Wohin mit der Serviette?
Mit einer Serviette ist das so eine Sache. Mal hat man eine, mal findet man keine. Braucht man überhaupt eine? Ich würde sagen, ja. In Zeiten, da das Essen mit den Fingern immer weiter um sich greift, ist eine Serviette ein Muss. Wo will man als Mann denn sonst seine angebatzten Finger abwischen? Doch nicht etwa in der Tischdecke oder gar der Hose?!
Bevor man mit dem Essen anfängt, sollte man die Serviette auffalten und sich damit schützen. Ein geeigneter Ort ist der Schoß. Doch da segelt sie gerne zu Boden, wenn sie auf den Oberschenkeln eines Mannes liegt. Deswegen sieht man hin und wieder auch Männer, die sich eine Serviette in die Hemdleiste klemmen. Doch das hilft nur wenig, weil dann zwar das Hemd vor Verschmutzung leidlich geschützt ist, die Hosenbeine aber nicht. Ich habe auch schon Tischnachbarn beobachtet, wie sie etwas rustikal mit einer Serviette umgegangen sind und sie sich zwischen Hals und Hemdkragen rein gezwängt haben!
Wohin aber mit einer schmutzigen Serviette? Es hat sich unter uns Normalverbrauchern eingebürgert, eine gebrauchte Papierserviette zusammen zu knäulen und sie zwischen die Speisereste auf dem Teller zu werfen. Doch mit einer Stoffserviette ist das etwas heikler. Auch zusammen knäulen und ab damit auf den Teller?! Das dürfte allerdings etwas Aufsehen erregen und für Unruhe am Tisch sorgen. Ich würde sie in jedem Fall notdürftige wieder zusammen klappen und neben den Teller legen.
Männer lassen auch gerne die Serviette auf dem Tisch liegen und nehmen sie erst dann her, wenn sie wirklich gebraucht wird, zum Beispiel zum Wegwischen eines hässlichen Soßenflecks auf dem Hosenbein oder der Tischdecke. In der Regel nützt das nur wenig, aber man kann ja dann den Fleck mit der Serviette etwas notdürftig abdecken und weiter am Tischgeschehen teilnehmen. Bei einem Batzer auf dem Tisch sollte man allerdings beim Gehen die Bedienung etwas höher entlohnen – mit bedauerlichem Blick auf das Missgeschick.
Was aber bei einem peinlichen Fleck auf der Hose? Ein cleverer Serviettenmuffel lässt einfach die Jacke oder den Mantel lässig vom Arm baumeln und verlässt mit einem coolen Lächeln den Ort des Geschehens ...
(Sie sollten nicht versäumen, auch diesen Beitrag aus meiner Reihe "Tischmanieren" zu lesen: http://www.myheimat.de/freilassing/kultur/der-rich...)


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