimmt mich die ungleiche Kooperation myheimat / Bürgerreporter jedoch allemal. Die ungläubigen, mitleidigen Blicke und Kommentare vieler Leser, denen ich erkläre, dass mir niemand für die Arbeit an meinen Artikel auch nur einen einzigen Cent bezahlt hat, sind auf Dauer ebenso wenig Motivation wie die Erkenntnis, dass jemand mit meiner Arbeit ohne Auslagen eine Menge Geld verdient. Spätestens wenn unsere Kameras nach vielen “außergewöhnlich spektakulären Aufnahmen” für myheimat das Zeitliche segnen, wird sich unsere Freude an der Freiwilligkeit in Grenzen halten.

Bis dahin aber ist ja noch Zeit für schöne Beiträge, die zum einen myheimat und zum anderen den vielen Leserinnen und Lesern der myheimat-Printausgabe “friedberger” monatlich Freude bereiten. Für meine Frau und mich ist bis dahin Zeit sich umzusehen, ob man wirklich überall kostenlos für Gewinn, Freude und Unterhaltung sorgen muss.

Ein schönes Wochenende Euch allen.

Liebe Grüße
Sabina und Franz

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8 Kommentare zum Beitrag
5.321
lothar hofmann aus Marburg am 21.10.2011 um 13:56 Uhr  
13.181
Karin Dittrich aus Lehrte am 21.10.2011 um 14:55 Uhr  
15.714
Franz Scherer aus Friedberg am 21.10.2011 um 17:59 Uhr  
7.784
Christine Fischer aus Augsburg am 21.10.2011 um 20:39 Uhr  
15.714
Franz Scherer aus Friedberg am 21.10.2011 um 22:46 Uhr  
15.714
Franz Scherer aus Friedberg am 24.10.2011 um 14:24 Uhr  
13.924
Karl-Heinz Töpfer aus Marburg am 31.10.2011 um 00:45 Uhr  
13.181
Karin Dittrich aus Lehrte am 31.10.2011 um 23:57 Uhr  
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