Musical-Künstler als Hörspielsprecher: Amadeus zwischen Fakt und Fiktion - Anne Welte und Chris Murray auf den Spuren der Puderlocke

Darauf einen Milchshake: Anne Welte und Hörspielproduzent Dennis Rohling stoßen auf die neue „Amadeus“-Folge an. (Foto: Privat)
 
War ausnahmsweise einmal nicht zum Singen im Tonstudio: Chris Murray spricht in der Hörspielreihe den Part des Kaisers Josef II. (Foto: Privat)
Ja, ja das Wolferl! Geistert, Schnapszahl, seit 222 Jahren durch die Konzertsäle, Theater, Kinos, Museen und Bibliotheken. Vita und Wirken des pudergelockten Musikgenies aus Salzburg bieten den unterschiedlichsten Genres Inhalts-Stoff in Hülle und Fülle. Daran wird sich vermutlich auch in den nächsten 200 Jahren nichts ändern. Viele Fans des Musiktheaters dürften sich spätestens seit dem 1999 uraufgeführten Levay-Kunze-Musical gleichen Namens näher mit Leben und Werk des Komponisten-Tycoons, der der Nachwelt einen ganzen Sack unsterblicher Klangschätze hinterlassen hat, auseinander gesetzt haben. Wo ist Mozart?
Ein Fan ist auch Dennis Rohling. Und wenn man dann wie er in der glücklichen Lage ist, das Angenehme mit dem Nützlichen, den Job mit der Passion zu verknüpfen, ist die Welt im Lot. Der Mann mit der grünen (!) Frisur ist, seit die Elenden in Duisburg den Aufstand probten und er dort Mitte der 90er Jahre als kleiner Bub mit „Les Miserables“ sein erstes Musical goutierte, fasziniert von diesem kulturellen Stilmittel. Selbiges hat nun mit seinem eigentlichen Job zunächst und auf den ersten Blick nicht so viel zu tun. Der Osnabrücker ist Hörspiel-Produzent. Sein Label „Hörplanet“, das er zusammen mit seinem Partner Michael Eickhorst betreibt, hat in den vergangenen Jahren vielen ambitionierten und interessanten Produktionen auf die Welt geholfen. Eines der jüngeren Projekte, und da verknüpfen sich jetzt wieder die losen Enden, ist „Amadeus“.

Humor, Mystery, Criminal

Da mixt Autor Sebastian Weber biografische Fakten mit dramaturgischer Fiktion zu einem höchst spannenden Cocktail zusammen, mit Humor, Mystery, Criminal und Dramatik als perfekt abgeschmeckte Ingredienzen. Vor allem so konträre Themen wie Kirche und Wissenschaft verleihen der aufwändig produzierten Serie ein großes Spannungspotential. Die Musikuntermalung ist mit Gespür und Bedacht gewählt, die Sprecherrollen ausnahmslos mit Profis besetzt.
Apropos Rollen: Jene der Madame Thénardier hatte der Saarländerin Anne Welte ja weiland im Theater am Marientor, wo Dennis Rohling oft in der ersten Reihe saß und sein Taschengeld drauf trieb, zum großen Durchbruch verholfen. Und als sich beide, die Wirtsfrau i.R. und der zum kreativen Tonexperten gereifte Bub von damals dann in Tecklenburg anlässlich einer Aufführung von „Marie-Antoinette“ begegneten, war es bald beschlossene Sache, ein gemeinsames Ding zu drehen. So kam „Granaten-Anne“ ausnahmsweise mal nicht zum Singen, sondern zum Sprechen ins (Berliner) Tonstudio. Für Künstler ihres Schlages sind derlei „Nebenjobs“ gar nicht mal so ungewöhnlich. Eine niederländische Kollegin von ihr hat sogar eine Navigationssoftware für ihre Landsleute besprochen, um diese auf den rechten Weg zu geleiten: "Omkeren alstublieft! De eerste afslag rechts".

Für Erwachsene, nicht für Kinder

„Amadeus“ ist kein Hörspiel für Kinder, sondern eins für Erwachsene. Die Folgen, hier heißen sie „Partituren“, haben eine Spieldauer von jeweils 70 Minuten. Aktuell ist Nr. 6 im Handel. Titel: „Teutobochus“. (Was immer der auch bedeuten mag). Teil 7 erscheint Ende November, wobei noch völlig offen ist, wie viele Einheiten letztendlich produziert werden. Die erst drei Tonträger aus dieser Serie waren im Oktober 2012 auf den Markt gekommen. Voraussichtlicher Erscheinungszeitraum für Teil 8 mit dem sperrigen Namen „Sukkubus“ : Frühjahr 2014. In dieser Episode spricht Anne Welte den Part der Bordellbesitzerin. Sie kann da auf einschlägige Berufserfahrungen aus Zeiten Marie-Antoinettes im Münsterland zurückgreifen. Bei solchen Produktionen muss man lange im Voraus planen und die Tracks monatelang vor Veröffentlichung einspielen, weil die Beteiligten eine Fülle anderer Verpflichtungen haben und natürlich nicht immer auf Abruf verfügbar sind.
Und noch ein musical-ische Größe ist in dieses Projekt involviert: Chris Murray. Den kennt der Produzent schon länger, hatte ihn zuletzt bei „Friedrich“ in Potsdam erlebt und unter diesem Eindruck alle Hebel in Bewegung gesetzt, ihn für eine Mitarbeit zu gewinnen. Hat ja auch geklappt. Murray darf in dem Hörspiel sein Rollen-Portfolio um das eines Kaisers erweitern und trägt seit Folge 5 den Part Joseph des II. Die Fotos, die aus dem Studio nach draußen drangen, legen den Schluss nahe, dass die Arbeit den beiden Künstlern mächtig Spaß gemacht hat. Das gilt offenbar auch für die Käufer der bislang erschienenen CD’s, wie die begeisterten Kundenrezensionen auf den einschlägigen Portalen belegen.
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