Gedichte und Gesang zum 150. Geburtstag von Hermann Löns

Impressionen: Gedichte und Gesang zum 150. Geburtstag von Hermann Löns am 29. August 2016
 
Impressionen: Gedichte und Gesang zum 150. Geburtstag von Hermann Löns am 29. August 2016
 
Impressionen: Gedichte und Gesang zum 150. Geburtstag von Hermann Löns am 29. August 2016
Faßberg: Lönsstein | Hermann Löns, eine der schillerndsten Figuren der deutschen Literaturszene genießt heute noch enorme Popularität, mit Romanen wie dem „Wehrwolf“ und „Dahinten in der Heide“ erreichte er Millionenauflagen und ging als niedersächsischer Heidedichter in die Literaturgeschichte ein. Am 29. August 2016 jährte sich der Geburtstag des Heidedichters zum 150. Mal.

Über 200 Löns-Freunde hatten sich Montag Abend auf den Weg zum Löns-Denkmal auf dem Wietzer Berg gemacht. Dort veranstaltete der Freundeskreis Hermann Löns eine Feier anlässlich des 150. Geburtstages des Heidedichters. Das OKOK Team hat an dieser Feierstunde teilgenommen und einige Impressionen aufgenommen. Die Kulisse: ein violettes Blütenmeer vor heller Abendsonne. „Das hätte Hermann Löns gefallen, in diesem Abendlicht die Heide zu sehen“, stellte Landrat Klaus Wiswe auch gleich zu Beginn seiner Ansprache fest.

Der Dichter und Journalist Löns habe nicht nur gute Eigenschaften gehabt, spielte Wiswe auf Fehlverhalten in Bezug zum Umgang mit Alkohol, Frauen und seiner nationalistisch-patriotischen Grundhaltung. Er habe jedoch in besonderer Weise die Lüneburger Heide bekannt gemacht. Durch seine Gedichte und Beschreibungen hat so mancher Einheimische erst durch Hermann Löns‘ erkannt, wie schön die Lüneburger Heide sei.

Der stellvertretende Bürgermeister Peter Pudschun schloss sich diesen Vorbemerkungen an und erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass auch der für Müden/Örtze gern gebrauchte Beiname „Perle der Südheide“ in der Zeit geprägt wurde, in der Löns hin und wieder von Müden aus seine Streifzüge durch die Heide unternahm.

Der Vorsitzende des Hermann-Löns-Freundeskreises, Reinhold Hentschel, ließ dann das Leben des 1866 in Westpreußen Geborenen Revue passieren, nicht ohne seine Verdienste zu würdigen: Löns Tier- und Landschaftsschilderungen, aber auch die Jagdgeschichten seien aus der Literatur nicht mehr wegzudenken. Auch in Sachen Naturschutz sei Löns ein Vordenker gewesen. So habe er sich als passionierter Jäger für Brut- und Setzzeiten stark gemacht und Missstände beim Umgang mit der Natur aufgezeigt.

Dass seine Gedichte immer noch ankommen, bewiesen dann Erika Reh, Robert Brand und Ilse Bädke, indem sie, teils auch erheiternde, Verse des Heidedichters vortrugen.

Hermann Löns wurde auch musikalisch in Szene gesetzt. Der Männerchor Müden mit seiner Dirigentin Bettina Nickel stimmte einige Lieder an, die begleitet von einem Horn-Quartett der Musikhochschule Hannover unter Leitung von Hartmut Hubert weit über die Heidefläche des Wietzer Berges ertönte.

Musikalisch ging es stimmgewaltig und feiernd am Fusse der Heide Ausflugsfläche am Löns-Kiosk "Lütte Löns" weiter. Ein harmonischer Ausklang mit tollen Gesprächen von Löns Freunden aus der Lüneburger Heide von Hamburg bis in das Burgdorfer Land.

In Burgdorf haben wir Straßennamen, wie den Lönsweg, Harm-Wulf-Strasse, Werwolfsweg, die auf eine Verbindung mit Löns zurück zu führen sind.

Was verbindet Löns mit Burgdorf ?
Löns im Auftrag des Hannoverschen Anzeigers - Was veranlasste den prominenten Literaten, im Juni 1893 der kleinen, vor den Toren Hannovers liegenden Stadt Burgdorf einen Besuch abzustatten und sich die Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang zu nehmen? Der am 29. August 1866 in Kulm/Westpreußen geborene Dichter kam nach Zwischenstationen in Kaiserslautern und Gera 1893 nach Hannover. Dort begann er seine berufliche Karriere als Journalist beim neu gegründeten „Hannoverschen Anzeiger“ (Vorläufer der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung). In dessen Auftrag bereiste er mehrere niedersächsische Städte und fasste seine Eindrücke unter dem Pseudonym „Fritz von der Leine“ in einer als „Hannoversche Städtebilder“ erschienenen Artikelserie zusammen. Sein Bericht über Burgdorf erschien am 28. und 29. Juni 1893.

Die Auestadt - Reportage
Die facettenreiche Reportage, die nach seiner Stadtvisite entstand, ist auch heute noch lesenswert und anschaulich. Sie entwirft ein romantisches-verklärtes Erscheinungsbild der Auestadt in der Zeit vor der Jahrhundertwende. Hermann Löns reiste in den frühen Morgenstunden mit dem Zug aus Hannover an. Schon am Bahnhof fiel ihm der reizvoll gestaltete, von frischem Grün umrahmte Vorplatz auf. Den angenehmen ersten Eindruck fasste er so zusammen: „Die Stadt, die solch Einkehrschild träft, ist des Besuches wert“. Der Anfang seines Weges führte ihn an der Rolandstraße entlang zum Magdalenenfriedhof. Vergeblich suchte er auf dieser alten Begräbnisstätte nach dem verborgen liegenden und sich hinter dichtem Buschwerk den Blicken entziehenden Grab des Kirchenliederdichters und Burgdorfer Superintendenten Carl Johann Philipp Spitta, der 34 Jahre vorher hier zur ewigen Ruhe gebettet wurde.

Kleinstädtisch, aber nette saubere Ackerbürgerstadt
Beim weiteren Promenieren in Richtung Innenstadt stellte er anerkennend fest, dass Burgdorf „kleinstädtisch, aber nett“ und für eine Ackerbürgerstadt „sehr sauber sei“. Immens beeindruckt zeigt er sich von der grandiosen Aussicht, als er den Kirchturm der St. Pankratius-Kirche bestieg und sich ihm die zahlreichen reizvollen Flecken der Auestadt aus dieser erhöhten Perspektive erschlossen. Anschaulich schilderte er seine Eindrücke. „Der rund um das Städtchen sich ausbreitende Kreis dunkler Waldungen“ mit seinem davor liegenden „bunten Wiesenland“ weckte die besondere Aufmerksamkeit des Heidedichters. Der in „buntem Flor“ prangende Garten der Superintendentur, das „baumumhüllte Schloss“ und die „mächtige runde Tillylaube“ im Schlossgarten fielen ihm auf.

Löns auf der Marktstrasse
Löns setzte seinen Spaziergang auf der Marktstraße in Richtung Hannoversches Tor fort, passierte die Eisenbahnstrecke und erreichte die „schöne Gartenwirtschaft von Haase“ in Ahrbeck. Durch eine weite Wiesenlandschaft ging es nun auf einem von Pappeln umsäumten Weg nach Heeßel, dessen ländlich-idyllisches Erscheinungsbild er eindrucksvoll charakterisiert. Dankbar beschrieb er die Begegnung mit dem Dorflehrer, der ihm mit großer Gastfreundlichkeit begegnete und zu der ehemaligen Burganlage begleitete, von dessen Existenz nur die kaum wahrnehmbaren Spuren eines Ringwalles zeugten. Alle anderen Bestandteile hatte die unerbittlich voranschreitende Zeit vom Erdboden vertilgt. Die feierliche, nur vom leisen Flügelschlag einzelner Vögel unterbrochene Stille in dieser Umgebung regte ihn zum melancholischen Träumen von vergangenen Zeiten an.

Wegroute durch das Paradies
Seine weitere Wegroute führte ihn durch ein „Paradies“ genanntes und von weitem Wiesenmoor geprägtes Landschaftsgebiet nach der ehemaligen Depenauer Mühle. Deren Mühlenräder hatten sich schon 1866 zum letzten Mal gedreht. Vor ihr überquerte er die mit gelben Seerosen geschmückte Aue und schlug einen Sandweg ein, der ihn auf der Immenser Straße in Richtung Försterberg leitete. In der Gärtnerei Tegtmeier (heute „Vier Jahreszeiten“) bot sich ihm der Anblick eines üppigen Sortimentes farbenprächtiger Rosen, von denen ihm der Besitzer einen prachtvollen Strauß als Geschenk überreichte.

„Rosenkavalier“ Löns
Am Ehrenmal vorbei, das der Magistrat 1859 zum Gedenken an ein 1809 vor den Toren der Stadt eingerichtetes nächtliches Feldlager des von Kaiser Napoleon aus seinem Braunschweiger Herzogtum vertriebenen „Schwarzen Herzogs“ errichten ließ, brachte ihn der Weg über die Braunschweiger Straße und zwei Zwischenstationen in „Meyers Hotel“ und im „Hotel zum Ratskeller“ (heute das Rathaus I) zum Bahnhof zurück. Auf dem Rückweg verteilte der charmante Dichter die Rosen seines Straußes an einige schöne Mädchen der Stadt, die er unterwegs antraf. Kaum hatte er den Dampfzug nach Hannover bestiegen, begann er, die vielen lebhaften Eindrücke seines Besuches in Burgdorf zu Papier zu bringen. Seine eindringliche Beobachtungsgabe und sein Erzähltalent verschmolzen in seiner Burgdorfer Reportage zu einer beachtenswerten Lektüre auch nach über 100 Jahren. 21 Jahre später meldete sich Hermann Löns als Freiwilliger zum gerade ausgebrochenen 1. Weltkrieg. Am 26. September 1914 stirbt Löns bei Loivre in der Nähe von Reims / Frankreich. Bereits 7 Jahre später, 1921 entsteht das Ehrenmal in der Heidefläche bei Müden.
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