Wenn der Amtsschimmel wiehert ...
Wenn man Pensionist ist, muss man jedes Jahr eine Bescheinigung vorlegen, dass man noch am Leben ist und zu Recht Ruhegehalt kassiert. Dann muss ich als Deutscher mit ständigem Wohnsitz in Salzburg zum hiesigen Justizgebäude und das zuständige Dienstzimmer aufsuchen.
Der Weg dorthin, wo Lebensbescheinigungen ausgestellt werden, ist so leicht nicht, denn immerhin muss man durch eine Sperre im Eingangsbereich, die mit einer "Justizwache" besetzt ist. Zunächst muss man sich vor dem mittleren Schalter anstellen und auf seine Abfertigung warten. Die Warterei ist immer besonders nervenaufreibend, wenn es sich um einen Dienstag handelt. Dann ist nämlich Gerichtstag und viel Volk will in die Verhandlungssäle. Zunächst wird einem von einer Beamtin hinter Glas eine offene Lade zugeschoben, wo man alle Metallgegenstände gefälligst ablegen soll, bevor man die Schleuse betritt. Sie glauben ja gar nicht, von was man sich da alles kurzfristig trennen muss!
Am problematischsten ist die Abgabe des Gürtels, denn der verhindert ja nun mal das Abrutschen der Hose unter die Schamgrenze. So muss man denn etwas verkrampft durch die Drehtüre in die Schleuse, wo man ungeduldig auf das grüne Lämpchen wartet. Doch in meinem Fall ertönt eine Stimme, die mich auffordert, alle metallischen Gegenstände abzugeben. Herrgott, was denn noch? Hektisches Kramen in allen Tasche. Dann endlich! Der Ersatzknopf der Jacke mit einem Metallrand kommt zum Vorschein und klimpert in die Schublade. Nichts Verbotenes mehr an meinem Körper. Noch ein kleine Verzögerung beim Wiedereinlagern von Handy, Schlüsseln und Geldtascherl, dann ist der Weg frei.
Alt ist das Gebäude. Die Türen sehen arg mitgenommen aus und die Wandfarbe schreit sicherlich schon seit Jahren nach einer Auffrischung. Endlos die vielen Dienstzimmer, an denen ich vorbei komme, vorbei auch an wartenden Mitbürgern, die sichtlich genervt auf Einlass warten. Noch eine Türe und dann stehe ich vor dem schmucklosen Schreibtisch einer ebenfalls schmucklosen Amtsperson. Geduldig warte ich, bis sie den Telefonhörer weglegt und sich mir zuwendet. Eine Lebensbescheinigung bitte! Und schon fährt ihre Hand aus, um das entsprechende Formular entgegen zu nehmen. Welches Formular? Das, was mir sicherlich auch zugeschickt worden ist! Habe ich nicht mit! Aber dafür kann ich meinen Personalausweis vorlegen und auch meinen Meldeschein. Reicht nicht, nichts zu machen! Donnerstag sei sie wieder im Amt ...
Ich unterdrücke meinen aufkeimenden Unmut. "Bis Donnerstag dann!", sind die letzten Worte der schmucklosen Amtsperson. Meine Antwort ist etwas undeutlich. Sagen Sie mal mit verkniffenem Mund "Auf Wiedersehen"!
In Freilassing wiehert der Amtsschimmel wohl besonders kräftig.
Meine Lebensbescheinigung konnte eine Sparkassenangestellte mit Stempel und Unterschrift bestätigen. Ab mit dem Formular per Post und damit war der Fall für mich erledigt.
Ich muß heute zum Amtsgericht Hannover, um einen Beschluß anzufechten.
Mal sehen, wie da der Amtsschimmel wiehert.
Habe bei der Bildbeschriftung erst doch glatt "Holsteiner Amtsschimmel" gelesen - für einen Amtsschimmel ist der aber viel zu schön. Wenn das Lied "Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars" nicht so abgedroschen wäre, würde ich es gern in mein Repertoire aufnehmen. Mache ich vielleicht trotzdem mal, zu deiner Geschichte würde es passen.
Axel, sag doch gleich dass du ins Gefängnis musstest;))
Also ich brauche für meine Lebensbescheinigung (Certification of Life) nur mit einem gütigen Personalausweis zum Bürgerbüro unserer Kleinstadt zu gehen und bekomme kostenlos einen perfekten Ausdruck in Deutsch. Die Übersetzung für meinen Arbeitgeber als Certification of Life muss auch dann allerdings selber machen. Es reicht aber auch aus, wenn man jemand besucht der berechtigt ist ein deutsches Amtssiegel zu führen, und dieser mit Stempel bestätigt, dass die Namentlich aufgeführte Person vor ihm steht. Das kann also auch ein Pfarrer oder Schulrektor sein.
Ob man dann auch weiterhin zu recht sein Ruhegehalt bekommt, das steht auf einem anderen Blatt.
Mit solchen Aktionen wollen die Ämter doch nicht vielleicht die Lebenszeit der Besucher verkürzen? ;-)
Es kann sein, dass es für jemanden, der nicht (mehr) in Deutschland lebt, etwas anders läuft mit dieser Bescheinigung. Im übrigen kostet diese "Dienstleistung" hier noch zusätzlich 26,- Euronen ...
Axel und das jedes Jahr, versuche doch mal ´ne Pauschale rauszuhandeln.
Ich habe den Kassenbeleg schon mal bei der Besoldungsstelle Wiesbaden eingereicht. Doch die haben meine Bitte um Rückerstattung abgelehnt ...
Also da muss ich sagen, dass dank der immer häufiger anzutreffenden Bürgerbüros die deutschen Amtschimmel doch etwas sportlicher geworden sind. Vielleicht solltest Du eine Flucht aus der Alpenrepublik in Erwägung ziehen. Berchtesgaden ist auch sehr schön:-)
Axel? Hast Du Deinen Prinz-Heinrich-Ring auch dort abgelegt? Bitte erklär den vielen Österreichern und uns Piefkes, was das ist! Und was man Mann vor allem damit machen kann. austrianer
@KHT: Nochmals umziehen? Wegen des Amtsschimmels schon gar nicht ...
@Wolfgang: Ich kenne nur eine "Prinz-Heinrich-Kappe" ...
Musst Du aufs Amt - da kannst Du was erleben !
Eine kleine Anekdote: Nach dem Ende meiner Bundeswehrzeit, war ich vom 01.07. bis 31.07.1977 Arbeitslos, bevor ich bei meinem neuen Arbeitgeber beginnen konnte. Da das Arbeitsamt nur von Montag bis Samstag Arbeitslosengeld bezahlte, stand in meinem Rentenversicherungsverlauf: "01.07. bis 31.07.77 - keine Zeitanrechnung". Auf meine Nachfrage bei der Deutschen Rentenversicherung erhielt ich die Auskunft: "Besorgen Sie eine Bescheinigung, das der 31.07.1977 ein Sonntag war." Diese Bescheinigung hat mir das Arbeitsamt ausgestellt und nachdem ich dieselbe an die Deutsche Rentenversicherung gesandt habe, wurde der Versicherungsverlauf berichtigt und ich hatte keine Fehlzeit mehr.
@Axel, wünsche Dir am Donnerstag viel Erfolg bei Deinem gang zum Amt.
Hallo Axel, wie mir scheint, gibt es in Salzburg auch ein MA-2412... :-)))
VielAufwand um zu beweisen dass man noch lebt ;-))
Formulare, Formulare, von der Geburt bis hin zur Bahre
@Christl
Von der Wiege bis zur Bahre - nichts als Formulare, Formulare. ;)
Allerdings bin ich mir nicht sicher, wer für diesen Ausspruch das Urheberrecht besitzt.
Da könnte doch jeder einfach kommen und behaupten, dass er lebt;-)...so geht das nicht!


Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Facebook. Mehr dazu rechts unter .