Mit 63 hat man noch Träume ...
SALZBURG. Gestern habe ich mich mal wieder neben Mister Wolfgang, jenen Straßenkünstler am Fuße der Staatsbrücke, gesetzt und mit ihm eine Weile geplaudert.
Unverändert sein wettergegerbtes Gesicht und sein Mitleid erregendes Äußere. Aber das stört mich nicht, das ist sein Markenzeichen. Interessant ist mehr das, was er Neues zu erzählen hat. Dass die Sommerfestspiele Mitte dieser Woche zu Ende gingen, freue ihn. Die vielen Festspielgäste würden nur am Salzachufer an ihm vorbei flanieren, ohne ein Auge auf ihn zu werfen, geschweige denn ihm ein paar Cents zu spendieren. Bald kämen wieder die normalen Touris. Da würde sich seine Lage wieder verbessern.
Und dann sprechen wir über das, was man mit 50.000 Euro in der Tasche alles machen könnte in der heutigen Zeit. Ich wiegle ab, weil ich solch ein Batzen Geld nicht auf der hohen Kante habe. Er sicherlich auch nicht. Nun, es würde ja auch gar nicht reichen, um es im teuren Salzburg anzulegen, in Immobilien oder so. Wie teuer wäre denn eine Eigentumswohnung in der Altstadt oder ein Grundstück am Stadtrand? Nicht bezahlbar, erst recht nicht mit einem 50.000 Euro Guthaben ...
Seine Träume gehen da schon in weitere Ferne. Nach Ibiza wolle er, wo viele Reiche wohnen des Klimas wegen und des sorgenfreien Lebens. Da könne man ja anheuern und sich als Gärtner nützlich machen. Und als Aufpasser, ergänze ich schmunzelnd. Am 9. Januar wäre er weg, das stehe heute schon fest. Ob auf dem Weg nach Ibiza, lässt er offen.
Übers Alter haben wir auch geplaudert, nachdenklich natürlich. Ich wäre 6 Jahre älter als er und befände mich schon auf der Zielgeraden meines Lebens. Er wäre mit seinen 63 Lenzen ja noch auf der Zielkurve. Ob ich denn zufrieden gewesen wäre mit meinem Leben, will er noch wissen. Darüber habe ich zwar schon nachgedacht, gebe ich zur Antwort. Mein Fazit stehe aber noch aus. Seins sicherlich auch ...


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