Traditionelles Holzhandwerk auf Usedom

  Freest: Bootswerft Freest |

Vielerorts auf Usedom eben engagierte Einwohner bis heute alte Traditionen und bieten Urlaubern und Einheimischen kunsthandwerkliche Produkte an. Wer selbst aktiv werden möchte, kann an vielen Orten Workshops buchen und selbst in die Welt des auf Usedoms ganz lebendigen traditionellen Handwerks eintauchen.

Den ersten Strandkorb überhaupt soll im Jahr 1882 Hofkorbmeister Wilhelm Bartelmann in Rostock geschaffen haben. Damals wie heute haben die Körbe das Ziel, den Sommer am Meer auszudehnen und den Gästen eine windgeschützte und komfortable Zeit am Strand zu ermöglichen. Seit 1925 werden die Körbe in Heringsdorf gefertigt. In Deutschlands ältester Standkorbmanufaktur entstehen Jahr für Jahr rund 1.000 Strandkörbe. Wer sich für eine Führung durch das „korbwerk“ entscheidet, erfährt nicht nur, dass sich Körbe für die Ostsee von denen an der Nordsee unterscheiden, sondern auch wie ein traditioneller Strandkorb in Handarbeit entsteht. Dabei können die Kunden zwischen verschiedensten Materialien, Größen und Ausstattungen wählen. Während ein einfacher Korb schon für unter tausend Euro zu haben ist, können Premium-Modelle mit Extras wie Bullaugen, Bistrotisch, Kühlschrank und Soundsystem den Preis eines Kleinwagens erreichen. Selbst für Hunde gibt es inzwischen einen eigenen Hundekorb.

Bei einer Führung erfahren die Gäste, dass nur die sichtbaren Teile des Strandkorb- Rahmens aus Kiefern-, Teak- oder Iroko-Holz gefertigt werden, während der Rest zum Teil aus Sperrholz besteht. Die Haube des Korbs wird heute nicht mehr mit Naturgeflecht, sondern mit Kunststoff umflochten, da die Pflege von Naturmaterial zu aufwändig wäre. Zudem ist nur mit hochwertigem Kunststoff eine Lebensdauer des Korbs von 20-25 Jahren zu erreichen. „Es gibt keine Flechtmaschinen, daher haben wir viel Handarbeit“, erklärt Vertriebsmitarbeiter Ingo Groth die Entstehung eines neuen Strandkorbs. Die Preisklasse eines Korbs erkennt der Experte am Detail. So können die Kunden wählen, ob ihr Korb mit dünnem, runden Material geflochten wird oder mit breiterem Flachband. Bei dem ist die Haube in 3,5 h fertig geflochten, beim anderen dauert es einen ganzen Arbeitstag. Auch der G8-Strandkorb, in dem 2008 die nach Heiligendamm gereisten Regierungschefs der führenden Industrienationen Platz nahmen, stammt aus der Heringsdorfer Produktion. Bis nach Amerika verkauft die Manufaktur mit 25 Mitarbeitern ihre Körbe heute. Mancher Urlauber bestellt bei seiner Ostseereise einen Korb, um das Urlaubsgefühl zu Hause zu erhalten oder seinen Garten aufzuwerten. Größte Kunden sind aber weiterhin Hotels und Strandkorbvermieter, denen die Strandkorbmanufaktur für die Zeit von Oktober bis April die Einlagerung und Wartung der Körbe anbietet.

Um Holz geht es auch in der Bootswerft Freest. 1889 wurde das Unternehmen gegründet und blieb über Jahrzehnte in Familienhand. Schließlich geriet die Werft in schweres Fahrwasser und lag nach einer Insolvenz jahrelang brach. Bootsbauerin Kirsten Dubs nutzte die Gunst der Stunde und kaufte die Werft vor einigen Jahren. Mit ihren zehn Mitarbeitern bietet die Unternehmerin neben dem klassischen Angebot einer Werft auch ein umfangreiches Kurs- und Workshopprogramm an. Dabei profitieren die Kursteilnehmer von der praktischen Arbeit in der Werft. Die beschäftigt sich nicht nur mit Yacht- und Kutterbau, sondern auch mit der Restaurierung historischer Schiffe. So arbeitet man gerade an der Restaurierung des Seefahrtskreuzers „Mutafo“ aus den 30er Jahren. Das Projektschiff soll als Kulturgut erhalten werden und eines Tages wieder auf der Ostsee segeln. Für exklusiven Familienurlaub interessant sein kann die Familienbauwoche. In zehn Tagen baut die Familie mit Unterstützung eines Werftmitarbeiters aus vorbereiteten Teilen eine Jolle, die sie anschließend mitnehmen kann. Ein umfangreiches Projekt sind auch die Werfthallen selbst, die Kirsten Dubs mit einer großen Population Schwalben teilt. Über die Wintermonate soll ein altes Sägegatter aus der Nachkriegszeit wieder in Funktion gebracht werden und so den museumsgleichen Maschinenpark der Werft erweitern. Neben Kursen als kreativer Ausgleich und zum Kompetenzgewinn für Holzschiff-Enthusiasten bietet die Werft im Herbst erstmals an, in fünf Tagen eine Seemannskiste zu fertigen, in der der Besitzer irgendwann seine letzte Reise antreten kann.
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