Halloween nervt!

Gruseln an Halloween

Halloween, so wissen wir, ist ein „Fest“ an dem man sich absichtlich gruselt. Je mehr umso besser. An Halloween werden plötzlich Skelette, abgeschnittene Körperteile, klaffende blutenden Wunden und möglichst zugerichtete Leichen witzig und salonfähig. Was man das ganze Jahr über mit Grauen in der Zeitung verfolgt, oder wofür man Mitleid empfindet wird nun als Verkleidung verwendet, verharmlost und ins Lächerliche gezogen. Dabei soll aber ein schönes Maß an Wonne- Grusel schon garantiert sein. Kinder gehen von Haus zu Haus und verlangen dort unter Androhung von „Saurem“ Süßigkeiten. Bekannt wurde Halloween in Deutschland zunächst durch amerikanische Filme, oder Comics wie den „Peanuts“, durch hier stationierte US Soldaten und nicht zuletzt durch Gruselfilme wie „Halloween“.

Der Brauch ist also aus den USA zu uns geschwappt. Kein Wunder, dass ausgerechnet die USA für häufige Kriegseinsätze bekannt sind und die UN Kinderrechtskonventionen nicht unterschrieben haben, in denen festgelegt wird, dass Kinder nicht an Kriegseinsätzen teilnehmen dürfen. Halloween als paramilitärische Schulung. Wer sich am besten gruseln kann, und die schaurigsten Ideen hat, bekommt die meisten Süßigkeiten. Zuerst feiern wir Halloween, und dann ziehen wir in den Krieg.

Vierjährige straffällig

Abgesehen davon, dass Halloween ein angloamerikanischer Brauch ist, und in deutschen Dörfern vorzugsweise dort auftritt, wo sich Menschen in Neubausiedlungen mit charmanten Doppelhaushälften zusammenrotten, ist er zunehmend nervig. Kinder klingeln an Türen und erfüllen mal locker den Straftatbestand der räuberischen Erpressung. Da stehen Vierjährige in Draculakostümen und drohen einem mit „Süßes oder Saures“ und wissen vermutlich nicht mal, was sie damit sagen. Man sollten ihnen Saures geben, wenn sie einem schon die Wahl lassen. Aber nein, sie fordern eigentlich Süßigkeiten. Die deutschen Kinder, die täglich Süßigkeiten in ihrer Brotzeitbox haben, haben keine Ahnung von Jack O´Lantern oder, dass Halloween eigentlich „All Hellows Evening“ bedeute, also „aller Heiligen Abend“, und auch mit Samhain gleichzusetzen, und damit heidnisch ist. Sie kennen keinen Reformationstag und wissen nichts mit Allerheiligen anzufangen. Aber sie streunen durch die Straßen und belästigen alle Haushalte mit ihren unverschämten Erpressungen. Die Kinder sind nicht mal in der Lage den Spruch auf Englisch, oder wenigstens fehlerfrei auf Deutsch zu sagen. Mit einem lumpigen „Wir sind kleine Geister und essen gerne Kleister, und wenn Sie uns nichts geben, bleiben wir hier kleben“, glauben sie genug getan zu haben, um sich Süßigkeiten zu verdienen. Die Eltern haben kein Problem damit, ihre Kinder zuerst auf heidnische Raubzüge und ein paar Monate später schön fromm zur Kommunion oder Konfirmation zu schicken.

Eltern schicken Kinder zum Erpressen

Da klingelt es also heute an unserer Türe und als ich aufmache stehen drei schwer übergewichtige Frauen da. Ich denke mir, „Oh habe ich eine Tupperparty von der ich nichts weiß, oder habe ich falsch geparkt?“ Aber da quäken dünne Stimmchen von dreijährigen zwischen den Hosenbeinen der Mütter hervor und verlangen im Prinzessinenkostüm „Süßes oder Saures“. Dann lutschen sie an ihrem Fläschchen, die übergewichtige Mutter kassiert die Süßigkeiten, packt sie in ihre Tüte und setzt das Prinzesschen fläschennuckelnd in den Buggy zurück. Dann walzen sie weiter und schieben ihre entzückenden Prinzesschen im Buggy zur nächsten Haustüre. Ich frage mich ernsthaft, ob meine teure Fair- Trade- Schokolade wirklich von den Kindern gegessen wird, oder ob sie im Schlund der Mütter verschwinden. Wir verurteilen, dass in armen Ländern wie Rumänien und Ungarn die Eltern ihre Kinder betteln schicken. Bei uns gehen die Eltern an Halloween sogar selbst mit, und das obwohl sie offensichtlich genug zu Essen haben und in Deutschland Betteln und Hausieren an Haustüren verboten ist. Hin und wieder haben bei mir schon ein paar Landstreicher an der Türe geklingelt, die das Butterbrot und frische Äpfel abgelehnt haben, weil sie lieber Geld, Tabak und Rum wollten. Wenig später wurden sie von der Polizei festgenommen, weil sie gegen das Gesetz verstoßen haben. Sogar die Frau, die Äpfel vom Bodensee an der Haustüre verkaufen will, und einem wie bei Schneewittchen ein Stück Apfel zum Probieren gibt, wurde neulich im Polizeiauto weggefahren. Bloß an Halloween, da darf man ungestraft das Gesetz brechen und bringt es gleich den Kindern bei.

Bis aufs Letzte ausgeräubert

Wir verteilen also artig unsere Schokolade in allen Geschmacksrichtungen, obwohl die Kinder sich weder besonders artig, noch besonders hilfsbereit oder gar höflich zeigen und in meinen Augen keine Süßigkeiten verdient haben. Einer sagt sogar „Was Schokolade? Haben Sie kein Geld, das Sie uns geben können?“ „Nein“ sage ich, „für Geld muss man arbeiten, nicht hausieren und Tabak oder Rum habe ich auch nicht.“ Aber Danke hören wir leider nicht. Wir haben nichts mehr zu verschenken, und ich habe auch keine Lust diesen verzogenen Rotzlöffeln auch nur irgendwas zu geben. Meine Tochter sagt den weiteren drei Gruppen ganz nett, dass wir nun nichts mehr haben. Nach der vierten Gruppe sagt sie nur noch „Wir haben nichts mehr und ich geh jetzt selbst woanders betteln, damit ich Schokolade habe“.
Als ich aus dem Fenster schaue, sehe ich sogar einen VW-Bus, aus dem eine ganze Horde verkleideter Kinder aussteigt, die wohl extra in unsere Gegend geliefert worden sind.
Bei den nächsten Gruppen die uns heimsuchen machen wir die Türe nicht mehr auf. Die kleinen haben aber gelernt, dass man hartnäckig sein muss wenn man etwas erreichen will. Und sie klingeln eben Sturm. Wir sitzen mittlerweile im Dunkeln und haben alle Rollläden runtergelassen und täuschen „niemand zuhause“ vor, damit wir nicht weiter von räuberischen Kindern belästigt werden.

Wie nach der Freinacht

Es hilft nichts, ungefähr weitere fünf Mal klingelt es bei uns Sturm, und zur Strafe, weil wir nicht auf machen, sprühen die lustigen Gesellen einfach mal Phallussymbole aus Rasierschaum vor unsere Haustüre. Die weiteren Gruppen latschen natürlich durch und verteilen damit alles von der Haustüre bis zum Gehweg. Der Weg bis zur Kirche ist mit Müll von Süßigkeiten, Klopapier und Rasierschaum gesäumt. Hat diesen ungezogenen Fratzen eigentlich keiner beigebracht, dass das auch jemand wegputzen muss? Morgen ist Feiertag und auf den Straßen sieht es aus wie nach der Freinacht.
Wir liegen schon im Bett und schlafen und normal erzogene Kinder müssten das auch. Da schrecken wir aus dem Schlaf, weil unter Gejohle und Gegröle Sturm geklingelt wird. Gegen Mitternacht finden es die sechs bis siebenjährigen besonders cool dort zu klingen, wo alles dunkel ist und die Leute bereits schlafen. Bis ich zum Fenster rausschauen kann ziehen sie bereits weiter. Sie ziehen in Richtung der Leute, von denen jedes Jahr Nachbarn ein Anwaltsschreiben mit Auflagen erhalten, bis zu welchem Datum die Hecken geschnitten sein müssen. Die die Tannenbäume in fremden Gärten abmessen und dann den Besitzern vom Anwalt mitteilen lassen, dass die Höhe um einem Zentimeter überschritten ist. Sie werfen anderen das Laub über den Gartezaun, rufen die Feuerwehr wegen eines Lagerfeuers und bellen morgens ihren Hund im Garten an, dass er nicht bellen darf. Da höre ich es wieder laut kreischen und sehe wie die kleinen Gespensterchen pitschnass davon laufen. Da hat doch jemand einen Eimer Wasser vom ersten Stock gekippt - und getroffen.
Nächstes Jahr mache ich eine Freiluft- Kino- Veranstaltung. Ich stelle Klappstühle auf die gegenüberliegende Straßenseite und verkaufe Popcorn. Dann projiziere ich Horrorfilme an unsere Hauswand und die frechen Rotzgören hocken davor, glotzen und fürchten sich und keiner klingelt mehr bei mir.
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 02.11.2014 | 17:52  
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