Zukunft des Musikunterrichts

  Die Schülerinnen und Schüler des Orientierungskurses Musik der Jahrgangsstufe 11 der Edertalschule taten sehr geheimnisvoll, als sie lediglich ihre nichtsahnenden Eltern und Freunde für Mittwoch (15.6.2016) zu einer Präsentation in die Aula des Gymnasiums einluden.

Was dort dann in rund 60 Minuten passierte, kann man als getrost als "Geburtsstunde" bezeichnen, denn die Schüler gaben mit ihren Darbietungen Antworten auf die Herausforderungen des Unterrichtsfaches Musik im Kanon der ästhetischen Fächer Musik, Kunst und Darstellendes Spiel. Zunächst betrachteten sie musikalisch den Leitgedanken "Liebe". Aus der Grundidee, eine Opernszene zur Zauberflöte zu entwickeln, kam von den Schülern der Vorschlag, die Geschichte zu verfremden und musikalisch aus dem klassischen Rahmen auszubrechen, indem man die musikalischen Themen aus Filmen und Musical integriert.

Im Rahmen dieser Geschichte traten verschiedene Figuren wie Papageno, Leporello - ja sogar die wütende "Königin der Nacht" - live auf und wurden jeweils von den Kursmitgliedern auf dem Klavier oder durch ein kleines Instrumentalensemble begleitet. Auch Popsongs und Musicalduette fanden unter diesem Leitgedanken ihren Platz und so war die Bandbreite der Genres und der vertretenen Musikepochen sehr groß. Daneben waren ein Satz aus einem Violinkonzert sowie drei selbstkomponierte Kanons für Streichensemble zu hören. Ein Schüler führte neben seinen Gesangseinlagen mit überleitenden Texten durch die Präsentation. Es war nicht verwunderlich, dass zur Vorbereitung die Unterrichtszeit nicht gereicht hatte und einige zusätzliche Proben an Wochenenden und Abenden eingerichtet werden mussten, was sich nun auszeichnete.

Die Idee, den Schülern in einem Konzert die Möglichkeit zu geben, Werke aufzuführen, die sie ohnehin gerade (z.B. im Instrumentalunterricht) spielen oder aus anderen Gründen gern zum Besten geben möchten (klasse gemacht: Der „Cup Song“) wurde ebenfalls – und zum Glück! – verwirklicht. Dies geschah zugleich aber mit einer Selbstverständlichkeit, die atemberaubend und für den Gast sehr kurzweilig war. Der Schlüssel zum Erfolg der Präsentation war die Selbstständigkeit der Lerngruppe.

Die Schüler hatten am Ende des Musikunterrichtes in der Einführungsphase (Jahrgangsstufe 11) nicht nur die Musikauswahl eigenständig übernommen. Sie hatten darüber hinaus alle Arrangements angefertigt, den Solo- und Ensemblegesang wie auch die Orchesterproben selbst organisiert und durchgeführt und so schließlich die Präsentation vorbereitet. Eine reichlich beeindruckende Leistung, spielten doch fast alle Kursmitglieder mindestens zwei Instrumente und sangen Solo oder in der Gruppe. Für den Hörer war jedoch die Summe der Einzelleistungen, die Kurzweiligkeit der Darbietung und schließlich auch die musikalisch-künstlerische Zusammenstellung des Ganzen das Überwältigende des Abends.

Und es verwundert nicht, wenn Kursleiter Martin Fischer davon spricht, dass alle Schülerinnen und Schüler seine Erwartungen im Besonderen übertroffen hätten. Denn seine Aufgabe beschränkte sich darauf, die Lerngruppe an einigen Stellen zu unterstützen. So konnte er auf Probleme beim Erarbeiten der Präsentation durch Feedback und Korrekturen einwirken.

Dieser Abend hat beispielhaft gezeigt, wie das Unterrichtsfach Musik den Herausforderungen begegnen kann, vor denen es im Kanon der ästhetischen Fächer steht. Die Stärke des Faches Musik liegt unter anderem im kreativ-praktischen Bereich, verbunden mit reflexiven Aspekten. Konzepte hierfür liegen mit dem neuen Kerncurriculum vor. Die Erfahrungen mit der "Fachpraktischen Prüfungen" in der Qualifikationsphase sind sehr positiv. Am vergangenen Mittwoch wurde die Tür jedenfalls weit aufgestoßen in die Zukunft des Musikunterrichtes.
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