Das drohende Aus für das Klassenbuch
Als Schüler haben wir es gefürchtet, wenn wir mal wieder aus der Rolle gefallen waren: das Klassenbuch. Da stand dann der Name, für alle lesbar, zwar nicht unauslöschbar, aber unantastbar. Wie am Pranger früherer Jahre. Beschämend und sicherlich auch von erheblicher Bedeutung für die "Kopfnoten" am Ende eines Halbjahres.
Wer das Klassenbuch führen sollte, wurde am Beginn eines Schuljahres bestimmt. Begehrt war dieses Amt nicht sonderlich, weil man es als Klassenbuchführer nicht nur holen und mitschleppen musste, sondern auch am Unterrichtsende an altem Ort wieder abzugeben hatte. Wehe, wenn es mal vergessen wurde oder aber verschwunden war! Gelegentlich blieb es auch schon mal versehentlich im Ranzen und tauchte erst am nächsten Morgen wieder auf.
Als Unterrichtsnachweis hatte das Klassenbuch eine eminent wichtige Funktion. Hier mussten alle Lehrer ihre Leistung nachweisen und dokumentieren, dass ihr Unterricht dem festgelegten Stoffplan entsprach und Konferenzabsprachen eingehalten wurden. Besonderes Gewicht hatten auch die Eintragungen der Ergebnisse von Klassenarbeiten in den Hauptfächern. Eine Prozedur, die oft für Schüler peinlich war, wenn ihre Arbeit "unterm Strich" lag und bei der Bekanntgabe öffentlich wurde.
Mit dem Einzug des Computers in der Schule und der fortschreitenden Vernetzung aller Kassenzimmer wird es das Klassenbuch alter Prägung bald nicht mehr geben. Dann wird der Lehrer seine Eintragungen nur noch am PC erledigen, passwortgeschützt natürlich. Zugänglich wahrscheinlich auch nur einem genau definierten Personenkreis. Schülerinnen und Schüler dürften sicherlich vom Zugang ausgeschlossen sein. Doch, wie ich die heutige Schülergeneration kenne und ihre Computerbesessenheit, wird es nicht mehr lange dauern, bis sie die Codes geknackt haben, um an die sensiblen Daten zu kommen. Nicht auszuschließen, dass da und dort dann auch dem Glück etwas nachgeholfen wird. Allerdings wird jeder Lehrer nach wie vor sein Notenbuch als Korrektiv in der Aktentasche haben. Blöd nur, wenn er die einmal stehen lassen sollte ...


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