Wenn der Amtsschimmel wiehert ...

von Axel Haack aus Freilassing | am 22.02.2010 | 422 mal gelesen | 17 Kommentare | 0 Bildkommentare | 1 Bild
Holsteiner Apfelschimmel

Wenn man Pensionist ist, muss man jedes Jahr eine Bescheinigung vorlegen, dass man noch am Leben ist und zu Recht Ruhegehalt kassiert. Dann muss ich als Deutscher mit ständigem Wohnsitz in Salzburg zum hiesigen Justizgebäude und das zuständige Dienstzimmer aufsuchen.

Der Weg dorthin, wo Lebensbescheinigungen ausgestellt werden, ist so leicht nicht, denn immerhin muss man durch eine Sperre im Eingangsbereich, die mit einer "Justizwache" besetzt ist. Zunächst muss man sich vor dem mittleren Schalter anstellen und auf seine Abfertigung warten. Die Warterei ist immer besonders nervenaufreibend, wenn es sich um einen Dienstag handelt. Dann ist nämlich Gerichtstag und viel Volk will in die Verhandlungssäle. Zunächst wird einem von einer Beamtin hinter Glas eine offene Lade zugeschoben, wo man alle Metallgegenstände gefälligst ablegen soll, bevor man die Schleuse betritt. Sie glauben ja gar nicht, von was man sich da alles kurzfristig trennen muss!

Am problematischsten ist die Abgabe des Gürtels, denn der verhindert ja nun mal das Abrutschen der Hose unter die Schamgrenze. So muss man denn etwas verkrampft durch die Drehtüre in die Schleuse, wo man ungeduldig auf das grüne Lämpchen wartet. Doch in meinem Fall ertönt eine Stimme, die mich auffordert, alle metallischen Gegenstände abzugeben. Herrgott, was denn noch? Hektisches Kramen in allen Tasche. Dann endlich! Der Ersatzknopf der Jacke mit einem Metallrand kommt zum Vorschein und klimpert in die Schublade. Nichts Verbotenes mehr an meinem Körper. Noch ein kleine Verzögerung beim Wiedereinlagern von Handy, Schlüsseln und Geldtascherl, dann ist der Weg frei.

Alt ist das Gebäude. Die Türen sehen arg mitgenommen aus und die Wandfarbe schreit sicherlich schon seit Jahren nach einer Auffrischung. Endlos die vielen Dienstzimmer, an denen ich vorbei komme, vorbei auch an wartenden Mitbürgern, die sichtlich genervt auf Einlass warten. Noch eine Türe und dann stehe ich vor dem schmucklosen Schreibtisch einer ebenfalls schmucklosen Amtsperson. Geduldig warte ich, bis sie den Telefonhörer weglegt und sich mir zuwendet. Eine Lebensbescheinigung bitte! Und schon fährt ihre Hand aus, um das entsprechende Formular entgegen zu nehmen. Welches Formular? Das, was mir sicherlich auch zugeschickt worden ist! Habe ich nicht mit! Aber dafür kann ich meinen Personalausweis vorlegen und auch meinen Meldeschein. Reicht nicht, nichts zu machen! Donnerstag sei sie wieder im Amt ...

Ich unterdrücke meinen aufkeimenden Unmut. "Bis Donnerstag dann!", sind die letzten Worte der schmucklosen Amtsperson. Meine Antwort ist etwas undeutlich. Sagen Sie mal mit verkniffenem Mund "Auf Wiedersehen"!

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17 Kommentare zum Beitrag
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Wolfgang Jenke aus Seelze am 22.02.2010 um 11:27 Uhr  
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Helge Buchfelner aus Dillingen am 22.02.2010 um 11:31 Uhr  
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