Ein obdachloser Hobbygärtner
Wolfgang Hinterholzer aus Tirol ist ein interessanter Mann. Fast die ganze Tageszeit verbringt er auf einer Bank am Salzachufer und geht seinem Hobby nach: der Dekoration eines Grünstreifens zwischen Fußweg und Radlweg.
Der Obdachlose stammt aus Tirol und hat früher einmal in Hotels gearbeitet, meistens in der Küche. Mit seinen 61 Jahren hat er die Hoffnung aufgegeben, je wieder Arbeit zu finden und eine geordnetes Leben zu führen. Nachts schläft er auf der anderen Salzachseite bei den Barmherzigen Schwestern im Salzachgässchen. Sein ganzes Hab und Gut transportiert er stets auf einem voll gepackten Einkaufswagen, den er tagsüber im Schatten der nahen Staatsbrücke parkt.
"Hier auf diesem Bankerl an der Salzach mit Blick auf die Festung ist für mich der schönste Platz in dieser weltbekannten Stadt", sagt er selbstzufrieden. "Hier kann man sich zerstreuen, sich sonnen, sich mit Kumpels unterhalten oder Möwen zählen." Geld, das er von Passanten zugesteckt bekommt, nimmt er dankend an und verspricht, es weiterhin für sein Hobby zu verwenden. Es sind ja auch noch einige Meter zu gestalten. Das Gartenbauamt der Stadt lässt ihn auch gewähren und macht mit ihren Rasenmähern einen großen Bogen um ihn.
Herr Hinterholzer unterscheidet sich wohltuend von den vielen Obdachlosen, die auf anderen Parkbänken herum lungern und sich mit Rotwein voll pumpen und von "Lungenbrötchen" ernähren. Der Platz um ihn herum ist sauber, so sauber wie er. Ein Kumpel, der ihn um eine Zigarette anbettelt, lässt er weiter ziehen - ohne einen "Tschik". Er hat gar keinen. Dass er hofft, eines Tages wieder in seiner Heimatstadt Kitzbühel Fuß zu fassen, will ich ihm gerne glauben. Ich wünsche es ihm sogar ...
(Nach einer Idee aus der Tageszeitung)



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