Super-Star(s)e, die es voll drauf haben: Wenn das Handy klingelt, könnte ein Vogel dran sein

Diskussion im Hause (Super-)Star: „Sie“ will shoppen, „er“ offensichtlich nur seine Ruhe. Aber vielleicht üben die beiden auch lediglich für die nächste Tanzstunde. (Foto: Tom Skotarczyk)
 
Let’s dance! Die Meinungsverschiedenheit scheint sich zu einem echten Ehekrach auszuweiten. (Foto: Tom Skotarczyk)
Wir wissen natürlich nicht, worüber Herr und Frau (Super-)Star hier so eindringlich diskutieren. Möglicherweise sorgt die Einkaufsliste mal wieder für Gesprächsstoff und Irritationen. Oder das Haushaltsgeld. „Sie“ will (natürlich!) wieder ausgiebig shoppen, „er“ nur seine Ruhe. Aber auch ein Vertreter der maskulinen Fraktion dieser großen Sperlingsfamilie beißt mit stringenter Logik auf Granitkörner, wenn seine bessere Hälfte nach dem Studium diverser Sonderangebote nur noch Schnäppchen vor Augen hat. Kennen wir Menschen ja in solchen Fällen auch. Da gibt der (nicht die) Klügere halt nach und fügt sich schnabelknirschend ins Unausweichliche.
Die heimischen Repräsentanten dieser auffällig gepunkteten und im Erwachsenenalter farblich so metallglänzend schillernden Spezies haben in den vergangenen Wochen und Monaten etwas kleinere Brötchen gebacken. Auch, weil ihnen das Millionenheer der bei Haiger-Steinbach im Mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis nächtigenden und beim Überflug den Himmel verdunkelnden Bergfinken im zeitigen Frühjahr die Show stahlen. Gegen solche Massen kamen sie in der Gunst des Publikums einfach nicht an. Die Angehörigen des (lateinischen) Stammes „Sturnus vulgaris“ übten sich deshalb etwas in bescheidener Zurückhaltung. Aber sie waren und sind da.

Keine One-Night-Stands

Es gibt, auch im alten Dillkreis, einige favorisierte Plätze, an denen sich diese Stimm- und Imitationskünstler der flatternden Fauna bevorzugt treffen – meist zum Übernachten. Und das sind dann keine One-Night-Stands. Diese Stellen werden aber von Ornithologen und Szene-Kennern wohlweislich geheim gehalten. Vor allem deshalb, um nicht, wie im Schatten der Kalteiche geschehen, eine Lawine an Schlachtenbummlern loszutreten. Den Bergfinken von Haiger war die stattliche Zuschauerkulisse egal – vermutlich haben sie die Aufmerksamkeit der vielen, nichtzahlenden Zaungäste sogar genossen. Stare reagieren da aber empfindlicher.

Geniale Geräuschimitatoren

Sie können sich diese vielleicht als divenhaft missverstandene Attitüde aber auch leisten. Reden wir nicht von ihren Talenten als Geräuschimitatoren. Diese faszinierenden Burschen (und Bürschinnen) sind in der Lage, den Klingelton eines Handys, das Brummen eines elektrischen wie motorgetriebenen Rasenmähers oder den Sound einer Gartenschere perfekt nachzuahmen. Notfalls auch den einer klappernden Schreibmaschine. Aber wer benutzt heuer schon so ein anachronistisches Teil? Man pflegt Vertreter dieser Art deshalb auch „Spotter“ zu nennen. Aber das hat jetzt nix mit den ebenso als solche bezeichneten Fotografen zu tun, die sich im Umfeld von Flughäfen auf die Lauer legen, um das eine oder andere erlesene, in ihrer Sammlung noch fehlende Luftfahrtgerät abzulichten.

Dagegen sind die „Red Arrows“ Waisenknaben

Apropos: Und da wird die Flugbahn endgültig zum sich schließenden Vollkreis: Stare machen, was ihre himmlischen Künste angeht, ihrem Namen alle Ehre. Und wir wollen jetzt nicht von den nach ihren Behausungen benannten (Raubritter-)Kästen an diversen Straßen reden. Diese Vögel sind Acro-Künstler par excellence und würden selbst, ließe man sie für die RTL-Supertalent-Show casten, die Konkurrenz locker in den Schatten stellen bzw. fliegen. Spezialität: Formationskunstflug. Dagegen sind die „Frecce Triccolori“ oder die „Red Arrows“ ein Sch…-Dreck. Letztere zaubern zwar zu neunt bzw. zu siebt Figuren von bislang unerreichter Präzision und Synchronität an den Himmel, Starenvögel gelingt das aber noch viel eindrucksvoller, nachhaltiger und besser - und das mit und in Formationen, die nicht selten aus 50.000 und mehr Exemplaren bestehen.
Da liegt der gigantische Pulk wie ein Brett und eine Eins in der Luft, da folgt der Schwarm dem Kommando eines bis heute nicht eindeutig identifizierten „Leaders“ zum Richtungswechsel mit der in Nanosekunden ungesetzten Exaktheit eines eidgenössischen Uhrwerks. Keiner weiß, wie die Kerle das hinkriegen. Wird oft mit „Schwarmintelligenz“ erklärt, aber was das genau ist, hat zumindest mir bislang noch keiner schlüssig erklären können. Dagegen wirken die Überflüge der Bergfinken ziemlich uninspiriert. Bei ihnen macht’s halt die Masse.
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Elena Sabasch aus Hohenahr | 26.06.2015 | 10:52  
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