Auf Klassenfahrt

Mit der 10Ra 1976 in Zandvoort (Holland)
 
Die JH in Zandvoort (Holland)
Mir sind mal wieder alte Fotos in die Hände gefallen. Darunter Bilder aus meiner Schulzeit, auch Bilder von Klassenfahrten. Leider gab es nicht so viele davon, weil Fotografieren zur damaligen Zeit (noch) nicht zu meinen Hobbys gezählt hat.

Zusammengezählt komme ich auf 10 Klassenfahrten in fast 30 Schuljahren. Es müssen aber mehr gewesen sein, denn meine Lehrerkalender waren leider nicht mehr vollständig. Die meisten hatten Gersfeld in der Rhön zum Ziel. Die weiteste führte mich mit einer Abschlussklasse nach Holland. Sie ist mir noch besonders gut in Erinnerung geblieben.

Warum gerade Gersfeld? Zum einen war die JH dort von Homberg/Ohm aus leicht mit dem Bus zu erreichen. Auch für besorgte Mütter schnell erreichbar, um ihre heimwehkranken Kinder zu trösten oder sogar wieder mit heimzunehmen. Manchmal musste auch noch das Taschengeld wieder aufgebessert werden, weil das schon am 1. Tag fast aufgebraucht war. Zum anderen war die JH für Förderstufenschüler einfach urig, weil sie schon etwas älter war und so schön verwinkelt. Und um die Herberge herum gab es zudem noch einen Sportplatz und einen Grillplatz.

Gersfeld war auch als Standort deswegen so attraktiv, weil man von dort aus schöne Tagesausflüge zur Wasserkuppe oder zum Roten Moor machen konnte, auch wenn sie für einige Kinder strapaziös waren, weil sie längere Wegstrecken nicht gewohnt waren. Dafür lag der große Tierpark als Wanderziel gleich in der Nähe der JH!

Gersfeld war auch als Stadt interessant, bestens geeignet für ein Stadterkundungsspiel. Ein solches Spiel zieht nämlich die Kinder ein bisschen von der Attraktivität einer JH ab und beschäftigt sie sinnvoll für ein paar Stunden außerhalb. Währenddessen können Lehrerinnen und Lehrer eine kleine Auszeit nehmen und sich von meist kurzen JH-Nächten etwas erholen. So war es in jedem Jahr.

Der Komfort in der JH Gersfeld war zu jener Zeit auch nicht von besonderer Güte, auch für Lehrkräfte nicht. Ich nächtigte immer in einem Zweierzimmer mit einem Doppelstockbett. Das untere Bett war für mich reserviert. Ich wollte ja schnell auf den Beinen sein, falls ich mal eingreifen musste. Das obere Bett war immer eine Ausweichschlafstelle für Schüler, die während der Nacht einfach keine Ruhe geben wollten.

Ach ja, die Tischsitten! Damit beim Essen nicht alles drunter und drüber geht, pflegte ich vor Fahrtbeginn eine Schulstunde dafür zu verwenden, das Verhalten am Tisch einzuüben: Wie man sich bedient, wie man um etwas bittet, wie viel man sich auf den Teller häuft und dass man mit dem Essen wartet, bis jeder etwas auf dem Teller hat. Und dass man am Tisch nicht brüllt und mit dem Aufstehen wartet. Es gab ja vom Lehrer aus immer noch etwas zu sagen!

Ich könnte ja jetzt noch ausschweifen und etwas zur Ordnung in der JH sagen, also zum Stuben- und Tischdienst. Doch das verkneife ich mir mal, denn jeder, der mal selbst auf Klassenfahrt war, wird wissen, wie es dabei zugehen kann. Auch das Thema "Bettenmachen" will ich ausklammern und das Thema "Körperhygiene" ...

Weitaus schwieriger waren da mehrtägige Klassenfahrten mit Schülerinnen und Schülern der höheren Klassen. Die waren weniger für Fußwanderungen und Sehenswürdigkeiten zu begeistern, sondern mehr auf Sozialkontakte aus, speziell auf neue. Nur ungern erinnere ich mich noch an die Klassenfahrt 1986 mit der 8G nach Oberreifenberg (Taunus). Die Klasse bestand nämlich aus 3 Jungen und 15(!) Mädchen. Dass ich damals auf eine weibliche Begleitperson verzichtet habe, verstehe ich bis heute nicht! Vielleicht habe ich zu sehr auf meine pädogogischen Fähigkeiten gebaut oder darauf, dass mir in einer JH immer schnell mal eine weibliche Lehrkraft zur Seite springen könnte, wenn "Not an der Frau" sein sollte. Weit gefehlt!

Meine schönsten Klassenfahrt-Erinnerungen stammen aus dem Jahr 1976. Da war ich als Junglehrer mit meiner 10Ra auf einer Abschlussfahrt im holländischen Haarlem. Schön deswegen, weil abends niemand die JH verlassen wollte. Es gab nämlich im Haus eine Bar, die bis Mitternacht geöffnet hatte und wo auch geraucht werden durfte. Leider war bei manchem deswegen schon am 2. Tag Ebbe im Portemonnaie! Geschlafen wurde in großen Sälen, auch Lehrer machten da keine Ausnahme. Besonders nachteilig empfand ich das allerdings nicht. Ich war ja auch noch jung an Jahren und konnte als alter Wandervogel auch gut damit leben!

In den letzten Jahren meiner Schulzeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass immer weniger Kolleginnen und Kollegen bereit waren, auf Klassenfahrt zu gehen, weil sie solche Schulveranstaltungen kaum noch für durchführbar hielten. Die Schülerinnen und Schüler forderten wohl immer mehr Freiheiten für sich und hatten wohl auch andere Interessen als ihre Lehrerinnen und Lehrer. Das galt insbesonder für Abschlussfahrten ins Ausland, die als "Studienfahrten" deklariert worden waren - wegen der Zuschüsse und auch noch per Flugzeug vonstatten gehen sollten.

Ich muss sagen, dass auch ich gegen Ende meiner Dienstzeit immer weniger Lust verspürte, auf Klassenfahrt zu gehen. Denn Klassenfahrten bedeuteten Dienst rund um die Uhr und den kann man nur leisten, wenn man noch gesund ist und mit den Gewohnheiten von Kindern und Jugendlichen angemessen umgehen kann ...
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10 Kommentare
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Wilhelm Kohlmeyer aus Hannover-Groß-Buchholz | 25.07.2014 | 13:51  
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Gabriele F.-Senger aus Langenhagen | 25.07.2014 | 16:01  
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Stefan Kaiser aus Lehrte | 25.07.2014 | 18:26  
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Axel Haack aus Freilassing | 25.07.2014 | 18:56  
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Karl-Heinz Töpfer aus Marburg | 25.07.2014 | 19:04  
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Axel Haack aus Freilassing | 25.07.2014 | 19:21  
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Axel Haack aus Freilassing | 25.07.2014 | 19:51  
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