Verlorene Gegenstände in der Deutschen Bundesbahn: Dank engagiertem Fundsachenmanagement finden über 60 Prozent der Fundsachen den Weg zurück zum Eigentümer

Rückreise von einer aufregenden Woche in Berlin mit der Schulklasse. Umsteigen in Frankfurt. Dann im Anschlusszug nach Marburg der Schreck: Das Portemonnaie ist weg. Die Frankenbergerin Marie Wagener hat ihre Geldbörse mit Geld, Schülerausweis und ein paar kleinen Erinnerungen von der Klassenfahrt im ICE verloren. Und der ist jetzt unterwegs nach München.

Der Schreck sitzt tief, als Marie völlig aufgelöst ihre Mutter anruft und am Handy von dem Verlust erzählt. Es ist Freitagnachmittag, die Züge sind voll und das Portemonnaie vermutlich schon entdeckt und geplündert. Doch so schnell gibt Maries Mutter nicht auf und erstellt über das Online-Portal der Deutschen Bahn eine Verlustmeldung.

„Das geht schnell und man bekommt sofort eine Mail mit einer Verlustnummer“, berichtet sie, und kann damit ihre Tochter beruhigen. Trotzdem bestellt sie zum Trost im Lederwarengeschäft schon einmal eine neue Geldbörse, denn die von Marie war fast neu und vom Konfirmationsgeld bezahlt. „Alles Materielle ist ersetzbar“, meint sie.

Und doch: Marie ist unglücklich und in Tränen aufgelöst. Auch wenn die ec-Karte glücklicherweise nicht im Portemonnaie war, weil der Papa zu einer separaten Aufbewahrung geraten hatte. Der Verlust eines persönlichen Gegenstandes ist vor allem aufgrund des ideellen Wertes eine sehr schmerzhafte Erfahrung, die starke Emotionen auslösen kann. „Zuerst war ich geschockt und dann nur noch traurig“, so Marie Wagener.

Doch dann geht alles ganz schnell. Am Sonntag nachmittag bekommen Wageners eine automatische Email, dass zwei Fundstücke zur Beschreibung passen. Ein Anruf bei der mitgesendeten Rufnummer und der Vergleich der beschriebenen Fundsache mit Wageners Angaben bringt zunächst Enttäuschung: Keiner der Funde gehört Marie. Dann stellt sich heraus, dass gerade eine weitere Fundmeldung hereinkommt: Eindeutig identifiziert durch den Schülerausweis – Maries Portemonnaie ist mit dem ICE 599 nach München gereist und dort wohlbehalten angekommen.

Montagmorgen ruft Maries Mutter im Fundbüro in München an, von wo die Zusendung nach Frankenberg veranlasst wird. Dienstag losgeschickt, Mittwoch in Frankenberg. Kurzer Schreck – das Geld ist nicht im Portemonnaie. Doch es stellt sich heraus, dass das Geld routinemäßig und aus Sicherheitsgründen von einer Bahnmitarbeiterin auf ein Fundkonto eingezahlt wurde, von dem es sich Marie mit dem mitgesendeten Beleg wieder auszahlen lassen kann. Donnerstag kommt noch ein Brief mit der Mitteilung, dass die Geldbörse gefunden und abgegeben wurde. Damit war die schriftliche Mitteilung über den Fund langsamer als die Zusendung selber.

„Ich bin so froh, dass das so schnell und unkompliziert ging“, freut sich die Vierzehnjährige. Die Gebühr für die Rücksendung betrug zwanzig Euro, „aber die hätte das neue Portemonnaie auch gekostet“. Ein neuer Schülerausweis wäre lediglich mit zwei Euro zu Buche geschlagen. Laut Edertalschule verlieren im Jahr etwa zwanzig Schüler ihren Schülerausweis, dieser lässt sich aber nachbestellen.

Deutschlandweit werden jedes Jahr etwa 250.000 Gegenstände in Bahnhöfen und Zügen gefunden und in über 80 Fundstellen gesammelt. Dafür ist das DB-eigene Fundsachenmanagement zuständig und kümmert sich darum. Auf Basis einer Verlustanzeige forscht es bis zu vier Wochen ab dem angegebenen Verlusttag.

„Die Rückführungsquote der Fundsachen an den Eigentümer liegt aufgrund des großen Engagements der Mitarbeiter bei der Suche nach einem Eigentümer bei stolzen 60 Prozent“, so ein Bahnmitarbeiter. Fundsachen, die nicht innerhalb der Aufbewahrungsfrist von 90 Tagen einem Eigentümer zugeordnet werden konnten bzw. abgeholt wurden, werden öffentlich versteigert.

Allerdings müssen sie bestimmten Qualitätsansprüchen wie Sauberkeit und Zustand genügen. Zudem prüfen die Mitarbeiter die Fundsachen nach weiteren Kriterien wie Datenschutz sowie auf Waffen und Drogen. Insgesamt werden durch das zentrale Fundbüro pro Jahr knapp 60 Versteigerungen von allgemeinen Fundsachen durchgeführt. Zusätzlich werden durch die Bahnhofsmanagements vor Ort bei Bedarf Versteigerungen von Fahrrädern und großen Fundsachen wie Kinderwagen oder Skier, welche nicht an das Fundbüro versendet werden können, durchgeführt. An den wöchentlichen Versteigerungen nehmen etwa rund hundert Personen teil, an den außerordentlichen auch mehrere Hundert.

Zu den skurrilsten Fundsachen gehörten übrigens laut eines Bahnmitarbeites ein Bundesverdienstkreuz, ein Trampolin, ein Herd, ein Hirschgeweih und ein Rollator.
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Weiterveröffentlichungen:

Frankenberger Zeitung | Erschienen am 21.02.2015
Waldeckische Landeszeitung | Erschienen am 21.02.2015
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