Kinder-Oper "Hänsel und Gretel" in der Kulturhalle Frankenberg

  Junge Musiker im Orchestergraben. Opernsänger auf der Bühne darüber. Fast tausend begeisterte Kinder und Erwachsene. Das klingt wie ganz großes Kino. Ist aber in Wirklichkeit die Oper „Hänsel und Gretel“ des deutschen Komponisten Engelbert Humperdinck in der Kulturhalle am Mittwoch (12.2.2015), aufgeführt vom Jugendsinfonieorchester und der „Kleinen Oper Bad Homburg“.

Seit über einhundert Jahren begeistern sich Zuhörer jeden Alters für diese Oper, gehört sie doch schon fast obligatorisch zur Weihnachtszeit. In der Edertalschule hat das Jugendsinfonieorchester seit September an dem Stück gearbeitet und schließlich die Grundschulen im Altkreis angesprochen. „Zwei Mal volles Haus“ war das Echo, denn mit der „Kleinen Oper Bad Homburg“ gastierte eine professionelle Bühne in der Kulturhalle. Sie hat sich mit Bearbeitungen großer Opernklassiker europaweit einen Namen gemacht und begeisterte auch die Kinder im Frankenberger Land.

Ihr kongenialer musikalischer Partner war das Jugendsinfonieorchester der Edertalschule, diesmal unter der Leitung von Martin J. Fischer im selten geöffneten Orchestergraben, in den nur etwa 45 Musiker hinein passen. Spielerisch wuchsen die jungen Musici aus sich heraus und mehr noch: Für die Profis aus Bad Homburg war es ebenso eine Premiere, wurden sie doch bei Hänsel und Gretel zum ersten Mal von einem Schulorchester begleitet und honorierten dies mit großer Anerkennung.

Die Handlung orientierte sich am Märchen der Brüder Grimm. Die Frankenberger Fassung kam jedoch weitgehend ohne den moralischen Zeigefinger des Originals aus. Statt dessen war der Mittelteil der Oper stark gekürzt und mit einem Pianisten als Erzählerrolle auf der Bühne versehen. Die 70-Minuten-Fassung wurde durch moderne Raps musikalisch „upgedatet“. Dies kam beim jungen Publikum glänzend an. Denn es war vor allem die Mischung aus originaler Musik Engelbert Humperdincks, den Dialogen der Sänger, die im Original der Oper normalerweise alle gesungen werden, und der verwendeten Musikstile, mit denen aus der Oper ein Musical wurde, das doch den Anspruch nicht verlor, den Kindern das Genre Oper nahezubringen.

Anspruchsvoll war auch das Notenmaterial, das das Jugendsinfonieorchester zu spielen hatte: Es war das Original des Komponisten. Martin Fischer hatte die schwierige Aufgabe, die Aufführung in einem Fluss zu halten, in dem sich Orchesterstücke, Klavierbegleitung und Dialoge ständig abwechselten. Er zeichnete herrliche Klangfarben und begleitete die Akteure auf der Bühne gefühlvoll und sicher. Text, Gesang und Musik verschmolzen zu einer Einheit, die vergessen ließ, dass hier Schüler und keine Profis musizierten.

Das äußerst hohe Niveau der Aufführung zeigte sich schließlich nicht zuletzt dadurch, dass es nur einer einzigen gemeinsamen vierstündigen Probe beider Ensembles bedurfte, um Absprachen und Einstudiertes zu synchronisieren. Das Ergebnis war erfrischend fröhlich und mitreißend und ließ das Publikum mitleben und mitlachen.

Etwa 60mal führt die „Kleine Oper“ die Oper Hänsel und Gretel in diesem Jahr auf. Davon nur etwa zehn Mal mit einem Orchester, ansonsten mit Klavierbegleitung und Sound-Elementen. Das Bühnenbild und die Kostüme sind opulent und und kindgerecht ohne kitschig zu wirken. Altes mischte sich auch hier mit Neuem: Da stand zwar das Hexenhaus in gewohnter Optik, daneben war Hänsels „Gefängnis“ jedoch in Form eines grünen Gummibären zu sehen. Das Licht und die Beschallung waren dezent aber effektvoll.

Alles in allem eine sehr zeitgemäße Art, scheinbar „angestaubte“ Kultur zu vermitteln. Der Erfolg blieb natürlich nicht aus: Der aufbrandende Applaus des ehrlichen jungen Publikums belohnte die Künstler für ihre wochenlange Vorbereitung.
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1 Kommentar
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Katja Woidtke aus Langenhagen | 12.03.2015 | 21:43  
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