An der Gemeinschaftsschule Freisen geben sich Besucher die Klinke in die Hand

Interesse am pädagogischen Konzept der Freisener Gemeinschaftsschule: Interessierte Lehramtsanwärterinnen und –anwärter werden von Schulleiter Rolf Mohr und Konrektorin Sara Reinert (am Kopfende) begrüßt und mit den Besonderheiten des Unterrichts vertraut gemacht.
Freisen. Das Vordringen in die Endrunde der besten 15 Schulen Deutschlands beim diesjährigen Deutschen Schulpreis hat die Neugier geweckt: Es gehört seit Jahren zum pädagogischen Konzept der Gemeinschaftsschule Freisen, dass die Türen der Unterrichtsräume für Besucher stets offen stehen. Zumeist waren dies in der Vergangenheit Eltern und Erziehungsberechtigte, die einmal hautnah beim Unterricht ihrer Kinder mit dabei sein wollten. Jetzt aber sind es vornehmlich Pädagogen oder angehende Pädagogen, die sich an der Schule quasi die Klinke in die Hand geben. Getrieben werden sie vor allem von der Grundfrage: „Wie setzen die ihr pädagogisches Konzept um?“ Und so ist die Gemeinschaftsschule Freisen derzeit nicht nur ein Lernort für über 700 Schülerinnen und Schüler, sondern auch für zahlreiche Erwachsene, die entweder schon einen Lehrberuf ergriffen haben, oder dabei sind, diesen anzustreben.
Unlängst besuchten an vier Tagen 29 Referendare des Studienseminars die Freisener Gemeinschaftsschule. Ihnen folgten weitere Lehramtsanwärter, nämlich sechs Referendare des Fachs Geschichte zusammen mit ihrer Fachleiterin Sabrina Graf. Zu Gast war auch die Therapeutische Lebenshilfe Saarbrücken mit sechs Besuchern und für die nächsten Wochen haben sich weitere Gäste angekündigt. So führt das Saarländische Institut für Lehrerfortbildung (LPM) vor Ort eine Veranstaltung durch, die das Freisener pädagogische Konzept zum Thema hat. Hier wird es aber nicht bei einer einzigen Veranstaltung am 2. Dezember bleiben, denn die Anmeldezahlen und damit auch das Interesse innerhalb der saarländischen Lehrerschaft waren so groß, dass am 14. Januar eine zweite Veranstaltung dieser Art folgen wird. Die Neugierde macht allerdings nicht an der Landesgrenze halt. So waren auch schon Besucher aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in den Freisener Unterrichtsräumen und alsbald folgen ihnen Lehrerinnen und Lehrer aus Luxemburg.
Auch sie erwartet zum Auftakt zunächst die theoretische Vorstellung des pädagogischen Konzepts durch Schulleiter Rolf Mohr und Konrektorin Sara Reinert. Danach dürfen sich die Gäste in allen Schulgebäuden umsehen und völlig frei wählen, welchen Unterricht sie in den 29 Klassen besuchen, um eigene Eindrücke sammeln zu können. Am Ende gibt es noch einmal eine Feedback-Runde zum gerade Erlebten.
Die bisherigen Runden erbrachten, so Schulleiter Mohr, viele lobende Worte für den Freisener Unterricht. Vor allem die Atmosphäre ohne Angst und Stress und die damit verbundene sehr intensive Lernumgebung hätten überzeugt. Und das gelte nicht nur für den Unterricht in den Klassenräumen, sondern für alle Orte, an denen sich die Schüler während des Unterrichts gerade aufhielten. Gelobt worden sei vor allem auch die durchdachte Struktur des Konzepts, in dessen Rahmen das Lernen begleitet werde.
Besonders interessierte die Besucher auch der nächste Schritt der Schule, der mit Beginn dieses Schuljahres eingeleitet wurde: Der sogenannte „Vernetzte Unterricht“, der für die aktuellen Fünftklässler teilweise die bisherige Trennung der Schulfächer aufsprengt und der es möglich macht, dass die Schüler das ein und selbe Problem sprachlich, mathematisch, naturwissenschaftlich oder gesellschaftswissenschaftlich betrachten. Rolf Mohr lieferte den neugierigen Besuchern auch gleich die Begründung für das neue Schulfach „VU“, das gleich mehrere Wochenstunden des Stundenplans füllt: „Viele der heutigen Schulstrukturen, so auch die Einteilung nach Unterrichtsfächern, waren für das 19. Jahrhundert entwickelt worden. Unsere Welt ist demgegenüber geradezu explodiert. Sie ist viel komplexer und komplizierter geworden. Die Schule im 21. Jahrhundert kann ihren Schülern nur dann wirkliche Erkenntnisse vermitteln, wenn sie nicht mehr nur Einzelheiten lehrt, sondern die Beziehungen unter den Dingen herstellt.“
Einen Teil der Überzeugungsarbeit an der Schule übernehmen unterdessen auch die Schüler selbst. Unter ihnen gibt es eine aktive Schar von Gästeführern, die alle Besuchergruppen kompetent durch die Schulgebäude führen. Auch ihre Tätigkeit wurde schon sehr positiv vermerkt, denn nicht wenige äußerten nach der Führung die Überzeugung, dass die Schüler das Konzept der Schule tief verinnerlicht hätten.
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