Tecklenburger Musicalsaison 2014: „Joseph“, „Sunset Boulevard“ und „Robin Hood“ - Klangvolles zwischen Kanaan, Hollywood und Sherwood Forest

 
In Tecklenburg ein gewohntes Bild: Das Publikum hält es nicht auf den Sitzen. (Foto: Heiner Schäffer)
 
Cooler Träumer zwischen guter Laune, Kalkül und Vision: „Joseph“ schlüpft in Tecklenburg zum zweiten Male in seinen bunten Mantel.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, hat der alte Herberger-Seppl mal behauptet. In Tecklenburg sieht man das, was die jeweils alte und neue Spielzeit anbelangt, genauso. Längst bevor im Frühherbst der virtuelle Schlussvorhang für den Monte Christo-Grafen gefallen war, hatten die Verantwortlichen der Freilichtspiele hier schon an den Weichenstellhebeln für die Saison 2014 gedreht. Mittlerweile konnte Intendant Radulf Beuleke schon die ersten Fahrplandetails nennen. Und der Zug dampft in Richtung Kanaan, Hollywood und Sherwood Forest.

Mit dem grellbunten Bibelspektakel „Joseph“ und dem ungleich düsteren „Sunset Boulevard“ setzt man am Deutschen Sommer-Westend nächstes Jahr ganz auf die Webber-Karte. Beide Stücke stammen aus der Feder des geadelten britischen Musical-Papstes, entstanden in dessen kreativer Frühphase – und sind seine schlechtesten nicht. Für Beuleke und Co. wird es ja zunehmend schwieriger, die Rechte für zeitgemäße Produktionen bzw. solche mit entsprechender Zugwirkung zu erwerben, nachdem hier im mit 2300 Sitzplätzen Deutschlands größtem Musicaltheater unter freiem Himmel in den vergangenen Jahren schon so gut wie alles gelaufen, was sich die Fans wünschen. Alles? Nein nicht ganz. Einige Punkte stehen dahingehend nach wie vor als unerledigt auf der To-Do-Liste. Das zähe Bemühen, hier irgendwann doch noch mal den Zuschlag zu erhalten dauert an. Steter Tropfen …

Dreaming-Joe und rockender Pharao

Allzu oft wiederholen möchten sich die Münsterländer nun ja auch nicht. Aber hin und wieder lässt sich ein Remake nicht umgehen, was beispielsweise bei dem Mann mit dem bunten Mantel der Fall sein wird. Das ist aber nicht weiter schlimm, das es ja schon ein paar Jährchen her sind, dass der coole Träumer und der rockende Pharao aus der alttestamentarischen Geschichte auf der Burg einen Engel am und vom Teck-Himmel schweben sahen. Das war erstmals und zuletzt anno domini 2003 der Fall gewesen. Die zugleich erste deutschsprachige Freiluft-Inszenierung dieses rasanten Bibel-Happenings überhaupt. Damals (Regie: Dean Welterlen) hatte Sven-Olaf Denkinger den Dreaming-Joe gegeben, 2014 wird Alexander Klaws von seinen neidischen Brüdern auf dem Flohmarkt vertickt, um sich in Folge u.a. auch den Nachstellungen von Potiphar’s sexuell etwas hyperaktiven Frau Gemahlin erwehren zu müssen. Weitere Personalien sind derzeit noch nicht bekannt.
Das bereits 1968 entstandene Frühwerk des Barons Webber wird in Tecklenburg insgesamt 21 mal aufgeführt. Premiere ist am 21. Juni 2014, Derniere am 24. August. Die deutsche Übersetzung der Tim Rice-Texte stammt übrigens von Heinz-Rudolf Kunze.
Etwas jüngeren Datums (1993) ist das auf dem gleichnamigen Film von Billy Wilder basierende „Sunset Boulevard“ (Deutsch: Michael Kunze) , eine hochdramatische-emotionale Geschichte um das letzte Aufbäumen und Scheitern der alternden, noch der Stummfilmzeit entstammenden Cineasten-Diva Nora Desmond. Im jungen Drehbuchautor Joe Gillis sieht die Leinwandseniorin ihre letzte Chance, die Kurve doch noch zu kriegen und den Übergang ins moderne, Tonfilm geprägte Hollywood zu schaffen. Uwe Kröger und Helen Schneider (später Yngve Gasoy-Romdal und Daniela Ziegler) hatten mit der Interpretation dieser Rollen weiland im Niedernhausener Rhein-Main-Theater Maßstäbe gesetzt, wo das Stück von 1995 bis 1998 lief. 2011 flanierten die Bad Hersfelder auf der aus dem Westen von Los Angeles in die Ost-Hessische Kurstadt verlegten Prachtstrasse - Nora Desmond-Comeback für Helen Schneider inklusive.

Große Namen: Maya Hakvoort und Reinhard Brussmann

Ein ganz großer Name steht dafür auch auf der Besetzungsliste im Theater auf der Burg: der von Maya Hakvoort. Damit gibt die Ausnahmekünstlerin aus den Niederlanden, die seit 1989 so gut wie alle großen weiblichen Musicalrollen im deutschsprachigen Raum, die der „Elisabeth“ inklusive, bekleidet hat, hier ihren Einstand. Als Junior-Lover Joe Gillis an ihrer Seite: Julian Looman. Die Fans wird es freuen, während es andererseits auch nicht verwundert, dass Reinhard Brussmann auch in der Saison 2014 in Tecklenburg wieder einen Fuß in der Tür hat. Der Ur-Valjean aus Österreich, ein Charakterdarsteller und echter Allrounder, hatte hier ja bereits im vergangenen Jahr als Monte Christo-Mitgefangener Abbé Faria einen bärenstarken Job abgeliefert und sich nebenbei auch als Banditenchef Manitus Schuh angezogen. Auf dem Boulevard des Sonnenuntergangs schlüpft der Künstler in die Rolle des undurchsichtigen Butlers Max von Mayerling. Zur weiteren Cast zählen u.a. Annemieke vanDam als Betty Schaefer (wird bei einigen Vorstellungen durch Wietske van Tongeren vertreten), und Thomas Hohler als Artie Green.

Kartenvorverkauf begonnen

Regie führt Andreas Gergen, der hier schon bei „Crazy for You“ und „Hairspray“ die inszenatorischen Fäden gezogen hatte. Die Partitur dürfte bei Tjaard Kirsch und seinem großen Orchester wieder in den besten Händen sein. „Sunset Boulevard“ ist ein Ausstattungsstück, das den Tecklenburgern und ihrem stattlichen Personalfundus gelegen kommt, nicht zuletzt, weil sie da mit ihrem großen Chor und ihrer großen Statisterie wieder aus dem Vollen schöpfen können. 20 Shows stehen auf dem Spielplan. Premiere ist am 25. Juli 2014, der letzte Vorhang fällt am 13. September. Der Kartnevorverkauf für beide Produktionen hat bereits am 20.November begonnen.

Dem fiesen Sheriff eine lange Nase machen

Witziges und Spannendes für Alt und Jung wartet derweil hinter den dicken Stämmen alter Eichen - im Sherwood Forest. Das Familienmusical als dritte Angebots-Säule hat in Tecklenburg lange Tradition und ist für die Hausherren ein sicherer (Publikums-)Hafen. „Robin Hood und die Kinder vom Sherwood Forest“ werden diesmal hier kühne Abenteuer bestehen und dem fiesen Sheriff eine lange Nase machen. Radaulf Beuleke zeichnet für Text und Libretto verantwortlich, Klaus Hillebrecht packte das Ganze in eingängige Melodien. Bereits am 25. Mai werden die Bogensehnen gespannt. Bis 3. September stehen 33 Vorstellungen an.
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