Märchenhafter Amdorfbach: Surreal im Hier und Jetzt

So kann man das ja auch mal sehen: Der Amdorfbach im Wald bei Gusternhain. Der surreale Eindruck ist das Ergebnis der langen Belichtungszeit. (Foto: Helmut Weller)
Weil grundsätzlich mit dem Schlimmsten zu rechnen ist, könnte man, argwöhnisch geworden, dem Irrtum aufsitzen, es mit einem weiteren drastischen Fall von Gewässerverunreinigung zu tun zu haben. Doch es gibt Entwarnung: Alles nur Schein! Kein irgendwo am Oberlauf des idyllischen Bächleins angesiedelter Chemie verarbeitender Betrieb hat hier seine giftigen Substanzen eingeleitet. Großes Ehrenwort. Die vermeintlich milchige Brühe ist das visuelle Ergebnis einer etwas eigenwilligen Kameraeinstellung. Da hat der Fotograf etwas nachgeholfen, aber direkt vor Ort im Feldeinsatz, und nicht, wie es ja heuer oft praktiziert wird, „With a little help from Photoshop“ daheim am PC.
Wo die Aufnahme entstanden ist? Weder im Schwarzwald, noch in Tirol, sondern heimatnah ganz in der Nähe. Bei Breitscheid-Gusternhain. Der surreal wirkende Wasserlauf plätschert in einem der schönsten Abschnitte des Amdorfbachs, der sich hier durch eine kleine Schlucht windet, die von mit von Moos bewachsenen und buntem Herbstlaub dekorierten Basaltblöcken flankiert wird. Nur wenig Tageslicht dringt bis in die Tiefe des Tälchens durch.
Helmut Weller aus Ehringshausen ist diese Aufnahme geglückt. Wie? „Ganz einfach“, behauptet der Mann. Klingt aber jetzt doch irgendwie nach Understatement. Ohne Stativ geht das schon mal gleich gar nicht. Die besondere Stimmung wird durch erzwungene lange Belichtungszeit der Kamera erzeugt, die das Umfeld scharf hervortreten lässt und dem fließenden Wasser einen märchenhaften Fantasy-Touch verleiht. Da müssten eigentlich jeden Moment ein paar Kobolde um die Ecke linsen. Das hat was!
Aber es gibt ja noch mehr „wilde“ Bächlein in der Region. Beispielsweise im beschaulichen Nenderoth, dem „Nizza des Westerwaldes“ – ganze zehn Luftkilometer von dem Breitscheider Ortsteil entfernt. Dort plätschert der kleine, idyllische Leyenbach durch die Gegend, und der kann sich mindestens ebenso gut in Szene setzen wie sein Vetter weiter nordwärts. Helmut Weller hat dort eine ähnliche Aufnahmetechnik angewandt – mit einem ebenso verblüffenden Resultat. Und um Missverständnissen vorzubeugen: Nein der Bach wird nicht durch Geysire gespeist. Heiße Quellen gibt es weit und breit keine.
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