Lieber ein Notebook als einen Klapprechner!
Ich gehöre zu den Leuten, die sich immer wieder darüber aufregen können, wenn englische Wörter ins Deutsche ohne Not Eingang finden. Nehmen wir das Modewort SALE. Das wird keine Oma kennen, wenn sie im laufenden Ausverkauf auf Schnäppchenjagd ist. Wohl aber die junge Generation, denn die ist mit solchem Trend groß geworden.
Wer seine eigene Sprache gerne mit Fremdwörter spickt, setzt sich dem Verdacht aus, ein Sprachpanscher zu sein und sich nur aufplustern zu wollen. Das ist nichts Anderes als Imponiergehabe. Anders sieht es aus, wenn sich die Muttersprache mit eigenen Wörtern schwer tut. Nehmen wir den Sportbereich. Dort füllen Wörter wie foul, fair oder Sprint eine Lücke. Problematisch wird es allerdings beim Fußball. Sicherlich eine englische Erfindung, aber muss man dann auch gleich Wörter wie corner, goalie oder das gepanschte Dressen übernehmen? Dann schon lieber Ecke, Tormann oder Leiberl!
Eine politische Komponente hat dieser Trend auch. Wir fordern nämlich vehement deutsche Sprachkenntnisse von Immigranten. „Wenn wir unseren zugewanderten Mitbürgern sagen, sie könnten nur was werden, wenn sie Deutsch lernen, sie dann aber mit Englisch zugeschüttet werden, ist das pädagogisch gesehen eine Todsünde." (Prof. Walter Krämer, Vorsitzender des Vereins "Deutsche Sprache") Dann wäre es besser, so meine Folgerung, sie in Englisch (weiter) zu schulen! Denn Englisch spricht heutzutage jeder – mehr oder weniger gut.
Es gibt aber auch Fälle, wo deutsche Wörter komisch wirken. So zum Beispiel beim "Nachsteller" für Stalker oder "Rudelgucken" für Public Viewing. Herr Krämer sieht Chancen, dass sich solche eigensprachlichen Wörter durchsetzen, weil es sich um kreative Leistungen handelt, wo "Gehirnschmalz" gefragt ist. Ich möchte in diesem Punkt allerdings leichte Zweifel anmelden. Wenn ich auf mein geliebtes Notebook schaue, dann bin ich froh, dass ich ein Laptop vor mir habe und keinen "Klapprechner" ...
Da geb' ich Mal zu bedenken:
"Landessprachen" sind vielleicht DAS Element der Abgrenzung gegenüber "den Anderen" überhaupt.
Darum, aus meiner Sicht eher negativ besetzt.
Eine Weltsprache, die sich aus dem Gemisch aller derzeitigen Ländereigenheiten entwickelt (entwickeln wird!), wäre ein wesentlicher Fortschritt in Richtung auf eine Welt mit mehr Frieden als heute.
Drum: Es lebe das RussiFranzChinItalndiChinDenglisch!
Die einzelnen Dialekte sollten deswegen nicht verloren gehen, sondern in Vereinen und sprachoriebtierten Gruppierungen weiter gepflegt werden.
Babylonische Verhältnisse?! Die Folge wäre eine unbrauchbares Kauderwelsch, das Kommunikation unmöglich machen würde! Ob das dem Weltfrieden dienen könnte, lasse ich mal offen ...
Nee, nee. In Babylon passierte die Vielsprachigkeit an einem Tag (??? - ist sowieso 'ne Quatsch-Legende).
Die Sprachen heute sind auch ein wildes Gemisch aus alten Dialekten und heute verstehen wir uns damit perfekt.
Lies doch Mal einen nur 100/200/300 Jahre alten deutschen Text - da versteht der Durchschnittmensch heute kaum noch den Sinn - und das ist ja wohl das ältere, ein reineres, unverfälschteres Deutsch als heute, oder?
Es gibt niemals DIE (deutsche) Sprache.
Das ist und war immer ein kunterbuntes Gemisch.
In unserer Sprache finden wir auch viele Begriffe aus einer Zeit, als es "schick" war sich französisch auszudrücken. Längst haben sie ihren Platz im Duden. Der Begriff Butterbrot ist z.B. im russischen, Kindergarten im englischen Sprachgebrauch enthalten. Ich finde das "OK", wenn es der besseren Verständigung zwischen Menschen und der treffenderen Beschreibung von Sachverhalten dient.
Wer Landesgrenzen abschafft, sollte auch vor den Sprach-"Barrieren" nicht "stoppen".
Ich muss allerdings zugeben, dass vieles auch für mich gewöhnungsbedürftig ist, insbesondere wenn es um "Computer"- und "Handyfeatures" geht.
Es beginnt ja schon im Kindergarten und in der Schule dass man Schriftdeutsch reden muss. Jedes Wort im Dialekt wird bestraft und verlacht. Auch verwundert es nicht, dass beim Fernsehschauen und Radiohören schon kein ordentliches Deutsch mehr gehört wird.
@ Wilhelm: Wenn wir uns heute perfekt verstehen würden, wie du sagst, dann gäbe es ja auch keine Missverständnisse mehr ;))
@ Karl-Heinz: Früher sprach man in adligem Haus nur Französisch. Die Landessprache war verpönt und galt als vulgär ...
Das andere Extrem halt. Wie beim Kaffee, die Mischung macht's.
Ein schöner Bericht zum Nachdenken. Ja, ja wie sich die Sprache ändert. Da sollen die alten Generationen noch mithalten. Sie stehen oft vor Dingen wie der Ochs vorm Scheunentor.
Wann hast du denn den letzten 100/200/300 Jahre alten Text zusammen mit jemand anderem gelesen?
Ich finde es nicht ideal, auf ein möglichst großes Gewurstel hinzuarbeiten und das dann als Lösung zu verkaufen.
Bei genauerer Betrachtung erscheint Sprache nur als Gemisch, wenn man sie nur oberflächlich betrachtet. Ganz offensichtlich haben wir aber mit Sprache keinen besonders intelligenten Umgang. Das lassen wir immer die Obrigkeit für uns entscheiden: die politische oder die wirtschaftliche. In der Werbung ist jeder Unfug erlaubt, incl. albernster Rechtschreibfehler. Und seit dem KMK-Beschluss vom April 1978 ist es uns - mit geradezu gigantischem Föderaufwand - gelungen, das Problem mehr als zu verdoppeln. Wir schreiben längst doppelt soviele Fehler wie damals.
Warum interessiert sich eigentlich bei uns niemand für die MACHT DES WORTES? Worte haben ja ganz konkrete Wirkung. Warum sind wir nur darauf geeicht, uns immer der neuesten vorgegebenen Schablone anzupassen? Man könnte doch auch selber denken. Und selbst bewusst die Worte auswählen, mit denen man dann auch tatsächlich das sagen kann, was man zu sagen hat.
Das Herkunftswörterbuch ist eines der aufschlussreichsten Bücher, aber will jemand für sein Leben bewusst was aufgeschlossen haben?
Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe
Was mir im Grunde gegen den Strich geht, ist die Verwendung englischer Ausdrücke, auf die das Deutsche nicht angewiesen ist. Letztes Beispiel: Das Nachtrennen in Schladming. Das wurde auch nur als "Night Race" verkauft. Oder ein "Slow down!" auf einem Verkehrsschild vor einer Grundschule. Manchmal habe ich den Eindruck, man misst der eigenen Sprache keinen Wert mehr bei!
Das beste Beispiel von Kauderwelsch ist in einem meiner älteren Beiträge nachzulesen:
http://www.myheimat.de/freilassing/totale-sprachpa...
Wünsche gute Unterhaltung!
Axel:
"Wenn wir uns heute perfekt verstehen würden, wie du sagst, dann gäbe es ja auch keine Missverständnisse mehr ;)) "
Das liegt m. E. nicht so sehr an den Worten der Sprache, als vielmehr an der Kompetenz des Zuhörers.
Kommunikation ist dann nicht gestört, wenn Sprecher und Zuhörer sich sprachlich auf einem Level befinden
In der Welt der Computer, iPhones, Handys, Bank-Terminals, Airports etc. ist Englisch als Weltsprache absolut sinnvoll und auch gar nicht mehr wegzudenken...
(Ich bin jedesmal froh im Ausland, wo fremde Schriftzeichen wie Kyrillisch, Chinesisch, Arabisch, Hebräisch etc. durch Englisch ergänzt werden)
Ansonsten lässt sich durch die Globalisierung eine Vermischung und/oder Übernahme von neuen Wortschöpfungen für alles Neue nicht vermeiden, weil sie der internationalen Verständigung dienen.
Und ebenfalls nicht zu vergessen...unsere sog. Deutsche Sprache ist bereits randvoll gespickt mit Lehnwörtern aus anderen Kulturen vergangener Jahrhunderte....z.B.: Keller oder Fenster sind wie hunderte andere keine dt. Wörter. Die Römer haben uns da ein riesiges Vokabular hinterlassen....;))
Das wird auch in Zukunft so ablaufen...es wird zwar nicht jedem gefallen, aber aufzuhalten ist es nicht.
Wenn sich Sprache langsam weiterentwickelt, ist das was anderes, als wenn einem Neu- und Doofsprech brutal aufs Auge gedrückt wird...
Und was die Weltsprache betrifft... die wird es nie geben - allenfalls, wenn sie als Zweit-/Fremdsprache kultiviert wird, denn würde man eine einführen, würde sie sich lokal an tausend Orten wieder unterschiedlich verändern...
Der Mensch ist ein Gruppen- und Reviertier - das gilt auch für seine Sprache, mit der er auch zeigt, wozu er gehört...
Gabriele:
"Die Römer haben uns da ein riesiges Vokabular hinterlassen....;))"
Im Grunde genommen ist der Papst ein beneidenswerter Mensch, weil er u. a. Latein spricht, die "Muttersprache Europas" ...
Axel.....und mit ihm der gesamte Klerus.
Mit Latein im Hinterstübchen sind auch alle anderen Romanischen Sprachen leichter zu verstehen bzw. zu erlernen...
Goethe sah es etwas anders: "Die Muttersprache Europas ist das Christentum" (Zitat)
Das Christentum eine Sprache?! Ich muss umdenken, wenn das ein Dichterfürst sagt ...
> "Die Muttersprache Europas ist das Christentum"
Dann ist das Vaterland Europas der Vati-Kan?!? ;)
Axel....auch Dichterfürsten können irren...;))
Wahrscheinlich war es von ihm als mahnender Aufruf gedacht gegen den (in seinen Augen) schleichenden Sittenverfall...?
Andreas......kann gut sein, dass der DAS sehr gerne so hätte...;))
Ehe hier im Kommentarbereich die Lichter ausgehen, möcht ich noch kurz auf die Überschrift dieses Beitrags hinweisen. Im Grunde genommen gebe ich dem englischen Wort den Vorzug dem deutschen. Hier war für mich entscheidend, dass Notebook bzw. Laptop besser klingt als "Klapprechner". Da schwingt nämlich "klappern" mit. Wer will schon eine "Klapperkiste" haben?!
Interessant.
Es stimmt genau.
Die Sprachen werden immer mehr entfremdet.
In Italien haben die älteren Leute bei der Medien protestiert und teilweis Erfolgt
erzielt.
Deiner Meinung kann ich nur beipflichten!
Wenn es "Grünhunzer" gibt, also Leute, die die Umwelt verschandeln, dann muss es auch "Sprachhunzer" geben ...
> "Hier war für mich entscheidend, dass Notebook bzw. Laptop besser klingt als "Klapprechner". Da schwingt nämlich "klappern" mit. Wer will schon eine "Klapperkiste" haben?!"
Notizbuch klingt doch normal... und Laptop klingt doch irgendwie nach lappigem Top... ich trag aber keine Tops... ;)
Elektropost = E-Mail. Definition zitiert nach: Reinhard Pirnbacher (Radiomoderator bei ORF Salzburg).
VhG
Andrea


Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Facebook. Mehr dazu rechts unter .