Willy Brandt soll einmal gesagt haben, dass Journalisten "Randerscheinungen der holzverarbeitenden Industrie" wären.
Diesen Satz habe ich gestern Abend in Günther Jauchs Talkshow aufgeschnappt. Nun kenne ich Herrn Brandt nicht so genau, um diese Aussage geschichtlich einzuordnen bzw. in einen Zusammenhang zu stellen. Vielleicht kann mir da ein versierter Brandt-Kenner ein bisschen zur Seite springen ...
Mir scheint, dass unserem ehemaligen Bundeskanzler da auch die Pferde ein bisschen durch gegangen sind, so wie dieser Tage Herrn Wulff, der sich auch von der Journaille verfolgt sieht ...
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...was ja im Grundsatz nicht falsch ist. Es wäre dann sicher noch zu klären, ob die jeweiligen Holarten, wie Hartholz, Weichholz, Edelholz, eventuell sogar Treibholz Einfluss auf die Qualität der Zeitungen haben.
Lothar, du kennst dich in Sachen Willy Brandt offensichtlich gut aus. Vielleicht kannst du dich auch noch an den Zusammenhang seiner Worte erinnern ...
Old Willy war auch nur Mensch - und beilebe nicht der einzige der in diesem Sinne Prägnantes von sich gab:
"...
Eine Kostprobe dieser Tendenz gab jüngst Jean-Luc Mélenchon, Chef der französichen Linkspartei Parti de Gauche, als er den Journalismus als métier pourri (‘verrottetes Gewerbe’) bezeichnete und einen unerfahrenen Journalisten, der ihm unbequeme Fragen stellte, petite cervelle (‘Spatzenhirn’) nannte. „…eh bah, merci“ antwortete der Unglückselige.
...
Bereits in den 1980er Jahren betitelte der CSU-Politiker Franz Josef Strauß Journalisten als Ratten und Schmeißfliegen. Nicht weniger skurril drückte sich der ehemalige Außenminister Joschka Fischer (Grüne) aus, der die verdutzten Journalisten als 5-Mark-Nutten bezeichnete.
..." http://www.cafebabel.de/article/33336/eu-politiker...
Und Helmut Schmidt?
"...Die Journalisten pflegte er üblicherweise mit Grobheiten wie "Wegelagerer", "Banditen" oder "Verbrecher" im Zaum zu halten. Keiner hat es ihm wirklich übel genommen. Wir wussten, dass Schmidt-Informationen die schlimmsten Schmidt-Anschisse jeder Zeit in Makulatur verwandeln konnten.
..." http://www.abendblatt.de/hamburg/article959444/Sch...
Schmidt Schnauze eben.
Ich kann mir gut vorstellen daß das Verhältnis zwischen Politikern und den Medien - speziell den Reportern - ein ganz besonderes ist. Haßliebe nennt man das wohl...
Wenngleich - zwischen einigen von ihnen hat sich ein sehr freundschaftliches Verhältnis gebildet.
Wenn man weiß, wie rüde einmal Sarkozy mit einem frz. Journalisten umgesprungen ist, als es um seine Carla ging, dann wirken Wulffs Drohungen gegen die Bildzeitung eher wie eine leichte Brise ...
Na ja, Axel -
daß dieser Mini-Napoleon keinen Stil hat wissen wir ja spätestens seit er die protestierenden Jugendlichen in den Banlieus mit dem Kärcher behandeln wollte.
Dummerweise haben die Franzosen scheinbar ein ähnliches Problem mit ihrer Politik-Elite wie wir.
Der selbstherrliche Berlusconi soll ja auch nicht gerade zimperlich gewesen sein, wenn er gegen italienische Journalisten oder Fernsehmoderatoren vorgegangen ist ...
Tja, Schmidt's Schnauze und sein Verhalten den Journalisten gegenüber .... etwas widersprüchlich, wenn man an den Satz in seiner Rede anlässlich der Jubiläumsfeier der 'Neue Ruhr-Zeitung' in Essen am 11.09.1971 denkt. Zitatanfang
"Die Tageszeitungen sind ein lebensnotwendiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens; sie gehören gewissermaßen zum täglichen Brot." Zitatende.
Was denn nun? Journalisten sind nun mal lebensnotwendig für die Zeitungen...;))
Gabriele, wer ist denn schon immer gleich gut drauf?
natürlich hat Schmidt (in seinen Biographien kommt das gut raus) eine realistische Einstellung zur "4. Macht"; und er hat ja auch lange für die WELT gearbeitet - soweit ich weiß ohne Honorar.
Daß auch ihm ab und zu der Kragen geplatzt ist damals (oder es war einfach seine "Kodderichkeit") ist nur menschlich.
Und zu Berlusconi braucht man nichts weiter zu sagen.
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