Harfenkonzert mit Elisabeth Conner in Frankenberg

  Sie ist eines der ältesten Instrumente der Menschheit: Die Harfe. Und doch sind Harfen-Konzerte im Frankenberger Land so selten und daher so besonders kostbar.

Sie ist mannshoch, wunderschön, kommt aus Italien, ist zwölf Jahre alt und mit 47 Saiten und sieben Pedalen ausgestattet. Sie kostet so viel wie ein Auto der oberen Mittelklasse und ist mit ihren über vierzig Kilogramm Gewicht eines der größten und schwersten Orchesterinstrumente. Ihr Klang passt perfekt zur Akustik in der kleinen Hospital-Kirche in Frankenberg, wo Elisabeth Conner aus Würzburg am Sonntag (16.3.2014) im Rahmen der „Abendmusik“ ein Konzert gab.

Elisabeth Conner begann ihre Ausbildung an der Harfe im Alter von sechs Jahren. „Natürlich war das zunächst eine ganz kleine Harfe“, schmunzelte die sympathische junge Frau, die auch Flöte und Gitarre lernte. Erst für das intensive Studium an der Harfe musste sie auch noch das Klavierspiel erlernen, denn die Harfen-Noten sehen aus wie Klaviernoten. Conner trägt etliche Auszeichungen, sie spielt in zahlreichen Ensembles und gibt immer wieder Konzerte, dennoch studiert sie Jura und möchte später bei ihrem Mann in Birmingham leben und arbeiten. Dass sie eins ist mit ihrem Instrument, sieht man, wenn sie sich fast liebevoll an ihre Konzertharfe schmiegt, die auf ihrer Schulter ruht und beim Spiel mitschwingt. Für jedes der Stücke, die sie spielte, erzählte sie vom Komponisten und der Zeit, in der die Musik entstanden ist.

Die beiden Sonaten K466 und K323 des italienischen Komponisten Scarlatti und auch die Sonate c-Moll von Pescetti waren zunächst gar nicht für Harfen gedacht. Erst als die Harfen verändert und zum Beispiel durch unterschiedliche Saitenanordnungen oder Haken besser spielbar gemacht wurden, wurden sie den harmonischen Herausforderungen gerecht.

Im Jahr 1810 wurde die Doppelpedalharfe erfunden. Die Spielerin konnte die Töne mit Pedalen um Halbtonschritte höher oder niedriger stimmen. Daraus ergibt sich die intensive Bewegung der Harfenspielerin, die mit weich fließenden Armbewegungen und ihrer Beinarbeit an den Pedalen den ganzen Körper einsetzt. Das melancholische Stück „Nocturne“ von Michail Glinka aus der Zeit der Romantik spielte Conner geradezu beseelt und beeindruckend schnell.

Das spätromantische „Impromptu-Caprice“ von Gabriel Pierné ist Conners Lieblingsstück, denn es zeigt die volle Bandbreite des Machbaren auf einer Harfe: Beim sogenannten „Flageolett“ kann die Spielerin den Handballen auf die Hälfte einer Saite legen, damit halbieren und so eine Oktave höher klingen lassen, was sehr weich klingt.

Auf ihrer Zeitreise durch die Harfen-Musik spielte Conner Marcel Tourniers „Etude de Concert“, die eigentlich „zu schön ist, um eine Etude zu sein“, so die Harfenistin, die in ihren Erklärungen auch immer auf das hinwies, was sie im Stück zu hören glaubte, wie Vogelgezwitscher oder Wasserplätschern. Tournier war Harfenkomponist und prägend für alle Harfenisten. Und dann hörte man den Klang, den man als Laie mit einer Harfe verbindet: Das Glissando, bei dem die Spielerin schnell nacheinander über alle Saiten streicht. Möchte man ein Glissando in einer bestimmten Tonart spielen, können durch eine bestimmte Pedalstellung einzelne Töne enharmonisch so verwechselt werden, dass die „unerwünschten“ Töne quasi ausgeschaltet werden.

Dass dem Programm versehentlich ein falscher Konzert-Titel „Von den Kreuzzügen bis in die New Yorker Jazzclubs“ zugewiesen wurde, kaschierte die Musikerin spontan: Die Stückauswahl ergänzte sie durch „schnell noch per Fax zugesandte“ Noten des Jazzkeller-Stücks „Take Five“ von Dave Brubeck. Die „Petit Suite for harp“ des Engländers David Watkins versetze das Publikum erneut in Staunen, war es doch voll technischer Rafinesse. Nach der Zugabe mit Pachelbels berühmten Kanon konnten sich die Zuhörer die Harfe von der Nähe ansehen und mit der Spielerin sprechen.
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