Zum Walpurgisnacht-Rock live auf Schloss Neuenburg: RUSSKAJA aus Österreich

RUSSKAJA - Ska, Speedbrass, Polkabeat

Freyburg (Unstrut): Schloss Neuenburg | Russkaja ist das erklärte Gegenteil von Easy Listening, Russkaja ist der Schrecken aller russischen Heimatmusikvereine, Russkaja sind fette Polka-Beats aus Österreich. Zusammengesetzt aus einer Reihe höchst verdienstvoller alpenländischer Musiker mit bunt gewürfelten kulturellen Backgrounds verarbeiten Russkaja heute europaweit ihre postmoderne Version russischer Folklore. Und die ist schweißtreibend und brüllt jedem ins Ohr: Tanz Tanz Tanz!

Hier prallen am 30. April 2011 auf Schloss Neuenburg in Freyburg (Unstrut) Trash Metal auf Worldjazz und Funky Stuff auf Frank Zappa-Rock. Das alles sagt uns: es wird ernst!

Auf Russkajas MySpace-Seite steht als Genre „Heilen und Easy Listening“, was man wohl getrost als arglistige Täuschung verbuchen kann. Denn der arme Kranke, der sich einmal nach Bad Russkaja begibt, kommt sicher nicht vollständig wieder zurück. Russkaja ist eine russische Hochgeschwindigkeits-Sensation. Das erklärt zumindest die gehörig schwarzhumorige Geistesgrundhaltung der Band, die ihren äußerst authentisch daherkommenden slawischen Namen von der Mischung aus „Russland“, „Ska“ und „Ja“ ableitet, letzteres aus einer ganz allgemeinen positiven Grundeinstellung heraus und dem kategorischen Grundsatz, ein Nein generell sowieso nicht akzeptieren zu wollen.

Immerhin ist ein Teil der Band zumindest passenden Ursprungs (Russland, Ukraine, Ungarn & Bulgarien), so etwa Bandgründer Georgii A. Makazaria, gebürtig zu Moskau, der seit 1992 in Wien ansässig ist und dort unter
anderem im Musical „Falco – A Cybershow“ mitwirkte und als Mitglied der Trash-Metal-Formation Stahlhammer. Auch der Rest der Kollegen spielte vordem in diversen einheimischen Formationen, und zwar durchaus in vorderster klanglicher Reihe, so Posaunist H-G Gutternigg bei Joe Zawinul, Schlagzeuger Titus Vadon bei Drahdiwaberl, Gitarrist Zebo Adam bei der Hallucination Company, und Saxofonist Manfred Franzmeier im Hot Pants Road Club, während die Violinistin Antonia Georgiew schon in frühester Jugend als Wunderkind Klassik-Preise en masse abräumte.

Diese Aufzählung macht auch schon klar was für ein wahnwitziges Spektrum Russkaja abdecken. Hier sind eiskalte Könner am Werk, die nur eins wollen: mit knallharten Polkabeats das Blut des Publikums zum Kochen bringen, und über sinistre auslandsrussische Propaganda staatlichen Kulturvertretern die Zornesröte ins Gesicht treiben.

Bei Russkaja ähnelt der Kasatchok einer zünftigen Prügelei, die Blechblas-Fraktion einer Kalaschnikow und die Bühnengewänder einer Mischung aus Dschingis Khan und Roter Armee samt Grüßen vom Zaren. Willkommen in der Postmoderne, ein Nein wird ja ohnehin nicht akzeptiert !

Ska ist die Zauberformel und Polka das Mittel zum Zweck, beides beherrschen die sieben Geistes-Russen aus dem Effeff. Ihr infernalisches Handwerk betreiben sie seit 2005, 2008 kam, nach einigen Maxis & EPs, dann das erste Album „Kasatchok Superstar“ heraus und spätestens seit eben dieser Zeit sind sie selbst welche. Ähnlich wie die New Yorker Kollegen Gogol Bordello eroberten sie die Clubs und Open Air Festivals Europas im Handstreich und verbreiten ihren Highspeed-Brass seitdem durch die halbe Welt. Das ist keine Balkanmode, das sind keine Moskauer Großmacht-Pioniere, das ist schlicht und einfach die pure Klanganarchie.

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2 Kommentare zum Beitrag
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Heidrun Preiß aus Bad Arolsen am 15.03.2011 um 14:57 Uhr  
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) am 15.03.2011 um 16:08 Uhr  
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