Künstlernamen

Zu jedem Künstler gehört auch ein Künstlername. Der private Name ist für den privaten Mensch. Die Eltern nennen einen so, man wächst damit auf und irgendwie passt man zu seinem Namen.
Mit dem Künstlernamen ist das etwas anderes. Den suchen wir uns aus. Den können wir anziehen, wie unser Kostüm. Das ist, als würde man das Kostüm anziehen und den Alltag in der Gardarobe lassen.
Er ist eine zweite Identität. Wir stellen etwas dar, und das muss im Namen zu finden sein. Noch besser, am Namen soll man gleich erkennen, welche Kunst man macht. So was wie „Der reitende Sänger“, da weiß jeder was los ist. Oder „Die zauberhaften Montanas“, da ist klar, die zaubern. „Die10 Tenöre“ auch logisch, „Der Schmiechener Gospelchor“, und die „Zillertaler Schürzenjäger“..
Die Flamenco- Künstler geben sich immer zusätzliche „Titel“ So etwas wie „la gitana rubia“, die blonde Zigeunerin, oder
„ la delgada“, das heißt die Schlanke, und man weiß sofort weshalb diese Tänzerin diesen Namen hat. Dicker werden darf sie halt nicht.
Missverständlich wird es dann bei „la espiga“, das könnte die Weizen- Ähre sein, aber auch das Fischgrätenmuster. Ich weiß ja nicht, wie ich mir den Tanz eines „Fischgrätenmusters“ vorstellen soll.
Bauchtänzerinnen legen auch sehr viel Wert auf ausgeklügelte und exotische Namen.
Wenn man „Fatima Morgana“ hört, geht es vermutlich um eine Bauchtänzerin, die allerdings entweder nicht da, oder nicht echt ist. Oder zuminderst Teile von ihr.
Ein bisschen mulmig wäre es mir hingegen als Bauchtänzerin „Sheherazade“, musste die ärmste doch 1001 Nacht um ihr Leben bangen. Außerdem konnte sie zwar gut erzählen, aber es wurde nie berichtet, dass sie tanzen könnte.
Mit Namen wie „Ayhura“ oder „Ala Nar“ sollte man vielleicht vorsichtiger sein. So eine „Ayhura“ ist klingt eher wie eine Stripperin im Orientkostüm mit Fullservice.
Unter „Ala Nar“, stelle ich mir jemand sehr lustiges mit bunter Schellenmütze vor, der nur dazu engagiert wird, um bei der Bäckertaufe eines Mittelalter- Spektakels ins Wasser getunkt zu werden.
Genau genommen klingt es für eine Bauchtänzerin natürlich schon besser, wenn sie Rastan statt Renate oder Sabahar statt Sabine heißt.
Also musste auch ich mir damals als Bauchtänzerin einen Künstlernamen zu legen.
Wie sollte man mich denn ansagen? „Freuen Sie sich nun auf einen Zauber aus 1001 Nacht. Auf die Magie der rollenden Hüften. Auf den faszinierenden Bauchtanz der charmanten - Sigrid.“?
Mein Vater war auch Künstler, Unterhaltungskünstler. Der hieß aber immer gleich. Hans. Er brauchte gar keinen Künstlernamen, weil er von Geburt an Unterhaltungskünstler war. Einfach Hans. Zuhause Hans, auf der Bühne Hans. Hans Dampf in allen Gassen.
Nur meine Oma nannte ihn immer „Hansi“. Das hat mich an Wellensittiche erinnert, die aufgescheucht durchs Zimmer fliegen, Wind machen, Federn verlieren und auf die Tageszeitung scheißen. „Hans“ war mir für meinen Vater lieber. Mein Vater fand auch, dass ich einen Künstlernamen bräuchte.
„Freili, Kartofferl, freili brauchst du an Künstlanama!“ Er nannte mich immer „Kartofferl“, und fand das ziemlich originell. Wenn ich heute noch alten Bekannten meiner Eltern begegne, und ich ihnen sage
„Ich bin die Tochter vom Kröger Hans“, dann sagen manche allen Ernstes: „Hm, ich weiß, dass er zwei Töchter hatte. Die Astrid. Und dann war da noch das Kartofferl. Und welche sind jetzt Sie?“
Einmal wollte ich so tun, als ließe ich eine skandalöse Bombe platzen und sagte: „Ich bin die Tochter, von der keiner etwas weiß. Die einzige aus der etwas Vernünftiges geworden ist.“ Aber meistens sind ja die Menschen, die gerade nicht da sind und aus denen etwas Unvernünftiges geworden ist, interessanter . Deshalb wurde ich gefragt: „Ach, na so was, was ist denn aus der Astrid und dem Kartofferl geworden?“
Ich sagte dann „Die Astrid ist Politikerin bei einer buddhistischen Partei und aus dem Kartfofferl sind vermutlich Kartoffelpuffer geworden- oder Pommes. So genau weiß das keiner. Nicht mal der Hans, weil der ist ja schon gestorben, und deshalb Hans Wurscht geworden.“ Also, das Kartofferl brauchte einen Künstlernamen, und mein Vater fühlte sich wohl autorisiert mir mein Leben lang irgendwelche einfallsreichen Namen zu geben und hat mir zu der Sigrid und dem Kartofferl noch einen Künstlernamen verpasst. „I hob an guadn Nama für di: Osma, die Frau mit dem magischen Nabel. Do woas a jeder glei, aha, Osmanisches Reich, des muas a Bauchtänzerin sei. A bar Visitenkartn hob i a glei gmacht“ Und weil er auch gleich einige Visitenkarten unters Volk gebracht hatte, war ich ab da „Osma , die Frau mit dem magischen Nabel“. Die Leute konnten sich den Namen zum Teil merken, allerdings vorwiegend den „magischen Nabel“. Erstmals ins Zweifeln über diesen Künstlernamen kam ich, als bei einer Faschingsfeier jemand mit einer Parodie von einem bauchtanzenden Männerballett gerechnet hatte.
Schwierig war es mit diesem Namen in den orientalischen Kreisen.
Eine türkische Moderatorin sagte mal zu mir: „Das kann ich so nicht ansagen. Das ist bei uns ein Männername“ „Wie, ein Männername? Osma, nicht Osman“- antwortete ich. „Das ist egal, Osman ist ein Männername und Osma klingt genauso.“
Daraufhin frage ich meinen türkischer Freund Mehmet, Trommler und Bauchtänzer,. “Wieso hast du mir noch nie gesagt, dass dieser Name für türkische Kreise unmöglich ist?“ Er sagte dann: “Ach weisch, die Türken wieder. Ich bin ein Mann, bin Türke und ich hab einen türkischen Männername. Und ich mach Bauchtanz. Wenn ich als Mann mit Männername bauchtanze, dann kannsch du als Frau auch mit Männername bauchtanzen. Wir sind in Deutschland, wir sind gleichberechtigt!“
Dann kam das entscheidende Erlebnis: Ich war engagiert für den Geburtstag der Wirtin vom „Roten Stier“ in Augsburg. Sie hatte einen Alleinunterhalter und eine Menge geladener Gäste und vom vielen Anstoßen einen Schwipps. Ich zog mich im Obergeschoss um. Nach einem Weilchen kam die Wirtin:
„Der Alleinunterhalter fragt, wie er Sie ansagen soll:“
„Er soll sagen, Osma, die Frau mit dem magischen Nabel“
„Oh, das ist aber viel. Ob ich mir das merken kann? Also wie noch mal?“
„Osma, die Frau mit dem magischen Nabel“.
„Aja, Nabel, das ist ja klar, Bauchtänzerin mit Nabel. Wie noch mal der Name? Os,Os,“
„Osma. Osma kommt vom Osmanischen Reich, das ist ganz einfach.“
„Na, gut, also Osma mit dem magischen Nabel.“
Ich hörte sie, wie sie die Treppen hinuntertippelte und sich immer vorsagte.“ Osma, die Frau mit dem magischen Nabel. Osma, die Frau mit dem magischen Nabel, Osma mit dem Nabel, Nabel, Frau, Osma..“…
Nach einigen Minuten ging ich auch nach unten, und wartete vor der Türe, bis ich angesagt wurde. Ich stand , nervös vor der Türe und schüttelte meine Hüften warm .
Da hörte ich den Alleinunterhalter sagen: “Was? Wie heißt die?“
Ich dachte mir, wieso tut der so blöd?
„Das kann ich doch nicht sagen.“
Meine Güte, was ist jetzt daran so schlimm? Jetzt mach schon die Ansage.
„Doch, doch, das hat sie gesagt.“ erwiderte die Wirtin.
„Was, so heißt die?“
So ein Idiot. Was ziert der sich so? Der soll mich jetzt ansagen und meine Musik anmachen. Ich bin nervös!
Dann hörte ich den Tusch.:
“Meine Damen und Herren, jetzt zum Höhepunkt des heutigen Programms! Jetzt kommt die einmalige Darbietung von:“ Tusch!
„Von –Frau- Oswald (Pause) mit dem damischen Magen!“ Tusch!
Die Türe wurde aufgehalten. Das Publikum lachte.

„Spinnst du?! Was sagst du da! Nach so einer Ansage tret ich doch nicht auf!“ raunzte ich den Alleinunterhalter an.
“Das hat die Wirtin so gesagt, und drauf bestanden, dass ich dich so ansagen soll.“ Er bemühte sich um ein entschuldigendes Lächeln.
„Osma mit dem Magischen Nabel-. Sag das sofort richtig, Du Du Alleinunterhalter!“ fauchte ich.
Er spielte erneut einen Tusch. „Meine sehr verehrten Damen und Herren. Natürlich war das ein kleiner Witz!“
Ha ha ha! Wahnsinnig witzig!
. „Jetzt kommt die Bauchtänzerin“ Tusch! „Osma, mit dem magischen Nabel!“ Tusch. Jetzt lachte das Publikum erst recht!
Ich hörte, wie das Publikum sich amüsierte, johlte und witzelte.
„Ahahaha. Bauchtänzerin mitm damischen Magen!“ „Ilse die hot wohl von deim alten Kartoffelsalat gessa!“
„Hohoho An Bauchtanz ka i o macha, Bauch hätt i gnua!“

Ich bin eine ernst zu nehmende Künstlerin!

Heute ist mein Künstlername Korona, wie die Krone- der Strahlenkranz um die Sonne bei der absoluten Sonnenfinsternis.
Am Ende meiner Auftritte sage ich immer:
„Ich bin Korona. Weil Bauchtanz und Flamenco die Krönung einer jeden Feier ist! Wenn es Ihnen gefallen hat, empfehlen Sie mich weiter, wenn nicht- behalten Sie`s für sich.“

Mehr zu finden unter: www.korona-tanz.de

Copyright: Korona; Nachdruck, Kopieren, Abschreiben, Klauen, Nachplappern, auch Auszugsweise ist nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der Urheberin erlaubt.
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