Träumerei beim Zahnarzt

Wie einige meiner Gemälde in einer Zahnarztpraxis landeten

Wer geht schon gerne zum Zahnarzt. Ich nicht. Aber neulich standen wieder einmal zwei dieser unangenehmen Termine an, denen ich mit Bangen entgegensah.
Als ich die Zahnarztpraxis betrat, wurde ich – wie immer – sehr herzlich empfangen. Ich bin sozusagen eine "alte" Patientin, die großes Vertrauen in das handwerkliche Können dieser Ärztinnen (Mutter und Tochter) mitbringt.
Aber dann saß ich auf dem Zahnarztstuhl und mein Blick fiel, nachdem mir diverse Betäubungsspritzen (ohne geht bei mir gar nichts) verabreicht waren, auf einen sehr schön gerahmten und ganz sicher teuren Druck: alte Zahnarztinstrumente in edlem Gewand.
War es nur Einbildung, Halluzination, oder lachten mir tatsächlich diese alten Instrumente höhnisch entgegen? Und neben mir in Augenhöhe lagen die modernen, hell und funkelnd blitzenden, die bald in Einsatz kommen würden. Ich schloss die Augen, wollte weder die altertümlichen noch die modernen Kreationen der medizinischen Gerätschaften sehen.
Die Entwicklung medizinischer Instrumente und Techniken ist wohl nicht nur für Ärzte und Medizinstudenten interessant, dachte ich und murmelte mit immer tauber werdenden Lippen: "Aber mich interessieren die Innovationen auf diesem Gebiet jetzt gerade gar nicht."
"Geht es ihnen gut? In zwei Minuten können wir beginnen", vernahm ich die beruhigende Stimme meiner Zahnärztin direkt neben mir.
Wir? Sie traute mir offensichtlich eine Menge an Tatendrang zu. Antworten konnte ich ihr nicht mehr. Mund- und Kiefermuskulatur waren fast lahmgelegt. Ein schiefes Grinsen konnte ich allerdings noch in mein Gesicht befördern.
Sie wird loslegen, ich werde mich wegträumen – so meine Gedanken.
Nach einer halben Stunde war alles überstanden. Ich hatte mich weggeträumt. Hatte bunte Landschaftsbilder aus meinem Gedächtnis hervorgezaubert. In Gedanken hingen sie an den Wänden – gegenüber des Zahnarztstuhles.
Einen Tag später, nach der zweiten "Sitzung", erzählte ich den Ärztinnen und den Zahnarzt-Assistentinnen von meinen Gefühlen und Gedanken.
Und so kam es, dass nach ausgiebiger Besichtigung von 5 Gemälden, die ich zur Auswahl mitgebracht hatte, alle fünf seit gestern in der Zahnarztpraxis auf das Wartezimmer und die Behandlungsräume verteilt sind.
PS: Die Behandlung habe ich übrigens gut überstanden. Mein Zahnfleisch und meine Zähne freuen sich. Und ich würde mich freuen, wenn die Patienten, die mehr oder weniger ängstlich auf dem Zahnarztstuhl sitzen, sich durch meine bunten Bilder etwas Ablenkung verschaffen können.
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