Mein erster Marathon - Zwischen Himmel und Hölle

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Foto Olaf Wickenhöfer: Noch ganz frisch, Mike Schwarz bei Kilometer 41 ... (Foto: Olaf Wickenhöfer)
 
Zieleinlauf in der Festhalle

Mit gemischten Gefühlen reiste ich am Sonntag den 31.10.2010 nach Frankfurt, um dort meinen 1. Marathon zu absolvieren. Nachdem die vergangenen Wochen doch enorm an meinem Glauben und Körper gezehrt haben, bin ich mit dem verhaltenen Ziel von unter 3:15 h an den Start gegangen. Insgeheim erhoffte ich mir mehr, da mein Training trotz wochenlanger Erkältung recht gut war. Doch dazu später mehr...

Begonnen hat das Projekt Marathon im Frühjahr 2010. Meinen ersten Marathon mit unter 30 zu laufen war das Ziel! Folglich meldete ich mich für den Marathon in Frankfurt an, mit der Endzeit vielleicht so um die 3:30 h ins Ziel zu laufen. Im Verlaufe des Jahres merkte ich schnell, dass da doch einiges mehr gehen könnte, blieb aber doch noch verhalten. In Gellershausen wo es so richtig rund lief war mir klar, unter 3:15 h muss es schon sein!

Endlich kamen auch die Unterlagen für Frankfurt. Nach mehrmaligem lesen musste ich feststellen "Der Mike muss aus dem letzten Block starten" obwohl er eine Zielzeit von 3:00 h bis 3:15 h angegeben hatte und für die Hessischen Meisterschaften angemeldet war. Warum nur fragte ich mich zunächst, musste mich schließlich von meinem Trainer und Vereinskameraden belehren lassen, wenn man ein Kreuz bei "Erster Marathon" setzt, ist es egal welche Zeit man angibt, erster Marathon gleich letzter Startblock! Ein wenig gefrustet bauten mich meine Kameraden wieder auf und meinten einfach mal die Orga anzuschreiben und den Sachverhalt aufzuklären. Nach einigen eMails hin und her, rutschte ich dann zumindest in den zweiten Startblock vor. Besser als gar nichts, zumal für die Hessischen Meisterschaften die Bruttozeit zählt.

Los ging es mit der Vorbereitung am 3. August zusammen mit meinen Vereinskameraden Ralf Paulus, Horst Wiegand und Ernst-Ludwig Engelmohr. Klaus Kirschner war bereits in der Vorbereitung für den Jungfrauen Marathon in Interlaken. Zwar liefen die drei bereits einige Wochen früher ihren Marathon in Essen, aber ich dachte mir, dass einige Wochen mehr Training nicht schaden können, um ausreichend für mein Ziel vorbereitet zu sein. Das Training ging gut voran, ich spürte bereits die ersten Leistungssteigerungen bis zum Laufcup Wochenende in Herzhausen, wo ich mich über die 10km Distanz wirklich quälen musste. Ab diesem Zeitpunkt kam ich in ein regelrechtes Tal und zudem plagte mich eine Erkältung bis zum Mittwoch vor dem Marathon. Dennoch legte ich etliche Kilometer bis zum Marathon zurück, insgesamt 1385. Davon 11 Läufe über 30km an den Wochenenden mit meinen Trainingspartnern von SV Dodenhausen und der LG Eder. An dieser Stelle ein Dankeschön - Vielen Dank!!!

Es kam schließlich der 31.10.2010. Morgens um 6:00 Uhr aufgestanden, ein gutes Frühstück bestehend aus vier Toast mit Marmelade zu mir genommen, gegen 7:00 Uhr mit meinem Vereinskameraden Gert Bayer ging es los in Richtung Frankfurt. Dort kamen wir ohne Probleme um ca. 8:15 Uhr am Messegelände an. Mit genügend Zeit im Gepäck konnten wir uns in aller Ruhe auf den Start vorbereiten. Endlich kam der Zeitpunkt des Startes immer näher, gegen 9:30 Uhr reihten wir uns dann im jeweiligen Startblock ein, nachdem noch einige bekannte Gesichter getroffen wurden. Ich ging schließlich in den zweiten Block, es ist 9:55 Uhr, gleich geht es los...

Ziemlich pünktlich um 10:00 Uhr ertönt der Startschuss, das Feld setzt sich langsam in Bewegung, kommt aber immer wieder ins Stocken. Als ich über die erste Schleife lief, war das Tempo noch nicht hoch, es dauerte ziemlich lange bis ich Fahrt aufnehmen konnte. Ich fing an die Ersten zu überholen, lief permanent im Zick-Zack. Nach dem ersten Kilometer die Ernüchterung, 4:35 Minuten - bereits 20 Sekunden verloren! Ich war angefressen und verärgert zugleich, unglaublich wieviele Bremsen sich im ersten Startblock befinden! Nach guten 3 bis 4 Kilometern hatte ich dann auch meine Vereinskameraden Jäger, Bayer und Seiwert eingeholt, langsam lief es besser und auch die Kilometerzeiten stimmten.

Nach und nach holte ich die verlorenen Sekunden auf, konnte nun sogar einen kleinen Vorsprung laut meinem Bändchen für die 2:59 h Marke herauslaufen. Nach 21,1 km zeigte meine Uhr 1:28:43 h an, ich fühlte mich noch gut, aber die ersten Zweifel kamen bereits in mir hoch. "Hoffentlich bist Du nicht zu schnell gelaufen, der Marathon beginnt erst am Kilometer 30!" Die nächsten Kilometer legte ich ganz gut zurück, noch war mein Laufverhalten ziemlich konstant. Bei Kilometer 30 merkte ich die ersten Erscheinungen, die Beine wurden müde, aber die Zeiten blieben gleichmäßig! Ich redete mir immer wieder ein, dass ich genug lange Läufe gemacht habe, das packst Du schon!

Es kam der 34. Kilometer, als sich mein Trainer Klaus Kirschner zu mir gesellte und mit mir gemeinsam die restlichen Kilometer lief. Am Vorabend hatte er dies bereits telefonisch angedeutet, aber noch nicht zu 100 Prozent zugesagt. Umso mehr freute ich mich, diese mentale Stütze dabei zu haben. Von nun an kümmerte sich Klaus an den Getränkestellen um Nachschub, zudem hatte er vorbereitete Flaschen dabei. Ich zählte so langsam die Kilometer herunter, sehnte mich wirklich nach dem Ziel. Die Zeiten blieben sehr konstant, um die 4:15 auf dem Kilometer. Zwischen dem 38. und 39. Kilometer verspürte ich ein Tief, doch dank meines Zugläufers hielt ich das Tempo!

Kilometer 40, meine Uhr zeigte 2:48:24 h, mein Bändchen 2:50:00 h, der Puffer ist da! Wir erhöhten das Tempo ein wenig bis ich nach guten 500 m merkte, wie der Muskel in meinem linken Oberschenkel dicht machen wollte. Sofort reduzierte ich die Geschwindigkeit. "Jetzt bloß nichts riskieren!" Das Tempo war schnell genug. Klaus verließ mich schließlich bei Kilometer 41. Nur noch einmal nach rechts abbiegen, dann in Richtung Festhalle. Immer die Anzeichen des Krampfes im Hinterkopf übertrieb ich es nicht. Die 42 km sind passiert, nun geht es auf die letzten Meter... geschafft, meine Uhr bleibt bei 2:57:47 h stehen, die Bruttozeit beträgt 2:59:34 h.

Der Einlauf war ein Erlebnis, obwohl ich ehrlich sagen muss, dass er mich nicht so wirklich emotional berührt hat, wie bei so manch anderen Läufern, welche die Arme hochrissen und am Jubeln waren. Ich genoss dies eher im Stillen. Die Tränen standen mir da eher einige Minuten später in den Augen, als ich so langsam realisierte, welche Leistung ich vollbracht habe. Die Monate des harten Trainings haben sich wirklich gelohnt. Ich hätte nie damit gerechnet unter die 3:00 h Marke zu gelangen, jedoch damit geliebäugelt. Besonders interessant ist die Tatsache, dass einem, sobald das Ziel passiert ist, schlagartig alle Muskeln schmerzen. Während des Einlaufes in die Festhalle habe ich mich noch sehr gut gefühlt, sicherlich wären noch einige Sekunden drin gewesen...

Mit meiner Leistung bin ich sehr zufrieden, die Platzierungen sind, so denke ich, ganz gut. Von ca. 13000 gemeldeten Läufern kam ich als 482. ins Ziel, 94. in meiner Altersklasse. Bei den Hessischen Meisterschaften wurde ich 59. im Gesamtfeld, 6. in meiner Altersklasse. Nochmals ein Dankeschön an alle meine Supporters.

Weiterveröffentlichungen:

Waldeckische Landeszeitung | Erschienen am 10.11.2010
Frankenberger Zeitung | Erschienen am 13.11.2010
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Irmtraud Reck aus Hannover-Groß-Buchholz am 01.11.2010 um 20:29 Uhr  
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