Die paradoxe Geschichte der Zuckerwattemaschine

  Es gibt so einige Dinge, die einem spontan vor dem inneren Auge erscheinen, wenn man den Begriff Volksfest hört. Bier, Weißwurst und Brezel mögen dem Liebhaber bayrischer Volksfeste in den Sinn kommen, Kieler Sprotten und Förtchen begegnen dem Volksfestbesucher zumeist im Norden. Alle Volksfeste haben jedoch eines gemein. Sie sind ein Paradies für Naschkatzen. Neben Schokolade und Bonbons ist vor allem eine Leckerei auf allen Volksfesten verbreitet: Weiße oder bunte leichte Wölkchen, die an der Hand kleiner Kinder oder großer Leckermäuler zwischen den Besuchern von Stand zu Stand schweben – die Zuckerwatte.

Die Erfindung der Zuckerwatte


An der Zuckerwatte mögen sich die Geschmäcker scheiden – entweder man mag sie oder eben nicht. Doch sie hat auf allen Volksfesten ihren festen Platz und ist nicht mehr wegzudenken. Warum dies so ist, kann leicht erklärt werden. Die Erfindung dieser Leckerei geht bereits ins 16. oder 17. Jahrhundert zurück, wobei der genaue Zeitpunkt der Entwicklung und die ersten Schritte bei der Herstellung der Zuckerwatte leider im Dunkel der Geschichte bleiben. Bereits damals trat sie ihren Siegeszug auf den Volksfesten Europas an. Bis Ende des 19. Jahrhunderts musste die Zuckerwatte noch mühsam mit der Hand angerührt werden, denn erst im Jahr 1897 wurde die Zuckerwattemaschine in den USA erfunden, welche die Herstellung der Leckerei ungemein erleichterte.

Die paradoxe Geschichte hinter der Zuckerwattemaschine


Hinter der Entwicklung der Zuckerwattemaschine verbirgt sich eine paradox anmutende Geschichte. Würde in einem Quiz die Frage gestellt werden, welchem Beruf einer der Erfinder der Zuckerwattemaschine nachging, würde wohl niemand spontan auf die richtige Antwort kommen. Im Gegenteil, der Beruf von William J. Morrison würde wohl am unteren Ende der Liste möglicher Berufe rangieren. Er war nämlich ausgerechnet Zahnarzt. Der Beruf seines Partners John C. Warten ist da schon naheliegender, denn dieser war Konditor. Doch die Frage bleibt – warum erfindet ausgerechnet ein Zahnarzt eine Süßspeise, deren einziger Bestandteil Zucker ist? Böse Zungen mögen dahinter vielleicht die Hoffnung auf möglichst viele Kunden und eine effektive Kundenbindung vermuten. Doch dies ist ein Irrtum. Die Reputation des guten Mannes wird wieder hergestellt, wenn man sich das Rezept für Zuckerwatte einmal genau ansieht. Dieses mag zwar nur einen Bestandteil haben – eben Zucker – doch für die Herstellung von Zuckerwatte wird nur eine geringe Menge der Zutat verwendet, rund fünf Gramm, also ein knapper Teelöffel. Damit verfügt eine Zuckerwattewolke über weniger Zucker als ein herkömmlicher Schokoriegel und ist damit wesentlich ungefährlicher für die Zähne.

Die Funktion der Zuckerwattemaschine und die Herstellung der Leckerei


Die Herstellung der Zuckerwatte ist mit einer Zuckerwattemaschine recht einfach. Der Haushaltszucker oder wahlweise das Isomalt oder der in Nordamerika ebenfalls zur Herstellung von Zuckerwatte gern verwendete Ahornsirup wird in den Spinnkopf der Zuckerwattemaschine gegeben, wo die Zutaten bei 150 °C, dem Schmelzpunkt von Zucker, karamellisiert werden. Bei diesem Vorgang entsteht eine sehr dicke Flüssigkeit mit einer hohen Kohäsion. Zusätzlich wird die gesamte Zuckerwattemaschine inklusive Spinnkopf in eine Drehbewegung mit hoher Drehzahl versetzt. Die Zentrifugalkräfte schleudern nun den flüssigen Zucker nach außen in den runden Behälter der Zuckerwattemaschine. Aufgrund der hohen Kohäsionskräfte des karamellisierten Zuckers werden jedoch keine einzelnen Tropfen der Flüssigkeit nach außen geschleudert, wie es bei Wasser der Fall wäre. Der Zucker zieht vielmehr lange Fäden, die nicht abreißen. Auf dem Weg in den Behälter erstarrt der Zucker durch die Abkühlung wieder, die Form der dünnen Fäden bleibt allerdings erhalten. Diese Fäden können nun auf ein dünnes Essstäbchen aufgewickelt werden und fertig ist die leckere Wolke.

Die Zuckerwattemaschine für daheim


Heute muss niemand mehr auf ein Volksfest warten, wenn er Lust auf Zuckerwatte verspürt. Längst werden günstige Zuckerwattemaschinen für daheim angeboten, etwa solche, wie sie bei Expondo zu finden sind. Die Herstellung des Naschwerks ist wirklich schnell erlernt. Zusätzlich kann die Zuckerwatte mit Aromastoffen eingefärbt werden, so dass sie nicht nur eine andere Farbe erhält, sondern auch weitere Geschmacksrichtungen kreiert werden können. Der nächste Kindergeburtstag wird mit einer Zuckerwattemaschine ganz sicher ein voller Erfolg. Doch Achtung: Bislang blieben die klebrigen Kinderfinger nach dem Genuss der Zuckerwatte auf das Auto beschränkt, wenn die Heimreise vom Volksfest angetreten wurde. Bei einem zuckerwattehaltigen Kindergeburtstag kann es schnell passieren, dass sich das gesamte Wohnzimmer in eine klebrige Angelegenheit verwandelt.
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