Martin Schneider alias "Maddin" am 13.3.2014 in der Ederberglandhalle in Frankenberg: Meister Maddin ist "Inder im Hessenpelz"

  Das Grinsen ginge einmal um den ganzen Kopf herum, wären die Ohren nicht im Weg: Comedian Martin „Maddin“ Schneider war am Donnerstag mit seinem Programm „Meister Maddin“ „häppi bis unners Käppi“.

Die Welt der Comedystars ist so vielfältig wie sie selbst: Brauchen die einen stets Requisiten mit Wiedererkennungswert für wiederkehrende Rollen, bedienen sich andere eines Sprachfehlers oder eines Dialektes, sei es bayrisch in Turnschuhen, deutsch-türkisch mit Mannheimer Dialekt, indisch als Rosenverkäufer oder thüringisch mit Rautenpollunder. Ihnen allen ist die Tiefsinnigkeit und der intelligente subtile Humor à la Heinz Ehrhard oder Loriot abhanden gekommen, heute zählen Doofheit, ohne es zu merken, das Klischee des Coolen zu bedienen oder oberflächliche Gesellschaftskritik und Voyeurismus, gepaart mit Provokation unterhalb der Gürtellinie.

„Maddin“ ist 49 und kommt aus dem Marburger Land, den Frankenbergern bekannt aus Kino und Fernsehen. Und doch ist er „einer von uns“. So saßen im Publikum viele ihm Altbekannte, die ihn so kennen, wie er ist: Er schlüpft nicht in lustige Rollen, er ist er selbst. Der Mann mit dem markanten Gesicht und dem gedehnten hessischen Akzent als Markenzeichen hatte zur Behandlung seiner „Liebeskummer-Burnout-Depression wegen seiner damaligen zukünftigen Ex“ allerlei Erkenntnisse aus der indischen Yoga-Lehre parat.

So betrat der „Inder im Hessenpelz“ die Bühne mit einem „Om“, dem Laut, der seit Jahrtausenden in Yoga-Stunden verwendet wird, um Körper, Geist und Seele zur Harmonie zu bringen. Und weil „Oma“ von „Om“ käme, brachte er auch immer wieder die Weisheiten seiner Oma ins Spiel. Ohne weitere Requisiten steht er mitten auf der Bühne und unterhält sein Publikum, und Maddin wäre kein typischer Comedian, bediente er sich nicht dem Dialog mit zwei Zuhörern aus der ersten Reihe.

So erfuhr man, wie er die Trennung von seiner Ex verarbeitete und dass es männlich sei, wenn man supergut nicht zuhören könne. In der „Brigitte“ las er schließlich, wie er seine Ex zurückerobern könnte. Der Versuch ging aber schief, statt seiner Ex kamen sein Kumpel Hans-Jörg und weitere Nachbarn, denen auch die Ex weggelaufen sei. Daher gründete er als verlassener Mann einen „Flenn-Club“ zum „Power-Heuling im Wintergarten“. Zur gemeinsamen Krisenbewältigung könne man dann ja alles, was einen an die Ex erinnert, im Kamin verbrennen und anschließend den Kamin abreißen, denn: „Sischär is sischär!“.

Schließlich war es gut, sich von seinem erotischen hellblauen Schlafanzug aus Frottee-Leder zu trennen und „loszulassen“. Man erfuhr, wie das „Ennerschaising“ durch das Wurzel-Chakra funktioniert und dass der hessische Sonnengruß „Helau“ lautet, aber die männlichen Yoga-Teilnehmer stattdessen auch aufspringen und „Tor!“ rufen könnten. Lustig auch die Erkenntnis, dass man mit zunehmendem Alter immer älter wird, dass die Inder das „Indernet“ erfunden haben und dass Maddin beim Lach-Yoga erfahren hat, dass er im früheren Leben ein Maharadscha war, was erklärt, warum er so gern im Schneidersitz sitzt, was aber nichts mit seinem Namen zu tun habe.

Die Ambivalenz seines Auftritts zeigte sich in der Reaktion seiner Zuhörer: Maddin erreichte mit seiner Comedy allenfalls die Zielgruppe 50+, saßen doch die jüngeren in der Ederberglandhalle recht anteilnahmslos da, während die älteren schon erwartungsvoll lachten, als Maddin noch gar nicht auf der Bühne stand. Tiefsinnigkeit wich Albernheit und Rasanz wich hingebungsvoll artikulierter Mundart, für den ihn seine Fans lieben. Seine zweistündige Performance endete mit lediglich einer Zugabe, nämlich mit dem Wort, das das Markenzeichen des Maddin Schneider ist: „Aaaschebäschär“. Maddin Schneider gab sich schließlich ganz publikumsnah und schrieb jedem ein Autogramm.
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